Während ein Kleintransporter langsam vor den Eingang des Edeka-Marktes in die Dr.-Robert-Pfleger-Straße rollt, marschieren zwei Gruppen mit insgesamt 15 meist jüngeren Leuten zielstrebig ebenfalls dorthin. Im Nu haben sie die grünen Westen von Greenpeace übergestülpt und beginnen am Freitagmorgen die Fenster der Eingangsfront mit großen Stellwänden zuzustellen. Diese zeigen großformatige Fotos aus einem Schweinestall. Zu sehen ist, wie zusammengepfercht Tiere leben müssen, oft verdreckt auf Spaltenböden.

Um anschaulich zu machen, dass die Ställe oft auch sehr düster sind, werden die Supermarktfenster bis oben hin abgedunkelt. Aus einem Lautsprecher grunzen und quieken dazu die Schweine. Greenpeace behauptet, dass von den rund 60 Millionen jährlich in Deutschland geschlachteten Schweinen ein Großteil so leben muss.

Da Edeka teilweise Fleisch aus dieser Tierhaltung verkaufe, fordert Greenpeace, dass der Verbraucher erkennen müsse, wie die Tiere aufgezogen werden, deren Fleisch er kaufe. Nur dann könne er sich bewusst gegen Fleisch aus schlechter Tierhaltung entscheiden. Edeka beteilige sich zwar wie andere Einzelhändler an der "Initiative Tierwohl". Die damit finanzierten Maßnahmen reichten aber bei weitem nicht aus, um die Tiere maßgeblich besser zu halten. Lasse van Aken, Experte für Landwirtschaft bei Greenpeace, sagt dazu: "Alle anderen großen Supermarktketten wie Lidl, Rewe und Aldi kennzeichnen Fleisch nach Art der Haltung, nur bei Edeka können Verbraucher meistens nicht erkennen, wie die Tiere aufgezogen werden, deren Fleisch sie kaufen." Dazu ergänzt Andreas Tränkenschuh von der Bamberger Greenpeace-Gruppe: "Edeka gibt vor, Lebensmittel zu lieben, verschleiert aber deren Herkunft." Die Bamberger Greenpeace-Aktivisten verwandeln so symbolisch die Edekafiliale, wie schon tags zuvor in Hamburg, in einen Schweinestall. Sie wollen zeigen, wie die Tiere unter der Massentierhaltung leiden müssen. Auf Nachfrage, wann denn Massentierhaltung vorliege, antwortet eine Frau: "Das ist schwierig zu beziffern, aber wenn sich die Tiere nicht wohlfühlen, wenn sie zu wenig Platz haben und sich so nicht mehr richtig bewegen können."

Edeka nimmt Stellung

In der Pressemitteilung von Greenpeace wird dem Discounter vorgeworfen, mit Billigfleisch Kunden in seine Filialen zu locken. Weiter schreibt die Organisation: "Den Landwirten fehlt durch das Preisdumping das Geld für eine artgerechte Tierhaltung. Die Anforderungen des Tierschutzgesetzes sind durch die ,Initiative Tierwohl' nicht erfüllt."

In einer Stellungnahme weist das Unternehmen die Vorwürfe zurück: Anders als behauptet, strebe der Edeka-Verbund ebenfalls eine branchenweit einheitliche Kennzeichnung der Haltungsformen an. "Ziel sollte aber ein ganzheitlicher Lösungsansatz sein, der nicht nur in Selbstbedienungs-Ware (wie sie vor allem Discounter anbieten) abdeckt, sondern auch die Ware in den Frischetheken der Supermärkte", erklärt ein Edeka-Sprecher. "Bei uns werden Fleisch und Wurst eben nicht nur in Plastik abgepackt, sondern in großer Vielfalt frisch und lose in den Theken angeboten - das macht eine Kennzeichnung deutlich komplexer."

Einheitliche Kennzeichnung

Ein weiteres Argument des Konzerns: "Wenn jedes Handelsunternehmen ein individuelles Label präsentiert, würde dies bei vielen Verbrauchern eher zur Verwirrung führen." Man arbeite daher aktuell an einem einheitlichen System der Kennzeichnung der Haltungsformen. Anfang 2019 wolle man ein Ergebnis präsentieren.

"Bitte seien Sie versichert, dass die Verbesserung des Tierwohls für uns generell ein wichtiges Anliegen ist", erklärt ein Sprecher und nennt die "Branchen-Initiative Tierwohl", deren Gründungsmitglied man sei. Auf regionaler Ebene arbeite Edeka zudem seit Jahren eng mit dem Deutschen Tierschutzbund zusammen. Das Angebot an tierischen Produkten aus ökologischer Erzeugung sei stetig ausgebaut worden. Auch unterstütze Edeka eine Vielzahl von Pilotprogrammen und wissenschaftlichen Forschungsprojekten zur Verbesserung von Tierwohl und Tiergesundheit.

Greenpeace zeigt sich davon unbeeindruckt. Polizisten lösen nach einer halben Stunde die friedliche Demo schließlich auf. Ein Bamberger Passant meint: "Das Umdenken der Leute geht viel zu langsam. Alles muss seinen Preis haben und die Politik sollte mehr die Arbeit der Landwirte schätzen."