Fünf Monaten ohne Bewährung - und doch durfte ein 38-jähriger Mann aus dem Kosovo jetzt das Amtsgericht in Bamberg als freier Mann verlassen. Grund waren mehr als fünf Monate Untersuchungshaft in der JVA Bamberg, die auf die Strafhaft angerechnet werden. Der Mann war wegen eines Wohnungsaufbruchs in Stegaurach angeklagt. Nun befindet sich der Wiederholungstäter, der vor vier Jahren auch schon in Forchheim, Hirschaid und Hallerndorf zugeschlagen hatte, nach eigener Aussage auf dem Rückweg auf den Balkan.

Es ist schon mehr als vier Jahre her, dass eine Serie an Wohnungseinbrüchen in den Landkreisen Bamberg und Forchheim die Ermittler auf den Plan rief. Auch im Stegauracher Ortsteil Waizendorf waren der oder die Täter zugange. Eine der drei gefundenen DNA-Spuren führte nun zu Enver D. (Name geändert). Der gab vor dem Vorsitzenden Richter Michael Herbst in allerbestem Deutsch alles zu. Mit einem Schraubenzieher habe er die Terrassentür aufgehebelt und danach sämtliche Räume des Einfamilienhauses durchsucht. Er fand zwar kein Bargeld, wohl aber elektronische Geräte wie einen Tablet-Computer und zahlreiche Schmuckgegenstände im Wert von insgesamt 2100 Euro. Darunter auch Erbstücke und den Ehering des vier Jahre zuvor verstorbenen Gatten der Hauseigentümerin, an dem viele schöne Erinnerungen hingen. Außerdem musste die völlig demolierte Tür für rund 2000 Euro ersetzt werden.

Umfassendes Geständnis

Zu Beginn des Prozesses hatte Enver D.s Verteidiger, Ralf Schönauer aus Augsburg, eine Einstellung des Verfahrens ins Spiel gebracht. Ein Vorschlag, gegen den sich Oberstaatsanwältin Tanja Zechnall vehement wehrte. "Das kommt nicht in Betracht." Woraufhin Enver D. die Vorwürfe vollständig einräumte. Er habe das Diebesgut in Deutschland verkauft und einige hundert Euro dafür bekommen. "Ich brauchte das Geld, um meine 12 000 Euro Schulden bei einem Schleuser zu bezahlen." Der sollte den Kosovaren für das fünfstellige Honorar eigentlich nach Großbritannien bringen - heimlich und illegal in einem Lkw-Container. Doch in Nürnberg fand sich Enver D. plötzlich auf der Straße wieder - ohne Geld oder Papiere. Dabei hatte man ihn hier acht Jahre zuvor abgeschoben.

Als Kind kam Enver D. vor 27 Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Nach wenigen Jahren geriet er bereits mit dem Gesetz in Konflikt. Was am Amtsgericht Bielefeld als Fahren ohne Fahrerlaubnis begann, steigerte sich am Amtsgericht Bad Oeynhausen zu Hausfriedensbruch, gemeinschaftlichem Diebstahl, Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung. Schließlich landete er mit einem gemeinschaftlichen schweren Raub, einem besonders schweren Fall des Diebstahls und einem Wohnungseinbruch-Diebstahl vor dem Landgericht Detmold. Zuletzt lernte er das Amtsgericht Bamberg kennen, das ihn wegen dreier Einbrüche in ein Mehrfamilienhaus in Forchheim-Burk zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilte. Hier hatte Enver D. in zwei Wohnungen kein Glück. Dafür fand er in der dritten nicht nur 11 000 Euro in bar, sondern auch eine Perlenkette für 2000 Euro und eine antike chinesische Uhr.

Seit Januar in der JVA

Wenn man alles zusammenzählt, sind es rund zwölf Jahre, die Enver D. hinter Gittern verbracht hat. Dass nun nicht noch weitere fünf Monate hinzukommen, die das Schöffengericht verhängt hat, lag an der Untersuchungshaft, die seit Ende Januar in der JVA Bamberg vollstreckt wurde. Diese Zeit und die mehrwöchige "brutale Auslieferungshaft in Albanien", so sein Verteidiger, wurden abgezogen. So verfügte Richter Herbst, nachdem alle Beteiligten auf weitere Instanzen verzichtet hatten, die sofortige Freilassung.

Mit seinen zwei Brüdern verließ Enver D. schließlich das Gerichtsgebäude am Synagogenplatz. Angeblich müsse er sich um seine Eltern, insbesondere seinen krebskranken Vater kümmern.