Bad Staffelstein — "Wir gehen dem Landkreis jetzt quasi auf den Grund", fasste Landrat Christian Meißner zusammen, als er am Montag gemeinsam mit dem bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber in Bad Staffelstein die erste genommene Bodenprobe wieder nach oben beförderte. Der Landkreis Lichtenfels ist Pilotlandkreis für ein Projekt zum künftigen bayernweiten Umgang mit Bodenaushub. Nun fiel der Startschuss des federführend vom Bayerischen Landesamt für Umwelt betreuten (LfU) zweijährigen Vorhabens.

Das Politprojekt soll Erkenntnisse darüber liefern, wie künftig die Wiederverwendung von bei Bauprojekten entstehendem Erdaushub erleichtert und verbessert werden kann. Insbesondere dient die Maßnahme der Untersuchung der wichtigen Frage, unter welchen Voraussetzungen Erdaushub aus Bauprojekten künftig ohne kostenintensive Beprobung des Materials innerhalb der Regionen in Bayern - also auch des Landkreises Lichtenfels - verbracht beziehungsweise wiederverwendet werden kann.

Experten des für die fachliche Umsetzung verantwortlich zeichnenden LfU erläuterten Hintergründe zur Maßnahme und den geplanten Ablauf bezogen auf den Landkreis. "Das in Bayern bisher vorliegende Bodeninformationssystem gibt nur relativ wenig Aufschluss über die natürlich erhöhten Stoffgehalte in den Böden", erklärte etwa Peter Spörlein, stellvertretender Referatsleiter Bodenmonitoring beim LfU.

Wichtige, für die Zukunft wertvolle Erkenntnisse soll nun das Projekt liefern, für das das Bayerische Umweltministerium die notwendigen finanziellen Mittel stellt. Im Landkreis Lichtenfels werden bis Sommer 2022 an 250 Standorten auf Acker-, Grünland und in Einzelfällen auch Waldflächen 800 Bodenproben entnommen . Uwe Geuß vom LfU erläuterte im Rahmen des Auftakts des Projekts auf einem Areal in der Seestraße bei Bad Staffelstein, einen kleinen Fußmarsch vom Kurcampingplatz entfernt, zunächst den Status Quo. Die Vorbereitungen seien abgeschlossen, es wurde eine sogenannte "Substratkarte" erstellt, welche die verschiedenen Bodenhauptgruppen zeigt. Geuß zeigte an einem praktischen Beispiel auf, wie die Fachleute in den zu entnehmenden Bodenprobe "lesen" und welche Unterscheidungskriterien zu berücksichtigen sind. Zu nennen sind beispielsweise der Kalkgehalt, die Hydromorphie, sprich die Vernässung des Bodens, oder auch der sogenannte "Skelettgehalt". Als Skelett werden die Steine im Boden bezeichnet, die größer als zwei Millimeter sind. Der Skelettgehalt beeinflusst das Wasser- und Nährstoffspeichervermögen der Böden und auch die Wasserleitfähigkeit.

Kein Grund zur Besorgnis

Die Standorte hat das LfU nach bodenkundlichen Erkenntnissen ausgewählt. Um Missverständnissen, falschen Gerüchten oder gar Ängsten im Vorfeld vorzubeugen, stellte Landrat Christian Meißner, der wie weitere Ehrengäste, darunter auch Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Sowa, dem Projektstart beiwohnte, unmissverständlich klar: "Die Auswahl der Grundstücke im Landkreis als Probestandorte stellt keinerlei Grund zur Besorgnis dar. Vor allem bedeutet dies keineswegs, dass irgendwelche behördlichen Erkenntnisse hinsichtlich vom jeweiligen Grundstück ausgehender Gefahren oder Bodenveränderungen vorliegen." Die betroffenen Grundstückseigentümer wurden im Vorfeld über die Bodenprobeentnahmen informiert.

Die Entnahmen erfolgen am Rand des jeweiligen Flurstücks, die entstandenen Bohrlöcher werden anschließend fachgerecht wiederbefüllt. Beim Start des Projekts, das den offiziellen Titel "Umgang mit geogen erhöhten Stoffgehalten" trägt, wurde das praktische Vorgehen demonstriert: Mittels eines Bohrhammers wird an den einzelnen Standorten eine im Durchmesser acht Zentimeter dicke Rammkernsonde einen Meter tief in den Boden geschlagen. Wie Geuß vom LfU ausführte, wird die gewonnene Bodenprobe dann im Labor analysiert.

Bodenkarte wird erstellt

Auf Basis der gewonnenen Daten wird nach Vorliegen aller 800 Proben eine Bodenkarte für den Landkreis erstellt. Auf Initiative von Landrat Meißner und dem Obermeister der Bauinnung Lichtenfels, Wolfgang Schubert-Raab, hatte das Bayerische Umweltministerium im Juli des vorigen Jahres den Landkreis Lichtenfels als Politlandkreis auserkoren. Auch Schubert-Raab äußerte sich lobend über das Projekt, dessen Erkenntnisse Bauherren und Bauunternehmen gleichermaßen dienlich sein können. "Das ist jetzt der Weg, den wir in Bayern gehen wollen und, so meine Überzeugung, eine gute Sache ist, von der alle Beteiligten profitieren", zeigte sich Thorsten Glauber zuversichtlich, was den Erfolg des Projekts anbelangt. Unter kompetenter Anleitung der Fachleute vom LFU griff der Staatsminister dann feierlich selbst zum Bohrhammer, um bei Bad Staffelstein die erste Sonde bayernweit in den Boden zu versenken.