Friederike Stark

Es ist nahezu still, nur ein paar Vögel zwitschern. Dann und wann raschelt ein Tier durchs Gehölz. Der Wald ist mit seiner Schönheit und Ruhe unvergleichlich. Aber auch die Gefahren, die er mit sich bringt, sind unvergleichlich. "Die Arbeit im Wald gehört zur gefährlichsten Arbeit überhaupt", weiß Eltmanns Stadtförster Christian Bartsch. So kommt es nach Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei Waldarbeiten zu "mehreren tausend Unfällen pro Jahr". Nicht selten sind diese Unfälle schwerwiegend. "Alle Waldarbeiter nehmen deswegen regelmäßig an Erste-Hilfe-Kursen teil", sagt Bartsch.


Rettungskette für Waldarbeiter

Jeder kennt also die Rettungskette, bestehend aus dem Absichern der Unfallstelle, dem Absetzen des Notrufs und der Erstversorgung des Verletzten. "Doch beim Notruf kommen wir im Wald spätestens bei der Frage nach dem ,Wo‘ an unsere Grenzen", sagt Bartsch. Denn häufig befänden sich die Waldarbeiter bei ihrer Arbeit in wenig erschlossenen Gebieten.
"Wir können unseren genauen Standort den Rettungskräften oft gar nicht beschreiben. Außerdem würden sie mit dem Rettungswagen sowieso nicht an den Unfallort gelangen", schildert der Stadtförster die Problematik. Genau dann greift eine zusätzliche Rettungskette - die "Rettungskette Forst".
Diese Rettungskette soll es den Rettungskräften leichter machen, den Unfallort zu finden. Um das zu ermöglichen, hat die Bayerische Forstverwaltung seit Juni 2013 bayernweit Rettungstreffpunkte für private und kommunale Waldbesitzer erfasst, die den Rettungskräften genannt werden können. "Diese Treffpunkte sind in einem Umkreis von 50 Metern mit grünen Schildern gut sichtbar gekennzeichnet", erklärt Bartsch.
Zusätzlich steht auf den Schildern der Name des Treffpunktes, bestehend aus dem amtlichen Autokennzeichen der Region und einer Zahl, beispielsweise "HAS-2119". Die Waldarbeiter kennen diesen Namen und können so den Rettungskräften ihren Aufenthaltsort durchgeben. Dort nimmt dann ein Lotse die eintreffende Rettungsmannschaft in Empfang. Dieser Lotse wurde nach dem Absetzen des Notrufs vom Ersthelfer angerufen, damit der Ersthelfer beim Verletzten bleiben kann. "Da die Arbeiten im Wald gefährlich sind, sind die Arbeiter meist mindestens zu zweit unterwegs", sagt der Eltmanner Stadtförster.


Gut erreichbare Treffpunkte

Der angerufene Lotse ist meist ebenfalls Waldarbeiter und kennt sich im Revier aus. Bartsch: "So ist gewährleistet, dass er den Weg zum eigentlichen Unfallort schnell findet."
Bereits in den 1990er Jahren entwickelte sich im Bereich des bayerischen Staatswaldes ein System fester Rettungstreffpunkte. In einer Zeit also, in der der Treffpunkt nicht nur gut erreichbar für einen Rettungswagen sein musste, sondern auch ein Festnetztelefon in unmittelbarer Nähe sein musste. "Daher befinden sich einige der Treffpunkte, die aus dieser Zeit stammen, etwa auf Dorfplätzen", erläutert Bartsch. Bei der Festlegung der neuen, 2013 eingeführten Sammelstellen, wurde auf guten Handyempfang geachtet.
"Selbstverständlich sind diese Rettungspunkte aber nicht nur für Waldarbeiter bestimmt", sagt Bartsch. Schließlich könnten auch Freizeitsportler oder etwa Pilzesammler verunglücken. Jogger können also einen Blick auf die nächstgelegenen Tafeln werfen und sich den Namen des Treffpunktes merken. So kann jedermann im Falle eines Unfalls den Rettungsdienst rufen und den Rettungskräften den Aufenthaltsort durchgeben.


Eine App für jedermann

"Aber es gibt auch eine App für Smartphones, mit der man die Rettungspunkte abrufen kann", erklärt Bartsch. Diese Applikation für internetfähige Handys wird vom bayerischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kostenlos in allen bekannten App-Stores unter dem Namen "Hilfe im Wald" zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gibt es auf der Internetseite des Ministeriums die Möglichkeit, sich eine Karte mit allen verfügbaren Rettungspunkten herunterzuladen, um im Fall eines Unfalls die Frage nach dem "Wo" problemlos beantworten zu können.