Die historische Altstadt Gräfenbergs ist ein Blickfang. Damit auch der Marktplatz wieder äußerlich dazu passt, wollte man zurück zum Granit, und um dies nicht teuer zu kaufen, wurde 1987 für die Altstadt teilweise Kopfsteinpflaster vom Wenzels Platz aus Prag verlegt. Nur ist der holprige Belag für Mütter mit Kinderwagen und ältere Leute eher eine Hürde, die das Einkaufen erschwert.

Barrierefrei soll die Altstadt nun gestaltet werden und das eigentlich im Zuge der Verlegung der Nahwärmeversorgung geschehen. Synergieeffekte sollen genutzt werden. Das Projekt wird über die Städtebauförderung bezuschusst, allerdings sei die Barrierefreiheit noch nicht integriert, erklärte Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW). "Es wäre ein Schildbürgerstreich, das Projekt anzugehen und das alte Pflaster wieder einzusetzen", sagt Kunzmann. Wie diese Umgestaltung des Marktplatzes in einen barrierefreien Bereich geschehen kann, zeigte Ralph Stadter von der Firma RSP Architektur und Stadtplanung GmbH in Bayreuth und lässt sich in zwei Themen zusammenfassen: Eine andere Oberfläche für das Pflaster und den Konflikt zwischen Fußgänger und Fahrverkehr lösen. In erster Linie gehöre ein gut begehbarer Belag zur Barrierefreiheit.

"Es ist ein schönes Pflaster, doch für barrierefrei ist noch viel Luft nach oben", sagt Stadter. Die Neugestaltung geht dann in der Bayreuther Straße weiter, die vor allem wenig Gehweg hat, und dieser ist oft mit Autos und Werbung zugestellt. In der Schulgasse hingegen findet sich ein Sammelsurium unterschiedlicher Beläge, die Pflaster senken sich bereits und lassen bei Regen das Wasser stehen. Ähnliche Probleme durch zu schmale Straßen und parkende Autos, die den Fußgängern, vor allem den Rollstuhlfahrern wenig Raum geben, finden sich am Kirchplatz.

Drei Interessen vereinen

Wie gelingt nun das Kunststück, Fußgänger, Fahrzeuge und Außenbewirtungsanlagen konfliktfrei zu vereinen? Die Idee war, entlang der Häuserreihe am Marktplatz den Fußweg zu verbreitern, indem teils die Parkflächen für Senkrechtparker als Fußweg hinzugezogen werden. Doch Parkplätze sind rar, weshalb Lars Laufer (CSU) ein Parkplatzkonzept forderte. Auch für Sehbehinderte werden Steine zur Orientierung im Pflaster eingebracht. Zwei Querungshilfen sollen über den Marktplatz führen, eine im nördlichen, eine im südlichen Bereich bei den beiden Brunnen, die zu hoch sind. Durch das besser begehbare Pflaster werden die Fußgängerbereiche angezeigt.

Eine Unterscheidung in Fahrbahn und Fußgängerbereich sei in der verkehrsberuhigten Zone eigentlich nicht zulässig, merkte Matthias Striebich (Grüne) an, und auch Werner Wolf (FW) erinnerte an die Gleichberechtigung von Fußgängern und Fahrzeugen. So hätte es aber den Anschein, als würde den Autofahrern wieder Vorfahrt eingeräumt werden.

Den Autofahrern wird auch in der Bayreuther Straße ein Stück genommen, um die schmale Gehfläche zu erweitern und die Unebenheit aus der Fläche zu bekommen. Eine Kostenschätzung brachte Stadter auch mit. Auf 1 380 000 Euro wird die barrierefreie Umgestaltung beziffert. Alleine 506 571 Euro sind für den Marktplatz veranschlagt. Die Schulgasse würde mit 339 917 Euro die zweithöchsten Kosten verursachen. Die Neugestaltung dieser Gasse würde Matthias Striebich zurückstellen wollen. Alles kann nicht gleich umgesetzt werden, vor allem nicht, wenn man Synergieeffekte nutzen möchte.

Stadter hat Zweifel

Hier dränge die Zeit. Die Verlegung der Nahwärmeversorgung soll bereits nächstes Jahr beginnen. Das zeitlich zu schaffen, daran hat Stadter Zweifel. Wie wird die Nahwärme über den Marktplatz verlegt, wollte Wolf noch wissen. Schnell zeigte sich, dass es wenig Synergieeffekte gibt, da die Barrierefreiheit eher an den Hausreihen entlang geschehe, das Nahwärmenetz innerhalb der Fahrfläche, wie VG Geschäftsführer Stefan Kohlmann erklärte. Dort, wo Synergie stattfinden kann, soll nun bevorzugt mit der Barrierefreiheit begonnen werden und zunächst vertiefte Planungen in Absprache mit der Regierung von Oberfranken und den Planern des Nahwärmenetzes stattfinden.

Allerdings monierten die Grünen, GBL und SPD, dass es viele Bürger gebe, die unsicher sind, ob sie am Nahwärmenetz anschließen sollen, da sie nicht sicher wissen, ob das Netz auch wirklich umgesetzt wird. Hier sollte mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden.