von unserem Mitarbeiter gerd Schaar

Hammelburg — Peter Schmal ist von der kreativen Vielfalt angetan. "Ich finde es ganz toll, was ich hier in Hammelburg erlebe", schwärmt der Kasselaner. Schmal ist auf seiner Deutschlandtour eher zufällig in Frankens ältester Weinstadt gelandet. Er will sich Hammelburg als Reiseziel für die kommenden Jahre nun aber vormerken.
Natur pur in kreativer Form gibt es bei Martina Straub. "Rund 1700 Kirchturmschne cken habe ich in meinem kleinen Dekokranz verarbeitet", erklärt die Hobby-Designerin. Das Glas im Innern des Kranzes beherbergt ein Teelicht. Die bloß fingernagelgroßen spitzen Schnecken glänzen, weil sie einen Überzug aus Naturharz erhielten. Auch der Boden in der Kranzmitte ist Natur pur, nämlich das Kernfurnier des Birnbaumes. "Zwischen einer Woche und vier Wochen Arbeit stecken in meinen Exponaten", erläutert Straub.

Ausgleich zum Alltagsstress

Viel Fleiß und Herzblut stecken auch in den edlen Knöpfen von Andrea Zeier und im Schmuck-Design von Karin Franz und Laura Ernst. Perlen, Muscheln und Lavagestein sind im Schmuck verarbeitet. Das Material Glas hat Hobbykünstlerin Evi Sauer für ihre Schmuckstücke gewählt: "Ich verarbeite italienische Glasstäbe aus buntem Vollglas bei 800 Grad und lasse meiner Fantasie freien Lauf", beschreibt sie die Entstehung von Glasperlen und Anhängern.
Anja Hofstätter strotzt vor Kreativität: Sie schreibt nicht nur Romane, sie malt auch schon seit ihrer Kindheit hübsche Bilder. "Ganz besonders liebe ich Tiermotive", sagt sie und ergänzt: "Mit jedem Bild werde ich besser." Das Malen sei ein guter Ausgleich für den Alltagsstress, so die BWL-Studentin.
Kreativ geht es auch bei Modistin Roxana Conradi zu. Form und Farbe laden zum Anprobieren ein. Die kreative Sprache der Blumen zieht die Besucher in die florale Werkstatt von Meisterin Kathrin Sell.
Einen Einblick in das Küferhandwerk gibt es bei Erich Warmuth. "Ich stelle die Holzfässer nur nebenbei her", sagt er. Vom Feuer erhitzt, biegen sich die Holzlatten und werden dann mit Metallringen fixiert. "Oft wollen die Leute kleine Fässchen für Schnaps oder Wein zum Verschenken haben", erzählt er. Nur wenn die Fässchen leer seien bestehe die Gefahr, dass sie wegen der Trockenheit undicht werden. "Auf Wunsch fertige ich auch Barriquefässer in allen Größen", betont Warmuth. Einen hauptberuflichen Büttner gebe es noch in Eußenheim.
Korbflechter Rudi Rippstein aus Sand hat eine Fülle von Flechtwaren im Angebot. "Es ist ein langsam sterbendes Handwerk", berichtet er von einem stetigen Rückgang in der einstigen Korbflechter-Hochburg.

Neue Laternen installiert

Ins rechte Licht wird die Museumsinsel durch die neuen Laternen gesetzt. Auch erhielt der Inselboden eine veredelte Oberfläche durch neue Muschelkalkplatten, die noch vor dem Fest verlegt wurden. Der Veranstalter, der Förderkreis Stadtmuseum und Denkmalpflege, hatte seine Hände nicht in den Schoß gelegt. "Ich freue mich, dass es auch im siebten Jahr nach der Bewilligung dieses Leader-Projektes weiter vorangeht mit der Museumsinsel", so Vorsitzende Christiane Schmid.
"Das Museum soll den Besuchern vor Augen führen, wie die Leute in vergangenen Jahrhunderten lebten", betont Leiterin Elfriede Böck, die auch Geschäftsführerin des Förderkreises ist. Dazu gehört auch die lebendige Führung "Wie´s früher war". Diese übernehmen als Ratsherren, Winzer, Müller und Bäcker aus dem 19. Jahrhundert kostümierte Führer, die der Vergangenheit in der Herrenmühle Leben einhauchen.
"Die Arbeit am Weinberg war früher recht hart", erzählt Winzerin Christiane Schmid den Besuchern. Müller Benno Zellhan beeindruckt mit seinen Einblicken in die damalige Arbeitswelt. Dass die Ratsherren auch schon vor 200 Jahren geschickt mit dem Geld umgehen mussten, führt Manfred Scheller in dieser Rolle vor Augen.
Den Hammelburger Wein genossen die Festgäste an beiden Tagen. Der Holzbackofen wurde aber erst gegen Sonntagabend in Betrieb genommen. Auf die nassgelaibten Sauerteigbrote warteten viele Fans jedoch geduldig. Schon am Samstagabend kamen viele Gäste auf die Insel. Den musikalischen Rahmen setzten Reiner Roßkopf am Samstag und Edi Schramm am Sonntag.