Marion Krüger-Hundrup Beten allein hilft nicht immer. Füllt nicht den Magen, sorgt nicht für eine gute Schulbildung oder Krankenpflege. Glaube zeigt sich im Tun, im Handeln für den Nächsten, gleich wo auf diesem Globus er lebt. "Der Einsatz für die Armen ist keine bloße Option, sondern eine Notwendigkeit für authentischen Glauben", schreibt Papst Franziskus in seiner Botschaft zum "Welttag der Armen", der am morgigen Sonntag begangen wird. Das Motto lautet: "Streck dem Armen deine Hand entgegen", ein Wort aus dem Alten Testament (Sirach 7,32).

Der Rattelsdorfer Verein "Wanitha wani - Stimme für Frauen" streckt nun seit 25 Jahren die Hand nach Südindien aus. Zu den Ärmsten der Armen, die mehr denn je seine Hilfe brauchen. Das Corona-Virus trifft die bettelarmen Menschen besonders stark.

"Auch wir in Deutschland leiden unter persönlichen Einschränkungen, haben womöglich Existenzängste", weiß der Vereinsvorstand um Maria Butterhof. "Doch um wieviel mehr kämpfen die Armen?" fragen sie vor dem Hintergrund der Nachrichten, die aus "ihrem" Subkontinent Indien nach Franken gelangen.

"Wanitha wani" ist mit etwa 50 Mitgliedern zwar nur ein kleiner Verein, der nach eigenen Worten sicher lediglich "ein Tropfen auf den heißen Stein" sein kann. Aber für die betroffenen Menschen erweist sich dieser Tropfen als überlebensnotwendig, wie ein Rückblick auf 25 Jahre Wirken zeigt. Reverend Samson Badugu aus Südindien absolvierte 1987 einen Deutschkurs in der Burg Feuerstein. Seine Kenntnisse erprobte er in Rattelsdorf. Es folgten in den Jahren danach Vertretungen in Pfarreien des Erzbistums Bamberg, ein Studium des Kirchenrechts samt Promotion, danach drei Jahre Pfarradministration in Markgraitz.

Kreislauf der Armut durchbrechen

1995 wollte Badugu zurück in seine Heimatdiözese Kadapa im Bundesstaat Andhra Pradesh: "Wir wollen den Kreislauf der Armut mit einer guten Schul-, Weiter- und Berufsausbildung für Mädchen der niederen Kaste durchbrechen!" lautete seine Absicht, als er vor seiner Rückkehr mit einigen Männern und Frauen aus seinen Wirkungsorten in Ober- und Mittelfranken den Verein "Wanitha wani" gründete.

Pfarrer Hans Kohrmann aus Rattelsdorf war das erste Mitglied des jungen Vereins. Weitere fanden sich bald in Rattelsdorf, Marktgraitz, Bamberg und Nürnberg-Mögeldorf. Inzwischen fand Samson Badugu durch die Unterstützung von Pfarrer Bernhard Friedmann in Burgebrach ein weiteres Standbein im Landkreis Bamberg.

Erstaunliche Spendensummen des ehrenamtlich und ohne Verwaltungskosten arbeitenden Vereins flossen in den vergangenen 25 Jahren in die Diözese Kadapa. So konnten verschiedene Projekte gefördert werden wie beispielsweise die Bezahlung von Schuluniformen, Lernmaterial, Essen sowie Studiengebühren für 1000 Schülerinnen. Oder die Ausbildung von 300 jungen Frauen zu Schneiderinnen, die sich damit in ihren Dörfern eine Existenzgrundlage schaffen konnten. Oder den Kauf von 10 Wasserbüffelkühen für die Ernährung von Familien, die den Überschuss an Milch für die Grundsicherung ihres Lebens verwenden.

Gegen die Frühverheiratung

Seit 2016 arbeitet "Wanitha wani" mit der Nichtregierungsorganisation "Raids" (Ländliche Maßnahmen in der Entwicklungsgesellschaft) zusammen. Diese sorgt für Aids-Aufklärung und kämpft gegen die Frühverheiratung von zwölfjährigen Mädchen. Junge Frauen, die sich prostituieren müssen, werden von der Straße zurückgeführt in eine sogenannte Brückenschule, in der ihnen auch mit medizinischer und psychotherapeutischer Hilfe zur Seite gestanden wird.

Vieles mehr an tatkräftiger Hilfe für Mädchen und Frauen geht auf "Wanitha wani" zurück. "Die Hilferufe nehmen kein Ende, unser Netz der Hilfe und Solidarität aber auch nicht", sagt der Vorstand in diesem außergewöhnlichen Jahr weltweit, in dem der Verein Gelder für den Kauf und die Verteilung von Frischgemüse oder die Beschaffung von Mundschutz und Desinfektionsmitteln zur Verfügung stellt.

Wer den Verein unterstützen möchte, kann sich an Maria Butterhof wenden, E-Mail: m.butterhof@gmx.de