Nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 öffneten sich nach Jahrzehnten der brutalen Absperrung durch die DDR-Machthaber die Tore zwischen Burggrub und Neuhaus-Schierschnitz, und zwar am 24. November 1989. Es entstanden nach der totalen Isolation neue Freundschaften. Freude und Dankbarkeit erfüllt die Bürger beider Kommunen. Und diese Dankbarkeit ist sichtbar und hat einen Namen: die erste deutsche Grenz- und Friedenskapelle in Burgggrub.

Sie ist in ehrenamtlichem Einsatz erbaut worden an der ehemaligen mit Stacheldraht, Minenfeldern, Todesschussanlagen und Wachtürmen abgesicherten deutsch-deutschen Grenze zwischen dem bayerischen Burggrub und dem thüringischen Neuhaus-Schierschnitz. Diese beispielhafte Initiative sorgte deutschlandweit für Aufsehen und zwar bis heute. Schließlich hätten Friedensbotschaften mehr denn je einen hohen Stellenwert, und das gelte besonders heute in einer krisengeschüttelten Welt, sagte Pfarrer Michael Foltin.

Allerdings fand der gut besuchte Kirchweihfestgottesdienst an der Grenz- und Friedenskapelle Burggrub wegen der Corona-Pandemie unter erschwerten Bedingungen statt. Für die Organisatoren war dies eine besondere Herausforderung. Eingeladen hatte der Kapellenbauverein Burggrub mit der Vorsitzenden Angelika Rosenbauer-Chukwu. Zu den Besuchern zählten auch Bürger aus der Großgemeinde Stockheim sowie aus Neuhaus-Schierschnitz. 28 Jahre lang betreut die 44 Mitglieder starke Interessengemeinschaft dieses symbolträchtige Bauwerk, das am ehemaligen Eisernen Vorhang an die friedliche Wiedervereinigung erinnert. Willi Bischoff hatte 26 Jahre lang den Vorsitz inne. Seit 1992 haben Männer und Frauen viel Freizeit in die Pflege, Betreuung und schließlich auch in Renovierungsmaßnahmen investiert.

Vorsitzende Rosenbauer-Chukwu hat zusammen mit den Vorstandsmitgliedern, die größtenteils seit der Gründung aktiv tätig sind, zum Kirchweihfestgottesdienst am 13. Sonntag nach Trinitatis eingeladen. Schließlich sei es, so die Vorsitzende, nach wie vor von großer Bedeutung, mit dieser Kapelle an die einstige unselige Grenze zu erinnern und den Frieden in der Welt anzumahnen. "Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich diese Gedenkstätte zu einem Ort der Einkehr und zu einem Kummerkasten für Beladene entwickelt hat. Die 16 Gästebücher geben Zeugnis ab, wie viele Tränen an diesem Ort vergossen wurden sowie Leid und Schmerz in Gebeten vor Gott gebracht wurden."

Frieden, Glaube und Hoffnung

Am Kirchweihfestgottesdienst, der vom Posaunenchor Burggrub unter der Leitung von Herbert Hempfling musikalisch umrahmt wurde, beteiligte sich auch der Seelsorger im Kirchenkreis Sonneberg, Armin Kordak. Schließlich bestehe mit der thüringischen Nachbargemeinde eine enge und herzliche Verbindung, sagte die Vorsitzende. Der Gottesdienst, den Pfarrer Michael Foltin zusammen mit Pfarrer Kordak zelebrierte, stand ganz im Zeichen von Frieden, Glaube und Hoffnung. Denn schließlich habe diese Kapelle nichts von ihrer Symbolkraft verloren. Sie sei nach wie vor eine starke Kraft, das Trennende zu überwinden.

Pfarrer Foltin erinnerte insbesondere an die Weihe vor 28 Jahren mit internationaler Beteiligung. An diesem Ort könne man die Stärkung des Glaubens erfahren. Pfarrer Kordak appellierte an die Gläubigen, ein Christentum der Tat zu praktizieren. Die Nächstenliebe stehe dabei im Vordergrund. Letztendlich müsse man immer das rechte Wort zu den Mitmenschen finden.

Eingeleitet wurde der Gottesdienst mit dem Geläut der ehemaligen Neuhäuser Schlossglocke, die im Turm der Kapelle einen würdigen Platz gefunden hat. Abschließend gab Pfarrer Foltin bekannt, dass anlässlich des 30. Jahrestags der Deutschen Einheit am Samstag, 3. Oktober, um 10 Uhr eine ökumenische Dankandacht an der Grenz- und Friedenskapelle stattfindet.