Bei einem Bockbierfest in Merkendorf im vergangenen November verletzte ein damals 18-jähriger Auszubildender einen 25-jährigen Mann aus Lichtenfels mit einem Glaskrug im Gesicht. Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bamberg verzichtete jetzt auf einen Arrest und beließ es wegen gefährlicher Körperverletzung bei einer Geldauflage von 1000 Euro für den Verein Lifeline Bamberg. Denn vieles sprach für den Angeklagten.

Einige Glühwein und zwei bis drei Bier zum Vorglühen. Dann mit den Kumpels noch einmal drei bis vier Bockbier. Als Bastian F. (Name geändert) um kurz vor Mitternacht das Festzelt am Sportplatz verlässt, um frische Luft zu schnappen, da hat er rund zwei Promille Alkohol im Blut. Vor dem Toilettenwagen herrscht großes Gedränge. Fast alle sind betrunken.

Ein Unbekannter rempelt Bastian F. unbeabsichtigt an. Erst wird es laut, dann fliegen Beleidigungen hin und her. Es beginnt eine Schubserei. Schließlich liegt der Unbekannte am Boden. Ihn hat ein Glas-Seidla mitten im Gesicht getroffen. Genau unterhalb des linken Auges. Dabei geht das Krügla zu Bruch. Auch die ausgelassene Stimmung auf dem Vorplatz ist schlagartig dahin. Zwei weitere junge Frauen werden durch Glassplitter verletzt. Der Abend endet für Bastian F. in der Arrestzelle der Land-Polizei. Für sein Gegenüber geht es im Rettungswagen in die knapp zehn Minuten entfernte Juraklinik in Scheßlitz.

Ohne Absicht

"Es war nicht meine Absicht, jemanden zu verletzen", erklärte Bastian F. dem Vorsitzenden Richter Martin Waschner und dessen beiden Laienrichtern. Er sei noch nie in eine Schlägerei verwickelt gewesen, betont der Angeklagte. "Ich habe keine Ahnung, wie der Krug in seinem Gesicht gelandet ist." Er sei vor sich selbst erschrocken gewesen.

Nach der Tat hatte er noch versucht, den Namen seines Opfers herauszufinden, um sich zu entschuldigen und die Sache mit einem Kasten Bier aus der Welt zu schaffen. Da dieser nach dem Schlag ins Gesicht aber zwei Wochen seine Selbstständigkeit nicht ausüben konnte, war klar, dass das als Täter-Opfer-Ausgleich nicht reichen würde. Zudem dürfte die Krankenkasse vom Verursacher noch Behandlungskosten wiederhaben wollen.

Doch erst einmal ging es darum, eine Jugendstrafe zu vermeiden. Denn Staatsanwältin Christiane Schütte hatte wegen der potenziellen Gefährdung des Augenlichts auch eine versuchte schwere Körperverletzung angeklagt und 22 Monate Jugendstrafe zur Bewährung gefordert. Da war das Entsetzen aus Bastian F.s Gesicht abzulesen.

Sekundenversagen

Vieles sprach für Bastian F. Nicht nur, dass er bislang nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. "Er ist kein Schlägertyp", so sein Verteidiger Jochen Kaller aus Bamberg. Das ganze sei ein Sekundenversagen. "Er hat nicht daran gedacht, dass er den Krug noch in der Hand hatte." Auch die Tatsache, dass er dem Opfer der Attacke als Wiedergutmachung 1000 Euro in bar in die Hand drückte, milderte die Bestrafung. Der sichtlich überraschte Mann nahm die Summe an.

Bei den Verletzungen hatte beiden Streithähne Glück. "Es hätten auch Scherben ins Auge dringen können", so Prof. Peter Betz. Dann hätte das Augenlicht verloren gehen können, führte der Rechtsmediziner von der Universität Erlangen-Nürnberg aus. Die Blutergüsse, Schnitt- und Platzwunden mussten zwar geklebt und genäht werden, sind aber folgenlos verheilt. Narben oder andere Spätfolgen sind nicht ersichtlich.

Spürbare Geldauflage

So orientierte sich das Gericht am Vorschlag des Vertreters der Jugendgerichtshilfe. Eine Jugendstrafe sei nicht notwendig, auch kein Arrest, so Peter Handschuh vom Landratsamt Bamberg. Denn anders als beim Erwachsenenrecht dreht sich bei den U21-Angeklagten alles um die Erziehung, damit sie gar nicht erst auf die schiefe Bahn geraten oder wieder von ihr herunterkommen. So griff man zum Zuchtmittel einer spürbaren Geldauflage. Auf den Zuschauerbänken herrschte nach dem Urteil Erleichterung. Bastian F.s Mutter ließ ihren Tränen freien Lauf.