Beim Politischen Aschermittwoch des SPD-Stadtverbandes Kronach war der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Richard Rauh, der Hauptredner. Ortsvorsitzender und Stadtrat Hans Simon freute sich über zahlreichen Besuch im Sportheim des ATSV Gehülz. Rauh hielt schonungslos Rückblick mit Kritik an der eigenen Partei.

Im Sog der Bundes- und Landespolitik sei auch die SPD vor Ort vom Gegenwind nicht verschont geblieben. So könne man weiterhin keinen SPD-Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis Kronach stellen. Wer hätte das als Genosse geglaubt, dass man bei der Landtagswahl unter zehn Prozent falle und hinter CSU, Freie Wähler, Grüne und AfD erst auf dem fünften Platz in der Parteienfolge lande. Aber Trübsal blasen gelte nicht, jetzt heiße es wieder aufstehen und sich nach vorne arbeiten. Denn die SPD wird gebraucht, stellte der Redner fest. Wer, wenn nicht die SPD, rief er der Versammlung zu und erhielt Beifall, als er mit Grundrente und Bürgergeld für Hartz IV und weitere Gesetzeswünsche der SPD als Lebenszeichen nannte. Die Reaktionen darauf zeigten, dass man damit den Nerv vieler getroffen habe. Damit, so Rauh, werde wieder ein Markenkern der SPD sicht- und in der Politik spürbar, der "soziale Gerechtigkeit" heißt. Der Kreispolitiker und Gewerkschafter meinte, die SPD müsse wieder die sogenannten "Brot- und Butter-Themen" in den Mittelpunkt stellen. Insbesondere meint er damit Pflege, Rente, Bildung und Infrastruktur.

"Es geht um Gerechtigkeit, Sicherheit und um Glaubwürdigkeit und dabei muss die SPD mehr nach links rücken", sagte Rauh unter dem Beifall der Versammlung. Die CDU/CSU wolle den Solidaritätszuschlag für die oberen zehn Prozent der Steuerzahler abschaffen, das wären zehn Milliarden Euro. Auf der anderen Seite beteuerten die beiden Parteien, dass eine Grundrente (etwa sechs Milliarden) nicht finanzierbar sei. Als weiteres Beispiel führte er die Aufstockung des Wehretats mit zusätzlich 35 Milliarden an: "Das soll gehen, aber Sozialleistungen nicht. Wenn man im Verteidigungsministerium 50 Prozent weniger Berater einsetzen würde, hätte man einen Großteil der Grundrente finanziert", ärgerte sich Rauh über solch eine Einstellung.

"Gipfel der Scheinheiligkeit"

Die Wohnungsbaupolitik sieht der langjährige Kommunalpolitiker als eine der größten sozialpolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Die Mietkosten schießen in die Höhe, auch in Kronach. 2011 seien CSU und FW im Stadtrat Kronach die größten Befürworter zum Verkauf der Kronacher Wohnungsbaugesellschaft gewesen. Und 2015 stelle die CSU den Antrag, die Verwaltung des Landkreises Kronach möge Maßnahmen vorschlagen, mit denen eine ausreichende Bereitstellung von sozialem Wohnraum gesichert wird. "Das ist für mich der Gipfel der Scheinheiligkeit", so Rauh und fügte verärgert hinzu, dann hätte man eben die KWG nicht verkaufen dürfen. Dass sich nun die SPD für die Belange der Mieter einsetzt, darüber informierte ausführlich Rechtsanwältin Sabine Gross, die zahlreiche Mieter vertritt.

Richard Rauh, der seit 1996 dem Kreistag Kronach angehört und seitdem auch Fraktionsvorsitzender der SPD ist, nannte es einen Skandal, dass der Bahnhof in der Kreisstadt bis heute noch nicht barrierefrei sei. Einige Kreisprojekte wie die Atemschutzübungsanlage, die Generalsanierung der VHS, den Freizeitsee in Windheim und die Sanierung des Landratsamtes sah Rauh auf gutem Weg , aber der Schwerpunkt liege für die SPD im Nahverkehrskonzept. Das Credo der SPD laute, es muss kostengünstig für die Nutzer sein, denn damit steht und fällt die Entwicklung des Landkreises auch im Blick auf Umwelt und Verkehr.

Zum Schluss macht Rauh einen humorvollen Schwenk und nennt den Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner den Baumeister des Landkreises. Allerdings werde nichts fertig, wie die Realschule in Pressig, der neue Schlachthof, eine Stadthalle in Kronach und manches mehr. "Und wir haben genug zu tun, wenn wir das Lehrschwimmbecken in der RS I, die Turnhallen, die Sportstätten an der RS I und viele mehr anpacken wollen." eh