Es ist Dezember 2020, die Temperaturen sind auf minus 18 Grad gesunken. Während es sich die meisten zu Hause gemütlich machen können, steht Eva-Maria Kapfer den ganzen Vormittag am Testzentrum bei der HUK-Arena und nimmt Abstriche. "Das war ganz schön hart - aber Krisen sind da, um bewältigt zu werden", erzählt sie. Sie ist im November 2020 zum Team des Testzentrums auf der Lauterer Höhe gestoßen. Aktiv ist das Coburger Testzentrum nun aber schon seit genau einem Jahr. Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) und Landrat Sebastian Straubel (CSU) haben die Mitarbeiter am Jahrestag besucht, um sich für deren unermüdlichen Einsatz zu bedanken.

Dazu haben Stadt und Landkreis Coburg die Mitarbeiter im VIP-Bereich der HUK-Arena empfangen. "Das könnte nicht passender sein", findet Oberbürgermeister Dominik Sauerteig. Schließlich haben die Mitarbeiter im vergangenen Jahr einen sehr wichtigen Dienst erwiesen. "Dabei haben sie vor allem Wagemut bewiesen. Schließlich waren sie tagtäglich ganz nah an den Menschen, die potenziell am Coronavirus erkrankt sind - und somit waren sie auch jeden Tag einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt", erklärt er. Im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter mehr als 52 000 Tests durchgeführt - manchmal mussten sie gemeinsam schon am Vormittag über 500 Abstriche nehmen.

Negative Reaktionen in "Sozialen Medien"

Aber neben der permanenten Ansteckungsgefahr und der Witterung mussten die Mitarbeiter auch mit den Schattenseiten ihres "Promi-Status" kämpfen. "Insbesondere am Anfang hatten wir mit negativen Reaktionen in den ,Sozialen Medien‘ zu kämpfen", erklärt Hans-Joachim Goller, der das Testzentrum koordiniert. Das hohe Verkehrsaufkommen und längere Wartezeiten hätten auf Facebook so manchen dazu verleitet, Frust abzulassen.

"Wir haben versucht, auf die Kritik so schnell wie möglich zu reagieren - deshalb ist das Zentrum auch rasch vom Glockenberg auf die Lauterer Höhe gezogen, damit es nicht mehr zu einem Verkehrschaos kommt", erklärt Oberbürgermeister Sauerteig.

"Aber auch dort gab es am Anfang Tage, an denen sich die Autos bis nach Dörfles-Esbach gestaut haben", fügt Landrat Straubel hinzu. Den Mitarbeitern könne man seiner Meinung nach deshalb absolut keinen Vorwurf machen. "Ganz im Gegenteil: Diese Tage haben doch gezeigt, wie wichtig der Einsatz im Testzentrum ist", erklärt er. Deshalb wolle er seinen Besuch als Gelegenheit nutzen, um den Mitarbeitern Mut zuzusprechen: "Man kann es nicht allen Recht machen - und nur, weil auf Social Media einige sehr laut schimpfen, heißt das noch lange nicht, dass die Mehrheit unzufrieden ist."

Auch viel Wertschätzung erfahren

Eva-Maria Kapfer kann das bestätigen. "Auch bei langen Wartezeiten wurde mir immer viel Wertschätzung entgegengebracht", erzählt sie. Dennis Rudolph sagt, er habe ähnliche Erfahrungen gemacht. "Klar hat manchmal jemand einen schlechten Tag, aber wenn ich den Leuten trotzdem mit einem Lächeln begegnet bin, waren auch sie freundlich zu mir", erzählt er. Er sei zufällig zum Team des Testzentrums gestoßen, denn nachdem die Gastronomie schließen musste, habe er nach einer Alternative gesucht, um sein BWL-Studium zu finanzieren. Nun fange er bald eine kaufmännische Ausbildung an und müsse das Team wieder verlassen. "Der Job hat mir sehr viel Spaß gemacht, deshalb ist es eigentlich schade, dass heute mein letzter Tag ist."

Mit Dennis Rudolph hatten noch vier weitere Mitarbeiter ihren letzten Arbeitstag im Testzentrum. "Unsere nächste große Herausforderung wird sein, möglichst passenden Ersatz zu finden", sagt Hans-Joachim Goller. Dabei müsse die Suche möglichst schnell Erfolge zeigen. "Noch können wir uns Anlernphasen im Arbeitsalltag erlauben - aber wenn die Zahlen steigen, dann wird es schwierig", erklärt er.

Oberbürgermeister Sauerteig und Landrat Straubel sind sich jedenfalls sicher, dass das Testzentrum auch weiterhin gebraucht wird. "Das Testen wird definitiv nicht von heute auf morgen wegfallen", betont Landrat Straubel.