"Es ist eine freiwillige Leistung!" Klaus Anderlik, Leiter des Amts für Schulen und Bildung, sagte es gleich zweimal. Beim erstenmal ging es am Dienstag im Finanzsenat um die eCn-Klassen: eCn steht für "extra Chance nutzen", und es handelt sich um ein Angebot für Schüler, die einen Mittelschulabschluss nachholen oder zusätzlich erwerben wollen. Seit 2007 fördert die Stadt dieses Programm zusammen mit dem Freistaat und der Agentur für Arbeit. Die Erfolgsquote ist hoch: Von 41 Schülern, die im Schuljahr 2018/19 in Coburg und Neustadt teilnahmen, hielten 35 durch und schafften auch den Abschluss. Die Stadt fördert die eCn-Klassen an der Heiligkreuzschule für jeweils drei Jahre. 6500 Euro stellt sie pro Schuljahr zur Verfügung. Dabei bleibt es auch für die nächsten drei Jahre.

Auch die Waldorfschule in Coburg erhält Zuschüsse von der Stadt: 400 Euro pro Schuljahr und Schüler von der ersten bis zur zwölften Jahrgangsstufe. Der Landkreis zahlt den gleichen Betrag pro Schüler, allerdings erst ab Jahrgangsstufe 5, weil er nur für weiterführende Schulen zuständig ist.

Die Rudolf-Steiner-Schule hat im Sommer darum gebeten, den Zuschuss auf Höhe der im Schulfinanzierungsgesetz vorgesehenen Gastschulbeiträge anzuheben. Das sind die Kosten, die in Rechnung gestellt werden, wenn Schüler eine Schule außerhalb der für sie zuständigen Kommune besuchen. 1525 Euro beträgt der Gastschulbeitrag pro Schüler und Schuljahr in Grund- und Mittelschulen, 925 Euro sind es bei Gymnasien.

Aber: Schon die 400 Euro pro Schüler und Schuljahr sind eine freiwillige Leistung, betonte Anderlik. Deshalb haben er, Kämmerin Regina Eberwein, die Landkreiskämmerei, der Bildungsbeirat und der Kultur- und Schulsenat einen höheren Zuschuss bislang abgelehnt. Der Finanzsenat war jedoch anderer Meinung: Eine "moderate Anhebung" dürfe sein, sagte Horst Geuter (WPC), und Bettina Lesch-Lasaridis (SPD) machte einen förmlichen Antrag daraus: 500 Euro pro Schüler und Schuljahr. Friedrich Herdan (CSU) wollte gleich gar auf die Höhe der Gastschulbeträge hinauf. Aber seine Fraktionskollegen Hans-Herbert Hartan und Thomas Bittorf lehnten jegliche Erhöhung ab: Woanders würden die Waldorfschulen gar nicht unterstützt, sagte Hartan. "Wir sind also schon großzügig."

Bettina Lesch-Lasaridis wies darauf hin, dass die Waldorfschule ihre Gebühren für die Familien verträglich gestalte. "Das ist kein Elite-Eltern-Internat. Ich finde es schön, dass es in Coburg auch für weniger Begüterte erschwinglich ist." Kämmerin Regina Eberwein gab zu bedenken, dass man die Waldorfschule aufgefordert habe, sich um Sponsoren zu bemühen - auch die Coburger Unternehmen hätten ja Interesse an einer vielfältigen Schullandschaft, um die Attraktivität des Standorts zu erhöhen. "Man sollte mal nachprüfen, was da geschehen ist."

Ähnliche Diskussionen waren schon vor einigen Jahren geführt worden, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Damals ging es im Zuge der Haushaltskonsolidierung darum, ob der Zuschuss für die Rudolf-Steiner-Schule ganz abgeschafft werden solle. Übrig blieben die 400 statt der vormals 750 Euro pro Schüler. Nun wird wieder auf 500 Euro erhöht. Dagegen stimmte neben Hans-Herbert Hartan und Thomas Bittorf auch Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). "Jetzt wird alles weggewischt, was wir während der Haushaltskonsolidierung besprochen haben", kommentierte er. Der neue Zuschuss gilt erst ab dem Schuljahr 2020/21. Tessmer: "Hoffentlich kommt bis dahin keine Haushalts-Konsolidierung."

Beschlossen wurde außerdem, dass die Grundschulen Ketschendorf, Neuses, Scheuerfeld und Melchior-Franck-Schule Glasfaseranschlüsse erhalten sollen. Dafür hat der Freistaat ein Förderprogramm aufgelegt: Von den rund 188 000 Euro Gesamtkosten muss die Stadt rund 51 200 selbst übernehmen. Die übrigen 17 Schulen im Stadtgebiet haben bereits Glasfaseranschluss.