"In diesem Jahr ist alles etwas anders. Wir sind gezwungen, Abstand zu halten." Für Karl-Heinz Sänger, stellvertretender Schulleiter am Arnold-Gymnasium (AG), den Abiturjahrgang 2020, Lehrer und Eltern konnte "vieles nicht in der gewohnten Weise" ablaufen. Die Verabschiedung der Schüler fand diesmal Freitagvormittag im kleinen Rahmen in der Zweifachsporthalle des AGs statt.

"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel". Dieses Motto der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach hatten die Gymnasiasten für ihre Abiturfeier gewählt.

"Das ganze Leben ist eine Wanderung", merkte Schulleiterin Ursula Kick-Bernklau dazu an. Mit dem Abitur sei ein Zwischenziel erreicht worden. Ebner-Eschenbach beschreibe diese Spannung zwischen Wunsch und Ziel, zwischen Ungewissheit und sicherer Ankunft, zwischen Unsicherheit und Sicherheit. "So steht ihr nun am Tor zu eurer Zukunft."

Viele Wege stehen offen

Mit dem Abitur würden viele Wege offenstehen. Die Wanderung gehe weiter, die Situation löse viele Gefühle aus: Spannung, freudiges Erwarten, Lust auf Neues, jedoch auch Unsicherheit: Wo ist mein Weg, was bringt mir die Zukunft?

In Krisenzeiten gehe es den Menschen genauso wie in der Corona-Krise, die seit Jahresanfang alle beschäftige: "Wir wünschen uns nichts sehnlicher als Sicherheit, Unsicherheit macht uns meist nervös und unruhig". Sie sei schwer auszuhalten, sagte die Schulleiterin. Aber ohne Unsicherheit gäbe es auch keine Sicherheit. Beides seien Pole, die zusammengehörten - wie Tag und Nacht, Ein- und Ausatmen... "Diese Polarität des Lebens ist zwingend notwendig".

Das physische Immunsystem müsse den Kampf gegen Angreifer wie das Corona-Virus gewinnen. Auf psychischer Ebene sei ein wesentlicher Teil davon die Resilienz, die menschliche Fähigkeit, auch unter negativen Einflüssen seelisch gesund zu bleiben, ungeahnte Kräfte zu mobilisieren und kreative Prozesse zu ermöglichen. "Hier wird unser Kopf eingeschaltet und wir werden entschleunigt. Und genau deshalb hat die Unsicherheit ihren ganz eigenen Wert und Sinn. Gäbe es sie nicht, würden wir die Hoffnung, unseren freien Willen verlieren", so Kick-Bernklau. "Ihr habt euer Abitur unter diesen widrigen Umständen bei so viel Unsicherheit gemeistert. Respekt! Wir sind alle sehr stolz auf euch. Nutzt euer kreatives Potential in Krisenzeiten, um etwas Positives daraus zu machen", wünschte die Schulleiterin.

Doppelte Herausforderung

Glückwünsche des Landkreises und Kreistags überreichte Landrat Sebastian Straubel (CSU): "Diese Prüfungen sind in diesem Jahr aufgrund von Corona in doppelter Hinsicht herausfordernd gewesen. Sie haben beides in Angriff genommen und alles bewältigt. Darauf können Sie stolz sein". Nun lägen neue Ziele und Etappen vor den Schülern. "Sie haben ein gutes Fundament bekommen, um auch in Zukunft Herausforderungen sehr gut zu meistern, bauen Sie darauf auf. Ich wünsche Ihnen Wünsche und Träume, die in Erfüllung gehen sollen. Verlieren Sie nie Ihre Ziele aus dem Blick, haben Sie Ausdauer und Spaß, seien Sie kreativ und bleiben Sie hartnäckig".

Wieder zurück in die Region

Auch Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) gratulierte zum bestandenen Abitur: "Sie haben ihr Abitur, jetzt geht's los, aber die Unsicherheit wird bleiben." Die Veränderungen hätten noch gar nicht richtig begonnen. Allen Problemen müsse man sich stellen. "Meine Bitte ist, wer, wenn nicht Sie, kann sich mit Ihrem Selbstbewusstsein, Ihrem Wissen und den Talenten all den Veränderungen, die auf uns zukommen werden, stellen und diesen Prozess gestalten und mitgestalten", so Rebhan. "Gehen Sie hinaus in die Welt und wenn es möglich ist, kommen Sie zurück in unsere Region, es lohnt sich hier zu arbeiten und zu leben!"

Hannelore Müller vom Förderverein teilte mit, sie werde zum Jahresende mit ihrem Vorstand den Förderverein verlassen.

Ferner überreichte OB Rebhan Laura Engelgeh und Vanessa Teschner die Auszeichnung der Ernst-Ludwig-Theodor-Bergmann-Stiftung 2020 als beste Absolventen ihres Jahrgangs. Beide haben mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen.

Für Celina Schneider hielt OB Rebhan die Laudatio zur Klisch-Stiftung für ihre kontinuierliche aktive Arbeit im Unterricht und ein Spitzenergebnis im Abitur.

Hannelore Müller hielt die Laudatio zum Sozialpreis 2020 für Sandrine Bernschneider für deren Liebe zur Violine, welche sie jüngeren Mitschülern weitergegeben habe.

Violine und Klavier vom Band

Anton Römhild und Celina Schneider präsentierten die Abschiedsworte der Abiturienten.

Die musikalische Umrahmung vom Band gab es von Sandrine Bernschneider (Violine) und Johanna Heunisch (Klavier) mit der wundervollen Melodie "Nuvole Bianche" (Weiße Wolken) des italienischen Komponisten Ludovico Einaudi.

"Eines bedauere ich persönlich", sagte Oberbürgermeister Frank Rebhan abschließend - dass der alljährliche Empfang der Abiturienten im Rathaus nicht stattfinden konnte. Es habe ihm immer große Freude und Spaß bereitet, die Abiturienten dabei kennenzulernen "und zu erfahren, was sie so vorhaben".