Die  ganz große Party zum 60. Geburtstag am 1. Dezember ist heuer ausgefallen, dennoch haben wir mit Kreisbäuerin Marion Warmuth ein kleines Interview geführt. Seit wie vielen Jahren sind Sie denn schon Kreisbäuerin? Marion Warmuth: Ich bin seit 2012 gewählte Kreisbäuerin, von 2007 bis 2012 war ich stellvertretende Kreisbäuerin. Was ist Ihr erlernter Beruf? Mein erlernter Beruf ist Tierarzthelferin (so war damals noch die Bezeichnung) in einer Tierarztpraxis, die dann zur Tierklinik wurde und wo noch Groß- und Kleintiere zum Klientel gehörten. Die Kontaktaufnahme im Corona-Jahr 2020 ist schwierig - wie kommunizieren Sie mit den Landwirten und Bäuerinnen? Mit meinen Damen in der Vorstandschaft kommuniziere ich per Whatsapp, Mail und telefonisch. Mit den Mitgliedern eher per Mail oder schriftlich in Papierform und natürlich telefonisch. Mit Abstand auch mal persönlich:  Im Freien auf dem Hof ist das auch möglich. Was wir jetzt auch schon einige Male gemacht haben, sind Videokonferenzen, die von der Geschäftsstelle aus installiert und koordiniert werden. Da hoffe ich, dass wir so auch noch mehr Mitglieder erreichen. Doch der persönliche Kontakt ist nach wie vor sehr wichtig. Ausstellungen und Vorträge gibt es ja heuer leider nicht. Was wurde denn abgesagt in jüngster Zeit? Die letzte öffentliche Veranstaltung war im Januar unser Landfrauentag in Bad Staffelstein. Ab März wurde dann die geplante Teilnahme beim Autofrühling in Bad Staffelstein mit einem Aktionsstand "Wir bringen den Bauernhof in die Stadt" abgesagt, wie auch Informations- und Bildungsveranstaltungen wie z. B. Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln, Farbstoffe im Lolli, Emulgatoren im Eis, ein Vortrag über die tolle Knolle und wie wertvoll ist die Kartoffel in unserem Speiseplan. Und noch einige Gesundheits-, Ernährungs- und Bildungsangebote. Ganz besonders traurig ist es, dass unsere Kochkurse und Kochvorführungen mit unseren Ernährungsfachfrauen nicht mehr stattfinden können. Das Zentrale Landwirtschaftsfest, das dieses Jahr geplant war und nur alle vier Jahre stattfindet (in München), fiel auch aus. Erwähnen möchte ich hier auch unsere Jubiläumsveranstaltung "75 Jahre Bayerischer Bauernverband", die wir immer wieder neu planend durch das Jahr schoben und letztendlich für dieses Jahr ganz abgesagt haben. Das jährliche Kreiserntedankfest mit Rahmenprogramm: abgesagt. Dafür hatten wir einen schönen Erntedankgottesdienst in Vierzehnheiligen, leider nur mit begrenzter Teilnehmerzahl. Veranstaltungen bis ins Frühjahr 2021 sind aber jetzt schon fest eingeplant in unserem Veranstaltungskalender. Bleibt nur die Frage, was durchführbar ist. Was ist in der Landwirtschaft gut geworden, so dass Sie in einem kleinen Rückblick sagen können; ok, das freut mich besonders? Die Frage ist etwas schwierig zu beantworten. Zum einen haben wir es geschafft, das Bewusstsein für Regionalität, Heimat, regionale landwirtschaftliche Erzeugnisse an Lebensmitteln zu schaffen. Dieses Gefühl erfahre ich in Gesprächen mit unseren Direktvermarktern, den Mehrwert an ihren Produkten beim Kunden. Gut war auch letztes Jahr der Start mit der Aktion "Bayern blüht auf". In den Kommunen und Gemeinden konnte man einen ruckartigen Ansporn für Blühflächen erkennen. Was ärgert Sie aktuell, die Landwirtschaft betreffend? Was kann verbessert werden? Die Unsicherheit in der Landwirtschaft mit der Weiterentwicklung der Betriebe, welche Wege sollen sie gehen, ärgert mich sehr. Entspricht die Planung eines Tierwohlstalles im Schweinebereich den Standards von heute auch noch in 15 oder 20 Jahren? Wer in seinem Betrieb investiert, kann nicht alle fünf Jahre neue Anforderungen erfüllen, das geht an die finanzielle Belastbarkeit eines Betriebes;  hier geht es um Familienexistenzen. Die Politik scheint zu vergessen, dass die landwirtschaftliche Ausbildung an Staatlichen Landwirtschaftsschulen stattfindet, eine gute Ausbildung zur guten fachlichen Praxis mit Lehrplänen von staatlichen Fachgremien gelehrt wird, dass die Beratung hier besonders im Forstbereich stattfand, die viele Landwirte auch umgesetzt haben und dann im Falle eines "Worstcase Wald" die Waldbauern als Hauptverursacher hingestellt werden. Ebenso gilt das für viehhaltende Betriebe und die Ackerbauern. Wie wichtig ist es überhaupt, dass es die Kreisbäuerin gibt? Sind Sie sehr ausgelastet? Werden Sie um Rat gefragt? Die Kreisbäuerin ist das Bindeglied ihrer Mitglieder auf Ortsebene zur Kreisebene bis hin zum Bezirk. Sorgen und Nöte von Bäuerinnen und Bauern aufzunehmen und weiterzugeben, leichter Zugang zu politischen Entscheidungsträgern, das alles gehört zu meinen Aufgaben. Immer mit dabei ist das Informieren und Schulen der Mitglieder zum jeweiligen Aufgabenbereich. Im Moment fühle ich mich leider sehr ausgebremst. Sie haben sicherlich in den nächsten Jahren nicht vor aufzuhören, oder? Was steht als nächster beruflicher Termin an? Ich bin gerne Bäuerin. Seit der Kommunalwahl im Frühjahr bin ich auch im Kreistag vertreten, ich habe Familie, Kinder, Enkelkinder. Wir haben 2021 im Herbst Neuwahlen. Es gibt junge engagierte Bäuerinnen in unserem Landkreis. Es wäre schön, wenn sie sich mit frischen Ideen in der Landfrauenarbeit einbringen würden. Ich bin gerne Kreisbäuerin, freue mich auch sehr über junge dynamische Bäuerinnen. Die Bäuerinnen entscheiden bei der Wahl. Haben Sie ein Hobby, das mit Landwirtschaft so überhaupt nichts zu tun hat? Nur der Landfrauenchor (lacht), ansonsten muss ich passen. Die Fragen stellte Monika Schütz.