Wie am Freitag, 13. November, berichtet, erlitt am 29. September 1870 am Fuhrweg zwischen Gut Birkach und Knellendorf abends der königlich-bayerische Bezirksamtmann Johann Martin einen Schlaganfall mit Todesfolge. Ein tonnenschwerer, vier Meter hoher Obelisk, erinnert an den überaus beliebten Beamten, der von 1864 bis 1870 dem Bezirksamt Kronach vorstand.

Die bisherigen Recherchen ergaben, dass Martin von 1840 bis 1870 in Ludwigsstadt, Nordhalben, Teuschnitz und dann in Kronach als Landgerichtsassessor, Landrichter und zuletzt als Bezirksamtmann segensreich wirkte. Anja Weigelt, M. A., im Kronacher Stadtarchiv beschäftigt, ist nun ebenfalls fündig geworden. Aufgrund der Informationen in der seinerzeitigen Tageszeitung "Fränkischer Wald" ergaben sich weitere aufschlussreiche Einblicke hinsichtlich der Tätigkeit von Johann Martin im Frankenwald. Fakt ist, dass dieses in unserer Gegend einmalige Monument auf die enormen Verdienste hinweist.

Die Todesanzeige vom 30. September 1870 ist von der "tiefbetrübten Schwester Margaretha Martin" unterzeichnet worden. Weiter ist zu lesen: "Er starb schnell und unerwartet, von einem Schlagflusse betroffen, auf freiem Felde in den Armen des ihm begleitenden Registrators Herrn Görg, indem er gerade von einer Commission von Glosberg nach Hause zurückkehren wollte. Das Leichenbegängnis findet am Sonntag den 2. Oktober nachmittags 3 Uhr vom Leichenhause aus statt; der Trauergottesdienst wird am Montag früh 9 Uhr in der Stadtpfarrkirche abgehalten". Daraus geht hervor, dass der Bezirksamtmann weder Frau noch Kinder hatte. In der Danksagung ist neben Schwester Margaretha auch Bruder M. Martin, königlicher Stiftsrentbeamter zu Aschaffenburg, erwähnt. Kurz und bündig, aber ausgesprochen emotional berichtete der "Fränkische Wald" vom Todesfall und wenig später von der Beerdigung. Meldung am 30. September 1870:

"Kronach, Gestern Abend wurde Herr Bezirksamtmann Martin auf dem Rückwege von Glosberg, wo er sich auf Kommission befand, von einem Schlaganfalle betroffen und blieb auf der Stelle todt. Der leider so unerwartet und rasch Hinweggeraffte genoß wegen seiner Menschenfreundlichkeit und seiner Herzensgüte die allgemeine Hochachtung und verliert mit ihm das Volk einen warmen Freund und der Staat einen wackeren und treuen Beamten. Möge ihm die Erde leicht werden!"

Begräbnis wie ein Staatsakt

Ausführlicher befasste sich dann am 3. Oktober der "Fränkische Wald" mit der Beerdigung, die einem Staatsakt glich. Dazu die Zeitungsnotiz: "Wohl selten wird die Begräbnißfeier eines Mannes eine solche Menge Volkes in den Räumen unseres Friedhofes versammelt haben, als gestern das Leichenbegängnis des verstorbenen Bez. Amtmannes, Herrn Martin, dort versammelte. Von Nah und Fern waren Abgesandte der 59 Gemeinden des Amtssprengels eingetroffen, die Herren Beamten der Stadt Kronach und ihrer Nachbarstädte, die Herren Pfarrer und Lehrer des Bezirks folgten dem reich mit Kränzen geschmückten Sarge, den sechs junge Männer trugen und andere mit Kerzen begleiteten.

Nach ergreifender Rede des Herrn Stadtpfarrer Schneyer schloß ein herrliches Trauerlied die erhebende Todtenfeier, die so recht von der allgemeinen Freundschaft und Dankbarkeit Ausdruck gab, mit der alle, die den edlen Verstorbenen kannten, besonders seine Untergebenen, ihm entgegen kamen. Möge ihm die Erde leicht sein!"