christine fischer Das regelmäßige Lüften geschlossener Räume ist neben der AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmake) die einzige Präventionsmaßnahme, die wir der Corona-Pandemie entgegensetzen können. Dabei ist der geforderte Luftaustausch durch Stoßlüften in manchen Klassenzimmern gar nicht möglich, da sich die Fenster nur kippen lassen. Kinder säßen dann stundenlang in der Zugluft, klagen Eltern; die Situation ist für alle Beteiligten unbefriedigend. Die Herbstferien bieten Schülern und Lehrern momentan eine kleine Verschnaufpause. Doch egal, wie es danach weitergeht mit der Unterrichtsorganisation - ob ganz normal oder im Wechsel zwischen Präsenz- und Zuhause-Beschulung - das Lüften wird wohl ein Dauerbrenner bleiben, zumal die Außentemperaturen in den nächsten Wochen ja wahrscheinlichen sinken werden.

Der regelmäßige Luftaustausch in Klassenzimmern zur Verringerung der Aerosolkonzentration ist im sogenannten Rahmenhygieneplan des Kultusministeriums vorgeschrieben und auch genau erläutert (siehe Infokasten). "Das wird von den Schulen auch so umgesetzt", heißt es auf Nachfrage aus dem Staatlichen Schulamt. Probleme gebe es dabei keine.

Die Carl-von-Linde-Realschule gehört zu den glücklichen Schulen, die ihre Fenster in allen Klassenzimmern ganz öffnen können. "Das Stoßlüften mit geöffneten Fenstern und Türen ist bei uns kein Problem", sagt Schulleiterin Monika Hild. Alle 20 Minuten werde so für Luftaustausch in den Räumen gesorgt. Deshalb sehe man den Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten derzeit als nicht nötig an, habe das aber auch bei einer Begehung mit den zuständigen Mitarbeitern des Landratsamtes - der Landkreis ist Sachaufwandsträger für die Schule - prüfen lassen. Lediglich ein Raum im Schulgebäude, der für das Studienseminar genutzt werde, habe nur Oberlichter und keine Fenster, "dafür haben wir aber eine Ausweichmöglichkeit gefunden", so Monika Hild.

Etwas anders sieht die Situation am Caspar-Vischer-Gymnasium aus. Dort lassen sich die Fenster in den Klassenräumen lediglich kippen. Von einer Zumutung für die Schüler spricht CVG-Elternbeiratsvorsitzende Uschi Prawitz, die auch in der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern organisiert ist. Sie richtet ihren Vorwurf ausdrücklich nicht an die Schulleitung, die für die baulichen Zustände schließlich nichts könne, sondern ans Kultusministerium. "Jetzt zeigt sich der Sanierungsstafile:///C:/program%20files/nextgeneration/icons/default/Wert#4#EMailPrio.pngu, den wir seit Jahren an den Schulen haben. Das fällt uns nun auf die Füße."

Es sei bereits geprüft worden, ob sich der Kippmechanismus umbauen lasse, so dass sich die großen Fenster ganz öffnen lassen. Dies sei aus Sicherheitsgründen jedoch nicht möglich, so Prawitz. So blieben die Fenster am CVG zum Teil sehr lange gekippt - bei geöffneter Tür - , um für den nötigen Luftaustausch zu sorgen. "Die Kinder sitzen den ganzen Tag in der Zugluft und werden dann wieder krank." Die Folge seien viele Einzelkrankheitsfälle und Schüler, die Stoff versäumen und massive Nachteile gegenüber denen hätten, die weiter präsent unterrichtet werden. Zahlreiche Eltern hätten sich darüber schon beklagt. "Wir haben de facto keine Bildungsgerechtigkeit mehr", so Uschi Prawitz.

Als Lösungsmöglichkeit für dieses Dilemma werden immer öfter mobile Luftreinigungsgeräte ins Gespräch gebracht. Die Staatsregierung hat nun ein Förderprogramm aufgelegt, das Schulen bei der Anschaffung von solchen Luftfiltern und/oder CO2-Sensoren finanziell unterstützen soll. 37 Millionen Euro werden den bayerischen Schulen dafür bereitgestellt. Die entsprechenden Anträge müssen vom Sachaufwandsträger bis 31. Dezember gestellt werden.

Interesse an dem Programm hat zum Beispiel die Stadt Stadtsteinach als Sachaufwandsträger für die Friedrich-Baur-Grund- und Mittelschule angemeldet. Stoßlüften ist an der Schule dank ganz zu öffnender Fenster gut möglich. Allerdings wird derzeit geprüft, inwieweit die Nutzung von CO2-Sensoren sinnvoll, nötig und technisch umsetzbar ist, so Matthias Stark von der Stadtverwaltung. Daher werde man einen Förderantrag stellen, um sich im Bedarfsfall Mittel zu sichern. Schließlich wolle man gewährleisten, dass die Schüler unter vernünftigen Bedingungen Unterricht haben können.

Auch in Neudrossenfeld gibt es Interesse an dem Förderprogramm. Dort macht sich Gemeinderätin und Elternbeiratsvorsitzende Annette Fial für Luftreinigungsgeräte an der Friedrich-von-Ellrodt-Schule stark und möchte im Gemeinderat einen entsprechenden Antrag stellen.

"Es kann doch nicht sein, dass die Kinder mit Jacke und vielleicht sogar Handschuhen im Klassenzimmer sitzen müssen", hat sie bei einem Ortstermin in der Schule beklagt.