Die Ausgaben für Soziales im Landkreis Haßberge sinken. Nach den stetigen Steigerungen in den Jahren zuvor lag im Haushaltsjahr 2019 das Rechnungsergebnis schon um 931 000 Euro unter dem Ansatz, und heuer sinkt der Sozialanteil erneut um rund 907 000 Euro gegenüber dem Vorjahr. Diese erfreuliche Mitteilung machte Kreiskämmerer Marcus Fröhlich bei der Sitzung des Kreistag-Ausschusses für Arbeit und Soziales in Haßfurt. Dabei wurde der Teiletat "Soziales" besprochen, der in den Gesamthaushalt des Kreises einfließt.

Der Kreiskämmerer begründete die Reduzierung damit, dass sich der Bund zweckgebunden an den Ausgaben der Jobcenter für Unterkunft und Heizung sowie an den Aufwendungen für Bildung und Teilhabe beteilige. Habe er vorher nur rund 50 Prozent zu den Kosten beigetragen, liege die Erstattung nun bei 75 Prozent, sagte der Kämmerer. Das mache für den Landkreis 800 000 Euro aus.

Die Aufwendungen für Soziales im Haushaltsplan betragen 11 752 000 Euro. Für diesen Teilhaushalt "Soziales und Senioren" hat der Landkreis einen Eigenanteil von 4,1 Millionen Euro zu tragen - und dies sei eine positive Entwicklung, fasste Marcus Fröhlich zusammen. Der Kreistag-Ausschuss stimmte diesem Teilhaushalt zu.

Berufsberater Thomas Schlereth von der Agentur für Arbeit Schweinfurt, zu der die Arbeitsagentur im Landkreis mit Sitz in Haßfurt gehört, gab den Kreisräten eine Übersicht über die Ausbildungsstellen und deren Besetzung. Die Arbeit der Agentur sei ab März vom Lockdown geprägt worden; persönliche Gespräche mit den Schülern waren nicht mehr möglich. Die Agentur hatte zuvor laut Schlereth den Anspruch, mit jedem Schüler zu sprechen.

Sie habe Hotlines eingerichtet, Elternbriefe geschrieben, auf telefonische Beratung umgestellt und die Videokommunikation eingeführt. Schüler seien aber auch in einen Orientierungs-Lockdown abgetaucht, bedauerte der Redner.

Tatsache sei, so sagte der Fachmann, dass die Betriebe weiter nach Auszubildenden suchen, um ihren Fachkräftebedarf zu sicheren. Corona sei also weniger ausschlaggebend gewesen, erklärte er.

Von der Statistik her seien die Bewerber um 50 Personen weniger geworden. Gleichzeitig hätten sich die Ausbildungsplätze um 65 Stellen verringert. Die Agentur sei froh, dass es noch mehr Lehrstellen gebe als Bewerber. "Es muss also keiner zu Hause sitzen bleiben. Die Agentur bietet Stellen an und der Ausbildungsmarkt saugt fast alle auf." Zum 30. September habe die Agentur nur einen unversorgten Jugendlichen gehabt.

Allerdings gebe es ein Ungleichgewicht bei den Stellen am Arbeitsmarkt. Für den Bereich Gastronomie habe sich niemand gemeldet, und ähnlich sei es für den Bau oder für das Handwerk, bei Bäckern und Metzgern. Auf der anderen Seite suchten viel mehr Jugendliche Stellen im Büro oder Büromanagement, als Stellen vorhanden seien, erläuterte Schlereth.

Aus einer Aufstellung wurde ersichtlich, dass bei der Berufswahl die männlichen Bewerber weiterhin "Männerberufe" bevorzugen und Mädchen mehr die "weiblichen" Berufe im Blickfeld haben.

Über die fehlende Wertschätzung der Handwerksberufe in der Gesellschaft entwickelte sich eine rege Diskussion. Helmut Dietz (SPD) bestätigte aus seiner Gemeinde Untermerzbach, dass den Handwerksbetrieben der Nachwuchs fehle und manche Betriebe dadurch ausliefen. Marion Hümmer (CSU), selbst Metzgermeisterin, sprach von einem immer stärkeren Trend zu weiterführenden Schulen und der fehlenden Wertschätzung der Handwerksberufe durch die Gesellschaft. Wenn jemand sage, "Ich bin Metzger", habe dies einen ebenso negativen Beigeschmack wie: "Ich bin Bauer."

Christian Zehendner (Junge Liste) erinnerte daran, dass das Handwerk darauf vertraut habe, dass unbegleitete Flüchtlinge in die Lücke stoßen. Sowohl Landrat Wilhelm Schneider (CSU) als auch der Berufsberater Thomas Schlereth berichteten einerseits von einem deutlichen Rückgang der Flüchtlinge, aber auch davon, dass Flüchtlinge vereinzelt in diese Berufe gingen. Trotzdem fehlten in manchen Berufen die Bewerber massenhaft. gg