Wie versprochen, werde ich Ihnen heute verraten, ob ich - wie an gleicher Stelle angekündigt - meinen kürzlichen London-Aufenthalt dazu genutzt habe, mich an der berühmten Speakers' Corner am Rande des Hyde Parks auf eine Obstkiste zu stellen und gegen den Brexit anzuschreien. Mit leicht geneigtem Haupt muss ich zugeben: Nein, habe ich nicht! Es hätte auch keinen Sinn mehr gemacht. Ich kam schlichtweg zu spät, so einfach ist das. Es waren nur Minuten.

Denn während ich erwartungsvoll im Flugzeug irgendwo über dem Ärmelkanal saß, hat Königin Elisabeth II. zeitgleich in einem mintgrünen Kleid im britischen Parlament der Tradition entsprechend die Regierungserklärung von Boris Johnson verlesen. Ob sie sich vorher das königliche Haupt toupieren ließ, um dem Premierminister zu schmeicheln, ist nicht überliefert, wohl aber, dass vielen Menschen in Europa, auch auf der Insel, die Haare zu Berge standen.

Bei der Landung eine knappe Stunde später jedenfalls war "the cheese eaten", wie der Engländer zu sagen pflegt. Die Queen hatte ihre Rede bereits gehalten, ich konnte mir meine schenken. Schade, die Chance, einmal direkt, zumindest verbal, in die Weltpolitik eingreifen zu können, hätte ich gerne genutzt.

Ich versichere noch einmal: An mir lag es nicht. Die Briten konnten einfach nicht warten. Ratzfatz musste es gehen.

An der Schwelle zum neuen Jahr - und Jahrzehnt - hoffe ich inständig, dass sie dieses Tempo beibehalten. Damit das Thema Brexit bald Geschichte ist. Soll'n sie doch sehen, was sie davon haben. Dietmar Hofmann