Wolfgang Desombre Die Hauptversammlung der Schützengesellschaft Coburg wurde coronabedingt im Kongresshaus Rosengarten abgehalten. Im Mittelpunkt stand der Stabwechsel von Hans-Herbert Hartan an den Ersten Schützenmeister Stefan Stahl. Nach 44 Jahren im Verein übergab Hartan ein bestens bestelltes Haus. Als Ausschussmitglied war er zwölf Jahre tätig, vier Jahre als Erster Schützenmeister und 28 Jahre als Oberschützenmeister. "Ich verlasse die Brücke, gehe aber nicht von Bord."

Die SG habe wieder 23 neue Mitglieder gewonnen und zähle nun 355 Mitglieder. Das sei eine schöne Entwicklung, die hoffentlich anhält, stellte der Oberschützenmeister (OSM) in seinem Bericht heraus. Er ging dabei auch auf mehrere Veranstaltungen ein. Der gesellschaftliche Höhepunkt sei wieder das Coburger Vogelschießen gewesen. Platzmeister Stefan Schober hatte wieder hervorragende Arbeit geleistet.

Klassenerhalt erreicht

Sportlich sei die letzte Saison in der Bundesliga recht dramatisch mit Höhen und Tiefen gewesen. Am letzten Wettkampfwochenende sei die Zitterpartie vorbei gewesen und der Klassenerhalt sei durch eigene Kraft geschafft worden, erinnerte Hartan. Die Erste Mannschaft wurde nun im dritten Jahr von Reinhard Mohr betreut. Den Heimkampf im letzten Jahr mit hervorragenden Wettkämpfen hätten an beiden Tagen 700 Sportbegeisterte besucht, lobte er. Solche Besucherzahlen gebe es nirgends sonst in der Liga.

Es ist eine interessante und große Aufgabe, in die Fußstapfen meines Vorgängers Hans-Herbert Hartan zu treten", sagte der neu gewählte OSM Stefan Stahl. Hartan habe die Geschicke des Hauses in den letzten 28 Jahren sicher durch alle Höhen und Tiefen geführt. Es sei sicherlich nicht leicht, so einen großen Verein in der heftigsten Krise der Nachkriegszeit zu übernehmen.

Auf Rücklagen zurückgreifen

"Hans Herbert hat es geschafft, eine Rücklage zu bilden, die wir nach dem Wegfall der Einnahmen aus dem Vogelschießen wahrscheinlich angreifen müssen", sagte Stahl und versprach: "Ich werde mein Bestes geben uns durch diese Corona-Zeit zu manövrieren." Bei der Verleihung der goldenen Ehrennadel mit Brillant, der Übergabe seines Porträts oder der Ernennung zum Ehrenoberschützenmeister seien die Verdienste des langjährigen OSM ausgiebig erörtert worden. Nun obliege es ihm nur noch Danke zu sagen, für sein Engagement in den letzten Jahrzehnten.

Vom Ehrenoberschützenmeister zum Zweiten Bürgermeister der Stadt Coburg - Was braucht man auf dieser Reise? Dabei habe man die schwere Last, die ein Bürgermeister tragen muss, gedacht und ihm einen Aktenkoffer besorgt. Damit er seine Schützenfamilie nie vergisst, ziert den Koffer eine Messingtafel mit der Aufschrift "Hans-Herbert Hartan - Ehrenoberschützenmeister", das Logo der SG und zusätzlich den Titel Zweiter Bürgermeister und das Wappen der Stadt Coburg.

Der wohl heftigste Einschnitt in diesem Jahr sei die Absage des Coburger Vogelschießens, hob Stahl hervor. Aber auch Sommeranfangsschießen und sämtliche Wettkämpfe seien dem Kontaktverbot zum Opfer gefallen. Nun müsse man versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen. Nachdem der Ehrenoberschützenmeister als eine seiner letzten Amtshandlungen das Königsschießen endgültig offiziell abgesagt hat, habe er sich überlegt, was mit den verwaisten Königsorden geschehen soll.

Nach Rücksprache mit seinen Vorstandskollegen und dem Protektor Andreas Prinz von Sachsen Coburg und Gotha werden die Orden zur Königskette im Schloss Callenberg gelegt. Dieses werde mit einer offiziellen Übergabe stattfinden. Des Weiteren soll, wenn es die rechtliche Situation erlaubt, ein Oktoberfestschießen abgehalten werden. Dort werde die Festscheibe "100 Jahre Coburg an Bayern" ausgeschossen.

Eine große Verantwortung

Coburgs Stadtoberhaupt Dominik Sauerteig betonte, dass die Schützengesellschaft Coburg mit ihrem Zweiten Bürgermeister Hartan in der Bürgermeisterriege gut vertreten sei. Er lobte, dass Hartan als Oberschützenmeister vor allem auch bei der Absage des diesjährigen Vogelschießens großes Verantwortungsbewusstsein gezeigt habe.

Wenn ein hochverdienter Funktionär seinen Staffelstab weitergibt, sei dies ein wichtiger Anlass, Danke für den Einsatz für das oberfränkische Schützenwesen zu sagen, sagte Erster Bezirksschützenmeister Alexander Hummel. Er beleuchte das Wirken von Hartan auf oberfränkischer Bühne, die er maßgeblich mitgeprägt habe. Die SG Coburg sei als einer der drei ältesten Gesellschaften in Oberfranken auf der gesellschaftlichen Bühne stark verwurzelt. Mit der Sonderplakette zur Förderung des oberfränkischen Schützenwesens zeichnete Hummel den scheidenden Oberschützenmeister aus.

Tessmer ist Ehrenschütze

Alt-OB Norbert Tessmer gehört seit 22 Jahren der SG Coburg an und kein Vogelschießen habe ohne ihn stattgefunden, würdigte Hartan. Tessmer sei immer für das Vogelschießen und für den Erhalt des Angers als Festplatz eingetreten. Für all sein Engagement wurde Tessmer zum Ehrenschützen ernannt. Für seine hervorragenden Verdienste um die SG Coburg wurde der treue Wegbegleiter Horst Matthes ebenfalls zum Ehrenschützen ernannt. Der SG hat er seit 58 Jahren die Treue gehalten, hob Hartan hervor.