Das P-Seminar "Erinnerungskultur" des Gymnasiums Alexandrinum stellte bei der Abschlussveranstaltung seine Ergebnisse vor. Die Schüler hatten sich mit dem Thema "Schule im Nationalsozialismus am Beispiel der Alexandrinenschule und des Ernst-Albert-Seminars unter der Leitung von Franz Heimberger (1935 - 1945)" beschäftigt.

"Im vergangenen Herbst haben die Schüler mit der historischen Detektivarbeit begonnen", erinnerte Studienrätin Yvonne Flach. "Sie stellten sich die Frage, warum denn das Jahr 1935 gleich zwei Schulleiterwechsel am Alexandrinum mit sich brachte." Und dann wurde es spannend: Von den vorangegangenen Forschungen des P-Seminars "Stolpersteine" des Abiturjahrgangs 2018 war bekannt, dass 1935 auch das Schuljahr war, zu dem die letzten beiden Schülerinnen jüdischen Glaubens die Alexandrinenschule verließen. Verlassen mussten?

Bei den Nachforschungen seien sie auf allerlei erwartete, teils auch unerwartete, in jedem Fall erleuchtende Erkenntnisse gestoßen. "Das hätten wir nicht alleine geschafft", so Yvonne Flach. Daher dankte sie im Namen der Schüler denjenigen Menschen, die ihnen mit ihrer Expertise zur Seite standen: Alexander Wolz vom Staatsarchiv Coburg, Eva Karl vom Institut für Zeitgeschichte und Brigitte Maisch von der Stadtbücherei Coburg. Der Dank ging auch an die Koinor Horst Müller Stiftung des Gründers der Firma Koinor Polstermöbel in Michelau, die mit ihrer finanziellen Unterstützung wesentlich dazu beitrug, dass der Abschluss gebührend im Rathaus gefeiert werden konnte.

Abscheuliche Vorgänge

Die Schüler des Gymnasiums Alexandrinum lasen bei der Abschlussveranstaltung des P-Seminars "Erinnerungskultur" in Auszügen aus Büchern von Bertolt Brecht, Rosa Luxemburg, Albert Einstein, Kurt Tucholsky und anderen vor. "Wir wollen uns heute nicht nur mit der nationalsozialistischen Geschichte Coburgs auseinandersetzen, sondern auch zum ersten Mal intensiv mit der nationalsozialistischen Geschichte zweier Coburger Gymnasien, die damals zur Deutschen Aufbauschule für Jungen und Mädchen zusammengefasst waren", erklärte Christo Petkov. "Und all das können wir nur deshalb, weil wir in einem demokratischen Staat leben, in einem Land, das sehr lange und sehr bitter für dieses Privileg der freien Rede gekämpft hat." In Coburg wehte zu allererst auf einem deutschen Rathaus die Hakenkreuzfahne; hier wurde Hitler Ehrenbürger, in der Stadt, die sich später "erste nationalsozialistische Stadt Deutschlands" nennen durfte. Und - was für die Schüler wohl am abscheulichsten ist - hier fand auch eine der ersten Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten statt.

Was im Rathaus geschah

Das Rathaus am Markt sei der zentrale Ort der lokalen Demokratie. Leider sei dies nicht immer so gewesen, erinnerte Dritter Bürgermeister Thomas Nowak, der Pate der Schule beim Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ist. "Coburg hat in seiner Geschichte auch dunkle Stunden erlebt." Ohne den Vorträgen vorweg greifen zu wollen, skizzierte Nowak die unrühmliche Geschichte dieses Gebäudes. Bereits am 23. Juni 1929 errang die NSDAP eine absolute Mehrheit mit 13 von 25 Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung, also fast vier Jahre vor der Machtergreifung Adolf Hitlers. Es gab zu diesem Zeitpunkt noch zwei Bürgermeister, Erich Unverfähr und Ernst Altenstädter, die nicht der NSDAP angehörten. Diese wurden systematisch mürbe gemacht, bis sie sich in den Ruhestand versetzen ließen oder in den Ruhestand versetzt wurden. Für Erich Unverfähr liegt am Eingang des Rathauses ein Stolperstein. Mit dem Ruhestand der beiden war die Zeit gekommen, dass Franz Schwede am 16. Oktober 1931 Erster Bürgermeister wurde. Ab diesem Zeitpunkt herrschte die NSDAP im Rathaus, und die Demokratie wurde nach und nach ausgeschaltet.

Den Teilnehmern des P-Seminars des Gymnasiums Alexandrinum sei er dankbar, dass sie sich "unserer lokalen, alles andere als rühmlichen Geschichte widmeten", sagte Bürgermeister Nowak. Auch heute sehe er Gefahren und Feinde für die Demokratie.

Mehrere anwesende Stadtratsmitglieder äußerten großes Interesse an den Forschungsergebnissen des P-Seminars und freuten sich zu hören, dass die Grundlagenarbeit der Schüler in den Geschichtsblättern der Historischen Gesellschaft Coburgs veröffentlicht werden soll. des