581 Tage lang war Sendepause im Schlosstheater Thurnau, doch die Durststrecke hatte am Sonntagabend mit der Premiere von "Achterbahn" ein Ende. "Wir sind dem Team, den Fans, dem Publikum sehr dankbar, die uns finanziell und moralisch unterstützten", sagte Dietmar Hofmann, Vorsitzender des Fördervereins, zur Begrüßung. "Wir haben uns nicht unterkriegen lassen, und uns geht's heute richtig prächtig!" Jetzt gelte es nur noch die fränkischen 3G-Regeln einzuhalten: Genießen, Glücklichsein und Glatschen. Dazu ließ sich das Publikum nicht zwei Mal bitten.

"Wir sind so froh, dass es wieder losgeht", meinte etwa Gisela Gebhard in der Pause. Mit ihren drei Geschwistern ist sie ins Schlosstheater gekommen. "Als bekannt wurde, dass die Bühne wieder geöffnet wird, haben wir uns sofort für alle drei Stücke Karten reserviert."

Ganz schnell hatten sich auch Hedi und Karlhermann Gernet aus Thurnau ihre Karten für die Premiere gesichert. "Das Theater ist wichtig, damit ist in Thurnau etwas geboten", fanden sie. Auch vom Stück zeigten sie sich angetan, amüsierten sich glänzend. "Es ist aus dem Leben gegriffen, jeder gesunde Mann hat doch eine Lumperei im Kopf", lachte Karlhermann Gernet.

Und fürwahr geht es in "Achterbahn" um das Thema Liebe und Fremdgehen, um Freiräume und Zuverlässigkeit, Vertrautheit und ein wenig Nervenkitzel.

Ein eigentümlicher Raubvogel

"Der verheiratete Mann ist ein eigentümlicher Raubvogel", sagt Lisa Oertel (Juliette) in der französischen Komödie von Eric Assous. "Es gibt verheiratet und verheiratet", meint Wolfgang Krebs (Pierre). Doch wer hat recht? Wer verführt hier wen? Oder geht es am Ende doch um etwas ganz anderes? Wolfgang Krebs und Lisa Oertel tasteten sich nach langer, coronabedingter Spielpause auf der Bühne aneinander heran, um dann nach kurzer Zeit kräftig Fahrt aufzunehmen. Der alternde Strohwitwer und vermeintliche Lebemann Pierre, für den man zuweilen schon fast Mitleid empfinden mag, wurde pointiert und einfühlsam von Wolfgang Krebs gemimt. Lisa Oertel schlüpfte als Juliette mühelos von einem Rollenspiel ins nächste und zeigte damit eine große Variationsbreite.

Skepsis nach der langen Pause

Die Schauspielerin, die in Berlin lebt und gebürtig aus der Nähe von Erlangen stammt, war glücklich, wieder auf der Bühne zu stehen, auch wenn sie noch vor einer Woche skeptisch war. "Ich kam am Dienstag aus Berlin, und wir haben intensiv geprobt", verriet sie. Am Mittwoch habe sie sich noch nicht so wohlgefühlt, "ich habe nach der langen Zeit richtig gefremdelt".

Doch spätestens zur Generalprobe war die erfahrene Schauspielerin wieder in ihrem Element, und das zeigte sie zur Premiere auf der Bühne. Wie ein "Nach-Hause-Kommen" bezeichnete Wolfgang Krebs sein Bühnen-Comeback, "der Applaus tut richtig gut!"

Das Zwei-Personen-Stück "Achterbahn" ist eine französische Komödie mit vielen überraschenden Wendungen, Wortwitz und pointierten Texten. Ein Stück nicht nur für Paare, wobei eine gewisse Lebenserfahrung nicht schadet, um die feinen Spitzen vollends genießen zu können.

Die Zuschauer sollten sich jedenfalls auch auf eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle gefasst machen.