Ein Rebhuhn, das offensichtlich kaum noch fliegen kann, würde bei den meisten Beobachtern Mitleid erregen. Bei Frank Reißenweber löste die Henne Begeisterung aus. Der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes (LPV) weiß als Biologe genau: Sie spielt nur. Dass sie das ausgerechnet neben der Blühfläche tut, die der Verband im Frühjahr hat anlegen lassen, begeistert ihn noch mehr. Er weiß: "Das tut sie, weil sie ein Gelege in der Nähe hat." Ein schöner Beweis für den Erfolg des Projekts.

Dabei gehört dieser Blühstreifen gar nicht zum offiziellen Programm, dass in den Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels zur Rettung des Rebhuhnes aufgelegt wurde. Er ist Teil einer eigenen Initiative des LPV. 30 Hektar haben Landwirte über den gesamten Landkreis verteilt zur Verfügung gestellt, damit dort die so genannte "Göttinger Mischung" ausgebracht werden kann. Das ist ein Gemisch aus Pflanzensamen, die dafür sorgen, dass auf der Fläche praktisch dauernd etwas blüht.

Diese 30 Hektar ergänzen weitere 60 Hektar, die für das Rebhuhnprogramm von Bayern-Netz-Natur geschaffen wurden. Für das Modellprojekt der drei Landkreise wurde vor Kurzem Bilanz gezogen. "Es hat sich herausgestellt, dass im Projektgebiet mit dafür angelegten Flächen die Reproduktion der Rebhuhnbestände um den Faktor zwei bis fünf höher war. In den Vergleichgebieten blieb sie ungefähr gleich", sagt Frank Reißenweber.

Das zeigt, dass die trockenen Sommer, die das Rebhuhn zu schätzen weiß, alleine nicht reichten, um für verstärkten Zuwachs zu sorgen. Es müssen auch geeignete Lebensräume zur Verfügung stehen, wie sie im Programm geschaffen wurden. Dass die Göttinger Mischung nicht nur dem Rebhuhn nutzt, ist dabei klar. "Von den vielen Blütenpflanzen und der dauernden Deckung profitieren viele Arten", sagt Frank Reißenweber. Ein Blick über die Fläche gibt ihm recht. Zurzeit dominieren die Blüten der Phacelia das Bild. Darüber summt und brummt es munter. Bienen und Hummeln, Schmetterlinge und auch Vögel sind unterwegs. Die Flächen leisten also auch einen bedeutenden Beitrag bei den Bemühungen, dem Rückgang in der Biomasse bei den Insekten entgegenzuwirken.

Dass die Fläche in diesem Jahr so gut da steht, ist auch dem Regen zu verdanken, der dann doch noch gekommen ist. Im Frühjahr hatten die Landwirte schon das Schlimmste befürchtet: einen weiteren Dürresommer. Tatsächlich schien schon das Sommergetreide im trockenen Boden nicht mehr keimen zu wollen. Doch mittlerweile ist mit rund 70 Litern Regen pro Quadratmeter - je nach Landstrich - in den vergangenen vier Wochen genug Wasser vom Himmel gekommen.

Die Blühflächen bleiben bis zum Herbst stehen. Teilweise dürfen sie auch noch im kommenden Jahr bleiben. Dann werden sie gemulcht und an anderer Stelle neu angelegt.

Der Erfolg, der sich anhand vieler Rebhuhnküken messen lässt, macht Frank Reißenweber Hoffnung, dass es eine Fortführung des Rebhuhnprogrammes über Bayern-Netz-Natur geben wird. Und auch die Blühflächen des LPV sollen keine kurzfristige Erscheinung bleiben. Die Bereitschaft bei den Landwirten, Flächen dafür zur Verfügung zu stellen, ist jedenfalls da, wenn sie dafür auch einen Ausgleich erhalten.