Wenn man ein großes Filmfestival sein will, dann muss man sich international geben - keine Frage. Lang ist es her, 15 Jahre bestimmt, da fiel bei den Internationalen Filmfestspielen die Entscheidung, dass bei den meisten Vorstellungen ausschließlich englische Untertitel eingespielt werden. Man sei halt international, hieß es damals. Unter der großen Zahl der deutschsprechenden Fachbesucher wurde diese Entscheidung, vorsichtig ausdrückt, mit leidender Demut hingenommen. Besonders dann, wenn zum Beispiel in einem chinesischen Film der Hauptdarsteller irgendeinen Satz aus drei einsilbigen Wörtern sagte. Da stand dann in sieben Zeilen englischer Bildunterschrift, warum der gute Mann seine Schwiegermutter so hasst, dass er sie mit einem aus Japan importierten Samuria-Schwert zerstückeln musste. Ungefähr eineinhalb Sekunden lang - worauf die Engländer und Amerikaner im Publikum raunten, die Deutschen, Österreicher und Schweizer nur staunten.
Zu langsam gelesen? Pech gehabt! Seit diesem Jahr ist die Zwei-Klassen-Gesellschaft wieder vorbei: es gibt englische und deutsche Untertitel. Da bleibt zwar manchmal ein bisschen wenig Platz für die Schauspieler-Geschichter. Aber man weiß wenigstens wieder, was in China los ist.
Und sind wir mal ehrlich: Für Mitteleuropäer schauen alle Chinesen doch sowieso irgendwie gleich aus. bk