"Dank meiner Erfindung wird der Toilettengang zum Erlebnis": Auf den ersten Blick ist Valerie Deli, die Erfinderin des Design-Klodeckels, eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Sieht man aber genauer hin, sieht die Sache anders aus. Seit geraumer Zeit plagen Valerie merkwürdigen Träume, in denen ihr berühmte weibliche Persönlichkeiten erscheinen, die aufgrund ihrer Verhaltensweisen für wahnsinnig erklärt wurden.


Spagat zwischen Komik und Ernst

Valerie hegt den Verdacht, dass diese Träume etwas mit ihr zu tun haben könnten. Nach der Premiere 2017 war am Donnerstag im Brückentheater noch einmal die Komödie "Wahnsinnsweiber" mit Clarissa Hopfensitz zu sehen. In ihrer Mehrfachrolle als Joana La Loca, Kaiserin Sissi, Camille Claudel, Virginia Woolf, Maria Callas und Amy Winehouse glänzte die Theatersommer-Schauspielerin ein weiteres Mal mit einer enormen Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten. Dabei zeigte Clarissa Hopfensitz den Spagat zwischen Komik und Ernst, Historie und Gegenwart.
Auch das Publikum wurde in die Handlung einbezogen. Im Grunde geht es um die Frage, was passiert, wenn eine Frau nicht der Norm entspricht, wenn sie aufbegehrt, provoziert und mit den Waffen einer Frau kämpft. Im Grunde ahnt Valerie Deli schon, was all die Frauen ihr mitteilen wollen. Um nicht selbst wahnsinnig zu werden, geht sie der Sache auf den Grund und unterzieht sich einer selbst induzierten Hypnose, bei dem die Zuschauer von zehn bis null runterzählen müssen.
Als die Theatersommer-Schauspielerin wieder erscheint, verkörpert sie die kastilische Titularkönigin Joana La Loca, die öffentlich für verrückt erklärt und in einem Turm eingesperrt wurde. Ohne Rücksicht auf das spanische Hofzeremoniell liebte sie ihren Gatten, der allzu früh verstarb. Die stumpfsinnige Gesellschaft und das Korsett lebloser Konventionen und Etikette am Wiener Hof nahm auch Kaiserin Sissi die Luft zum Atmen. Sie hatte Depressionen und floh "in Kur" auf Madeira. Wieder zurück am österreichischen Hof wollte die junge Kaiserin ihre Schönheit für die Politik einsetzen und den Ungarn helfen. Als sie älter wurde, versteckte sie ihr Gesicht hinter Schleier und Fächer. Die Bildhauerin Camille Claudel verkörpert den Aufbruch der Frauen in die Kunst der Moderne. Vom Vater gefördert, wird sie von Auguste Rodin als Geliebte und Mitarbeiterin ausgebeutet und fallengelassen. Später hat man sie ins Irrenasyl weggesperrt. Als Jugendliche erlebte die britische Schriftstellerin Virginia Woolf noch die Beschränkungen für Mädchen und Frauen des viktorianischen Zeitalters. Ihren Romanfiguren haftet immer ein Hauch von Realität an. Aufgrund jahrelangen Missbrauchs durch ihre Halbbrüder erlebte sie immer wieder seelische Zusammenbrüche, bis sie sich 59-jährig im Fluss Ouse ertränkte. Für ihre Kunst lebte auch Maria Callas, die bedeutendste Primadonna des 20. Jahrhunderts. Auch ihr Leben spielte sich zwischen "himmelhoch jauchzend" und "zu Tode betrübt" ab.
Eben noch im eleganten Kleid, trat Clarissa Hopfensitz als Amy Winehouse mit der Schnapsflasche in der Hand in Erscheinung. Dabei wollte die Rockdiva kein Star sein, sondern nur Musik machen. Aber Ruhm und Drogen fordern ihren Tribut. 2011 wird Amy Winehouse in ihrer Wohnung in London tot aufgefunden.
Schließlich fand Deli wieder in die Realität zurück. Ihre Erkenntnis aus den Erlebnissen: Hatten nicht all diese Frauen um ihre Unabhängigkeiten gekämpft, trotz aller Widrigkeiten? Ihr Rat: "Lasst niemand über euer Leben entscheiden."