Mit einer reinen Waldfläche von 478 Hektar ist die Stadt Bad Rodach der größte kommunale Waldbesitzer in Nordbayern. Damit ist der Baumbestand kein unwesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Stadtfinanzen. Für die Jahre 2007 bis 2026 ist in der Waldbewirtschaftung vorgesehen, jährlich 2200 Festmeter Holz zu entnehmen, die bisher mit rund 130 000 Euro als Einnahmen verbucht werden konnten.

Derzeit machen aber zwei "Handwerker", der Buchdrucker und der Kupferstecher, der Kalkulation einen kräftigen Strich durch die Rechnung. Die beiden Gesellen sind Borkenkäfer, die auch dem städtischen Fichtenbestand zunehmend den Garaus machen.

Durch die extreme Trockenheit kann der Baum nicht mehr genug Harz ausbilden, um sich gegen das Eindringen der Käfer zu wehren und ist damit einem Befall durch diesen schutzlos ausgeliefert.

Die einzige wirksame Maßnahme ist, befallene Bäume sofort aus dem Wald zu entfernen. Geschieht das nicht, verlassen über 20 000 Käfer eine befallene Altfichte. Diese können wiederrum Nachbarbäume befallen, aus denen dann 400 000 neue Käfer ausschwärmen. Durch die Entnahme vom sogenannten Käferholz wird jedoch der Markt mit Holz überschwemmt, was zu einem enormen Preisverfall führt.

Dies bekommt man auch in der Kurstadt zu spüren. Im Rahmen einer Waldbegehung, zu der Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) Stadträte und Ortssprecher eingeladen hatte, zeigte Kämmerer Michael Fischer die dramatische Situation vor Ort auf.

Nach seinen Worten mussten im vergangenen Wirtschaftsjahr, das am 30. September endete, rund 5000 Festmeter Holz eingeschlagen werden. Im derzeitigen Geschäftsjahr, das noch nicht einmal einen Monat alt ist, wurde demnach bereits das kalkulierte Jahreskontingent entnommen. Aufgrund des rasanten Preisverfalls wurden im vergangenen Jahr nur 60 000 Euro erzielt. Angesichts dieser Entwicklung sprach Bürgermeister Ehrlicher von einem "Nullsummenspiel".

Es kann dabei nur ein kleiner Trost sein, dass ein Teil des Holzes als Hackschnitzel in der Therme Natur verbraucht wird. "Wir verwenden hier rund 1100 Festmeter jährlich", ließ Michael Fischer wissen. Manfred Herter, Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Coburg (WBV), die die Betriebsführung des Stadtwaldes innehat, verdeutlichte, dass es sich bei den geschlagenen Stämmen um reines "Käferholz" handelt. "Da ist kein Stamm Frischolz dabei", betonte er.

Auch Jungpflanzen kosten Geld

Mit der Baumfällung ist es aber noch lange nicht getan. Wie Manfred Herter wissen ließ, muss für die Verjüngung gesorgt werden. Dies bedeutet, dass pro Hektar Wald zwischen 2000 und 3000 Pflanzen ins Erdreich gebracht werden müssen. Bei einem Stückpreis von zwei bis drei Euro schlägt eine Verjüngung des Baumbestandes mit 4000 bis 9000 Euro je Hektar zu Buche.

Tobias Ehrlicher kritisierte hier die staatliche Haltung. "Wenn der Freistaat Bayern etwas will, dann müsste er dies auch entsprechend fördern", betonte Ehrlicher und machte klar, dass die staatliche Förderung in diesem Bereich bei weitem nicht ausreicht. "Wir bekommen einen Gemeinwohlausgleich von 3750 Euro pro Jahr".

Dass sich das bis zu zwölf Millimeter große Tier weiter ausbreiten kann, hat in den Augen von Michael Fischer einen hauptsächlichen Grund. "Es gibt Waldbesitzer, die sich dem Borkenkäferbefall in ihrem Gebiet einfach nicht annehmen." Wie schlimm die Situation ist verdeutlichte Manfred Herter abschließend: "Ein Ende des Problems ist für mich nicht absehbar."