Was als Bewegung recht spontan gegründet wurde, um den Protest der Landwirte gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu organisieren, soll jetzt eine Struktur bekommen. "Land schafft Verbindung Deutschland (LsV-D)" soll jetzt als eingetragener Verein weiter aktiv sein. Am 5. Juni fand eine Gründungsversammlung statt. Im Freistaat heißt der Verein "Landwirtschaft verbindet Bayern (LVB)".

Beiräte aus den sieben bayerischen Regierungsbezirken wählten Rainer Seidl aus Niederbayern zum Vorsitzenden. Vertreter sind Claus Hochrein (Unterfranken), Michael Muhr (Oberbayern) und Tizian Klein (Unterfranken). Schriftführer ist Andreas Bertele aus Oberbayern, vertreten durch Dominik Herrmann (Unterfranken). Kassier ist Matthias Huber (Niederbayern), vertreten durch Matthias Schreiner (Oberpfalz).

Die Regierungsbezirke werden dann noch durch je einen Beirat vertreten, der ebenfalls einen Stellvertreter hat. Für Oberfranken sind das Thomas Hauenstein und Thomas Härtl als sein Vertreter.

Das Vereinsziel definiert LVB so: ",Landwirtschaft verbindet Bayern‘ setzt sich für die Belange der Landwirte aus allen Sparten sowie jeder Bewirtschaftungsweise aus Bayern ein. Der Verein tritt für die Bauern bei der Gesellschaft und der Politik auf, um der Landwirtschaft wieder das positive Image zu geben, welches sie auch verdient hat." Von Anfang an wollte LsV eine Stimme für die Landwirtschaft sein, die nicht eingebunden ist in Organisationen wie den Bauernverband oder politische Parteien.

Rücktritt eines Anführers

Zuletzt hatte der Rücktritt von Sebastian Dickow bei der Bewegung für Aufsehen gesorgt. Dickow war einer der führendenSprecher von LsV in Bayern. Gegenüber dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt nannte er "Grabenkämpfe" und fehlenden Rückhalt in der Landesgruppe als Gründe für seinen Rückzug aus der Bewegung.

Zuvor hatte sich "Land schafft Verbindung - wir bitten zu Tisch" bereits bundesweit gespalten. "Land schafft Verbindung Deutschland (LsV-D)" hält Kontakt zum Bauernverband, während "Land schafft Verbindung - das Original (LsV-O)" die Verbandsunabhängigkeit betont. Maike Schulz-Broers, die sich als eine der Gründerinnen der Bewegung insgesamt sieht, hat für LsV-O das Logo der Bewegung schützen lassen. Gegenüber der Zeitschrift "Agrar heute", gab sie zwar an, Landwirte dürften auch in Zukunft das Logo kostenfrei nutzen. Dennoch hält sich die Vermutung, dass der Schritt dazu diente, der konkurrierenden Initiative die Verwendung des Logos nicht mehr zu gestatten.

Dickow hatte gegenüber dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt erklärt, er habe gehofft, dass mit dem Ausstieg von LsV-O "die Zeit des Spaltens und des Gegeneinanderarbeitens vorbei sei". Er habe dann aber feststellen müssen, dass in Bayern weiterhin Gruppen innerhalb der Bewegung gegen die gemeinsamen LsV-Ziele arbeiten würden. Er habe eine Radikalisierung der Bewegung befürchtet, berichten andere Quellen. Außerdem habe es in sozialen Medien Anfeindungen gegeben. Tatsächlich wurde dem Wochenblatt eine Nachricht zugeleitet, in der Dickow als "Verräter" beschimpft wird, der "erschossen gehöre, wenn wir Kriegsrecht hätten". Dickow wird zitiert: "Anfangs habe ich versucht, dagegen zu halten." Er habe sich zunächst noch unterstützt gefühlt, dann offenbar weniger. Er hoffe, dass das Team Bayern jetzt wieder zusammen findet, um für die LsV-Ziele wie Solidarität, Einigkeit und gutes Image der Landwirte einzustehen.

Proteste gehen weiter

Am 28. Mai hatten Landwirte bayernweit an einer bundesweiten Protestaktion teilgenommen. Diese richtete sich gegen die Politik von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, deren Rücktritt die Bewegung bei ihren Kundgebungen forderte. In Coburg war eine Demonstration mit Schleppern nicht erlaubt worden, weil sie zu spät angemeldet worden war. Daher rollten die Landwirte einzeln mit ihren Schleppern vor dem SPD-Büro an, um einen Brief mit ihren Forderungen zu überreichen. Der Hauptkritikpunkt an der Arbeit der Ministerin war ihre Weigerung, das Gespräch mit den Landwirten zu suchen und ihre Umweltpolitik mit ihnen abzustimmen.

Die Landwirte seien bereit, am Umweltschutz mitzuarbeiten. Das dürfe aber nicht den Fortbestand ihrer Betriebe gefährden. Gerade in Zeiten wie der Coronakrise habe sich gezeigt, dass es wichtig sei, möglichst viele qualitativ wertvolle Nahrungsmittel im Land selbst produzieren zu können. Das sehen die Landwirte durch die Agrar- und Umweltpolitik aufs Spiel gesetzt.

Eine Reduzierung der Erträge in Deutschland durch einen politisch erzwungenen höheren Anteil an Ökolandwirtschaft und Entnahme von Produktionsflächen für Naturschutzzwecke führe außerdem dazu, dass die in Deutschland dennoch benötigten Nahrungsmittel im Ausland mit viel höherem Flächenverbrauch und mit weniger Rücksicht auf die Natur erzeugt werden müssten, geben die Landwirte zu bedenken.