Michael Busch Mit so einer spannenden Verhandlung hatten die Schüler der Erlanger Eichendorffschule nicht gerechnet, als sie morgens gegen neun Uhr den Gerichtssaal Nummer 5 betraten. Zwar stand auf dem Plan, dass die drei Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung vor der Richterin Birgit Griem standen, aber es war nicht zu erwarten, dass die Richterin selber Zeit für Fragen der Klasse hatte.

Bedingt war das dadurch, dass eine Zeit lang nicht klar war, ob für den einen Angeklagten ein Dolmetscher besorgt werden musste. So blieb Zeit, dass die Schüler erfuhren, dass es tatsächlich einen "Deal" geben kann, eine Verständigung zwischen den beteiligten Gruppen, um das Verfahren abzukürzen und gegebenenfalls auch günstig zu gestalten.

Geduldig erklärte die Richterin die Begriffe Bewährung, Zivil- und Strafrecht. Sie erklärte aber auch, dass "eine Faust keine Waffe ist, ein Schuh allerdings schon". Wobei ein Flip-Flop nach allgemeiner Rechtssprechung noch keine Waffe sei. Eindruck erzielte sie bei den Jugendlichen, dass ein Faustschlag bereits mit neun Monaten Gefängnis geahndet werden kann, während ein Mord immer mit einer lebenslänglichen Strafe ende. Wichtig war der Hinweis, dass das Gesetz bereits einen Rahmen vorgebe und der Richter innerhalb dieses Rahmens entscheiden muss. Fazit: eine hochrichterliche Lehrstunde.