Haig —  In einer Bürgerversammlung in Haig im November 2017 musste Bürgermeister Rainer Detsch die Bürger über die vorläufige Einstellung der Trinkwasserversorgung über die Haiger Quellen informieren. Der sanierungsbedürftige Hochbehälter musste vom Netz genommen werden - wegen Grenzwertüberschreitungen und bakterieller Verunreinigungen. Immer wieder verzögerte sich die notwengige Sanierung des Hochbehälters. Ende des Jahres sollen die Arbeiten aber abgeschlossen sein, hofft Bürgermeister Rainer Detsch.

Die Trinkwasserversorgung in Haig war in der Zwischenzeit dennoch gesichert. Die Gemeinde sei in der glücklichen Lage, mit sehr leistungsfähigen Tiefbrunnen und Quellen, die sehr gute Wasserqualität haben, arbeiten zu können. Man wolle dennoch die Trinkwasserversorgung für Haig aus deren eigenen Quellen wieder sicherstellen und so breit aufgestellt bleiben. Daher beschloss der Gemeinderat 2018 einstimmig, die Sanierung der Aufbereitungsanlage der Wasserversorgung Haig.

Ende 2019 wollte man fertig sein, was bedeutet, dass dann wieder die etwa 470 Einwohner von Haig ihr Trinkwasser aus ihren Quellen beziehen können.

Bei einer Begehung der Baustelle vor ziemlich genau einem Jahr, im August 2019 zeigte sich der Rathauschef noch zuversichtlich, das Ziel zu erreichen. Heute bedauert er eine weitere Verzögerung und bittet die Haiger Bürger um Verständnis und Geduld. "Es kann Ende dieses Jahres werden. Für jeden Tag, den wir eher den Haiger Bürgern eigenes Wasser aus ihren Quellen liefern können, sind wir sehr dankbar", sagt der Rathauschef und erhält auch Bestätigung durch Geschäftsleiter Rainer Förtsch.

Bei einer Begehung bedauerten das Gemeindeoberhaupt und der Geschäftsleiter die mehrmals eingetretenen Zeitverzögerungen. Es liegt jetzt an der Installation der technischen Ausrüstung und elektronischen Einrichtung. Hier kam es zu Verzögerungen, da die Ausschreibung gleich dreimal erfolgen musste, weil die angebotenen Preise ganz einfach viel zu hoch waren und weit über dem Doppelten der geschätzten Kosten lagen. So etwas könne die Gemeinde nicht akzeptieren. Schließlich kam dann auch noch die Corona-Pandemie dazwischen, die für weitere Liefer- und Bauverzögerungen sorgte.

Unter eigener Regie

Inzwischen kam der Gemeinderat zum Beschluss, die Installation dieser technischen Anlagen mit Elektroschaltung und Einrichtung selbst unter Regie von Wassermeister Werner Löffler zu errichten. Der 1961 errichtete Hochbehälter hatte bisher keine Stromzuführung, so dass erst eine Leitung gelegt werden musste. Bei der Besprechung mit Wassermeister Werner Löffler wurden die bisherigen Baumaßnahmen erörtert. Bisher wurden Arbeiten an den Wänden, Dach, Türen, Fenster und Dämmung durchgeführt. Für die Böden, Wände und Decken wasserberührter Bauteile (offener Filter und Wasserkammern) wurde eine Auskleidung aus PE-Platten zum wechselseitigen Schutz des Systems Beton-Wasser eingebracht. Im Filter, in den Wasserkammern und im Rohrkeller war eine Erneuerung der Rohrformstücke, Armaturen und Messgeräte erforderlich. Die Filter und Wasserkammern müssen über ein Multibarrierensystem Luft mit der Umgebung austauschen, was mit einem entsprechenden geschlossenen Atmungssystem mit Insektengitter- und Luftfilterkomponenten möglich ist.

Zur dauerhaft sicheren Verhinderung von mikrobiologischer Verunreinigung des ans Ortsnetz abgegebenen Trinkwassers wird der Einbau einer UV-Desinfektionsanlage notwendig. Dies alles erfordert die Erschließung des Hochbehälters mit Strom, wofür kürzlich auch die Stromleitung zum Hochbehälter gelegt wurde.

Beide Quellen liefern rund 60 000 Kubikmeter frisches Wasser an die Aufbereitungsanlage, von wo aus circa 20 000 bis 26 000 Kubikmeter von den Verbrauchern abgenommen werden. Der Reinwasservorratsraum fasst etwa 150 Kubikmeter Wasser, welches einem Vorratszeitraum von circa 18 bis 36 Stunden entspricht.

In einem vorab erstellten Gutachten wurde die gute Trinkwasserqualität aus beiden Quellen festgestellt und die Gewinnung als erhaltenswert bezeichnet. Die Kostenschätzung der Sanierung beläuft sich im Bereich von 240 000 bis 270 000 Euro. Hier nicht eingerechnet sind Kosten für Zuwegung, Stromanschluss durch das Energieversorgungsunternehmen sowie die Baunebenkosten. Ebenfalls nicht eingerechnet sind Einsparungen durch mögliche Eigenleistungen (geschätzt circa 20 000 bis 30 000 Euro netto). Die Investition von weit über einer Viertelmillion Euro wird sich lohnen, ist sich das Gemeindeoberhaupt sicher.