Eltmann ist die 555. Fair-Trade-Stadt in Deutschland - und die erste im Landkreis Haßberge. Die offizielle Übergabe der Urkunde zum Fair-Trade-Siegel fand am Donnerstag im Klenze-Saal der Stadthalle statt. Die Kriterien geschafft zu haben, sei aber eher Auftrag als Verdienst, denn es gelte, den Fair-Trade-Gedanken immer weiter in das Handeln der Bevölkerung zu tragen, sagte Bürgermeister Michael Ziegler.

Der Weltladen und sein engagiertes ehrenamtliches Team sind die Keimzelle der Fair-Trade-Bewegung in Eltmann. Aus dem Weltladen heraus hielt zunächst der fair gehandelte Kaffee Einzug in die Eltmanner Feste, ob Pfarrfest oder Biertage. Die Kolpingsfamilie, die den Weltladen trägt, informierte immer wieder über den fairen Handel, der ein wirkungsvolles Instrument zur Armuts- und Fluchtursachenbekämpfung ist. Die Wallburg-Realschule wurde schon 2013 Fair-Trade-Schule, ihr Chor gestaltete auch die Feier am Donnerstag. Auch die Grund- und die Mittelschule engagieren sich für fairen Handel.

Vor einem Jahr ging Elisabeth Müller-Förtsch auf den Bürgermeister zu. "Wir erfüllten schon fast alle Kriterien, um Fair-Trade-Stadt zu werden", erklärte sie. Michael Ziegler und das gesamte Stadtratsgremium waren sofort dabei - ebenso wie viele Gewerbetreibende und Gastronomen. Eine Steuerungsgruppe wurde gegründet, die das Projekt aufbaute, vor Ideen nur so sprudelt und eigentlich jetzt erst so richtig loslegen werde, kündigte Müller-Förtsch an.

Sehr gefreut habe er sich bei seinem Spaziergang durch "diese Stadt von hoher Lebensqualität" über die vielen Plakate in den Schaufenstern beteiligter Firmen, erklärte Manfred Holz, Ehrenbotschafter von Trans-Fair. 99 Prozent aller Konsumenten würden die Fair-Trade-Idee begrüßen, "aber leider sind wir auch Schnäppchenjäger", bedauerte er. Eine Milliarde Menschen auf der Welt kämpfe gegen Übergewicht, genauso viele hätten zu wenig zu essen. Für Holz ist klar: "Die globalen Krisen sind die Folge von Entscheidungen, die getroffen wurden. Und wir sind nicht ohnmächtig. Wir müssen global denken, dürfen aber nicht vor Ort fatal handeln."

Er würdigte das hohe Engagement in Eltmann, denn das Siegel als Fair-Trade-Stadt bekomme man nicht geschenkt. Die Anforderungen seien hoch. Auch werde alle zwei Jahre geprüft, ob die Kriterien noch erfüllt sind. Letztes Jahr sei der deutsche Umsatz von 1,3 auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Fast jeder Laden oder Markt führe heute einige Fair-Trade-Produkte, und so gelinge der Weg "aus der exotischen Nische zur Bürgerbewegung. Wer Fair Trade kaufe, der verteile keine Almosen, betonte Holz, sondern er sorge für faire und vor allem stabile Preise.

Derzeit gibt es in Bayern mit Eltmann 139 Fair-Trade-Städte. Im Landkreis Haßberge laufen derzeit außerdem in Ebern und in Haßfurt Bestrebungen, das Siegel zu erhalten. sw