von unserem Mitarbeiter  Werner Baier

Litzendorf — Am 30. September 2016 müssen die drei Bürgerwindräder Strom ins Netz speisen, die bei Hohenellern auf der windigen Kante des Fränkischen Jura aufgestellt werden. Um deren Entstehung wurde fünfeinhalb Jahre lang auf allen politischen Ebenen gekämpft, letztlich mit Erfolg. Wenn dieses zeitliche Ziel erreicht wird, rentiert sich für die bis dahin gewonnenen Gesellschafter der "Bürgerwindpark Litzendorf - Hohenellern GmbH & Co. KG" ohne den sonst zu erwartenden Abschlag von 1,2 Prozent der staatlich festgelegten Einspeisevergütung. Bei einer voraussichtlich 20-jährigen Betriebsdauer wäre bei verspäteter Fertigstellung ein Verlust in Höhe von mehreren hunderttausend Euro zu beklagen. Der Gemeinderat billigte in seiner jüngsten Sitzung den Vertrag mit der örtlichen Betreibergesellschaft "Bürgerwindpark Litzendorf - Hohenellern GmbH & Co. KG", an der die Gemeinde selbst beteiligt ist. In dem Vertrag heißt es: Gegenstand des Unternehmens ist der Erwerb, die Planung, die Errichtung und der Betrieb von Anlagen zur Umwandlung erneuerbarer Energien in Strom und Wärme im Ortsteil Tiefenellern.


Ein langer Weg

Geschäftsführer Marcus Dornauer erinnerte nochmals an den langen Weg von der Erstellung zweier Windertrags-Gutachten, über zahllose Abstimmungsprozesse mit den Behörden, weitere Gutachten zu Lärmentwicklung, Schattenwurf, Turbulenzen und Eiswurf. Dazu hatten die örtlichen Aktivisten des Bürgerwindparks auf die politische Willensbildung Rücksicht zu nehmen: Immerhin wird im Landschaftsschutzgebiet Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst gebaut.


Anzahlung Voraussetzung

Mittlerweile aber sei das Projekt behördlich genehmigt und die Finanzierung angelaufen: Dornauer ist es gelungen, von einem regionalen Kreditinstitut Darlehen in Höhe von 20 Prozent der Kosten der Kraftwerke zu bekommen. Diese Anzahlung war die Voraussetzung, dass die Firma Nordex den Auftrag zum Bau der drei Windräder akzeptierte. Die Zinsen für die bis zu 20 Jahre laufenden Kredite betragen maximal drei Prozent. Darüber hinaus sei es erforderlich gewesen, für die restlichen 80 Prozent der Baukosten eine Bankbürgschaft zu erhalten, berichtete Dornauer weiter.
Nun gilt es, Anteile mit einem Umfang von drei bis vier Millionen Euro im Nahbereich von Litzendorf "einzusammeln". Der Geschäftsführer spricht sich für eine Obergrenze von 150 000 bis 200 000 Euro pro Familie aus, um der Gefahr von Majorisierungen durch stärkere Anteilseigner zu vermeiden. Die Untergrenze der Anteile sieht er bei 10 000 Euro. Zur Anwerbung des Eigenkapitals wird ein ausführlicher Beteiligungsprospekt entwickelt, der vor der Veröffentlichung auch noch durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) geprüft werden muss. Im November oder Dezember dieses Jahres sollen bei einer großen Informationsveranstaltung die Gemeindebürger mit Beteiligungsinteresse angesprochen werden. Nach einer noch festzulegenden Frist sollen auch auswärtige Kapitalgeber berücksichtigt werden.


Kräne rollen im April an

Die drei Windkraftäder mit Nabenhöhen von 140 Metern wurden inzwischen in Auftrag gegeben. Derzeit werden auf dem Baugelände bei Hohenellern archäologische Bodenuntersuchungen durchgeführt. Man ist auch schon auf Reste einer steinzeitlichen Siedlung gestoßen. Mit dem Bau der Kranstell- und Montageflächen sowie der Transportinfrastruktur wird im April 2016 begonnen. Bis Juli sollen die Fundamente betoniert und die Kabel verlegt sein. Ebenfalls im Juli wird die Übergabestation errichtet und dann werden die Windräder geliefert: Die Anlagenmontage ist für das dritte Quartal vorgesehen. Sodann gehen die langgehegten Träume der ökologisch interessierten Ellertaler in Erfüllung ...