Seit 1984 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Wallenfels und Bingham in Nottinghamshire schon. Daraus resultiert auch die Gründung des Förderkreises Bingham-Wallenfels im Jahr 1985. Zahlreiche Aktivitäten wie gegenseitige Besuche, Zeltlager, Fußballspiele und die traditionellen Bierfeste in Bingham verbinden die Engländer mit den Frankenwäldlern.

"Neue alte Wege" wolle man nun in der Verbindung zu Bingham gehen, erklärt Bürgermeister Jens Korn. Neue Wege deshalb, weil man gegenseitige Praktika anbieten will. Alte Wege wiederum, weil man vor Jahren schon einmal drei Praktikanten aus Bingham zu Gast in Wallenfels hatte. Beim Unternehmerstammtisch im Oberen Rodachtal waren etliche Unternehmer, darunter auch der Caritasverband mit seinem Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth in Wallenfels, bereit, mitzumachen und Praktikumsplätze anzubieten. Und so kam Matthew Watson von Bingham nach Wallenfels. Er hatte großes Interesse am Pflegebereich im Altenheim - und da er bereits in Bingham ein Praktikum in einem Krankenhaus absolviert hatte, konnte er einen guten Vergleich ziehen. Und die Bewohner hatten den ruhigen zuverlässigen Matthew sofort in ihr Herz geschlossen. Liebevoll ging er mit den älteren Männern und Frauen um, zeigte sich respektvoll und war deshalb ganz schnell in den Alltag im Altenheim integriert. Eine Woche war er in der Pflege mit tätig, bekam viel von der Grundversorgung mit und half mit, wo er konnte. Nun unterstützt er im beschützenden Bereich die Therapie. Essensvorbereitungen, Beschäftigung in der Gruppe, Spielstunden, Lesezeit oder einfach nur dasitzen und zuhören, all das hat der 16-jährige in der kurzen Zeit bereits liebgewonnen. "Es ist ganz anders als bei uns im Krankenhaus, viel interessanter und nicht so hektisch", betont Matthes.

Dialekt wie Chinesisch

Mit der Sprache kommt er eigentlich ganz gut klar, solange man Hochdeutsch mit ihm redet. Wenn jedoch Dialekt gesprochen wird und das auch noch ziemlich schnell, dann hört sich das für ihn wie Chinesisch an. "Aber ich bemühe mich, viel zu verstehen", lacht der sympathische junge Mann.

Damals vor 35 Jahren waren die beiden Soldatenkameradschaften aus Wallenfels und Bingham maßgebend beteiligt an der Partnerschaft. Dann kam der Fußball dazu, hier fanden in den nächsten Jahrzehnten legendäre Spiele mit den Bingham Town FC statt. Als erster Praktikant aus Bingham kam 2004 ein junger Mann namens Robert Smith nach Wallenfels. Vier Wochen arbeitete er bei der Stadt, zwei Wochen im Sägewerk und dann zwei Wochen in der Brauerei Kaiserhof. Und da war es um ihn geschehen. Er hatte seine Berufung gefunden. Sofort nach seinem Abitur kam er zurück in den Frankenwald und fing an, Braumeister zu lernen. Heute ist er ein Meister seines Faches und immer noch in der Flößerstadt. Hier hielt ihn die Liebe zu Lisa, mit der er 2015 eine Familie gründete. Nach ihm kamen noch 2008 James Duffy, dessen Großmutter die Partnerschaft mit begründet hat. Er fand auch seine berufliche Orientierung im Caritas-Altenheim und ging in England dann auch in die Pflege. Ebenfalls 2008 kam Tom Mc Robie, der Sohn von Steve Mc Robie, ebenfalls Mitbegründer der Partnerschaft.

"Früher gab es noch diesen Schüleraustausch zwischen England und Deutschland. Wir möchten mit unseren Praktika daran anknüpfen", sagte Bürgermeister Jens Korn. Denn nicht nur die jungen Leute aus England können nach Wallenfels kommen, es sollen auch Wallenfelser nach Bingham gehen. "Bis jetzt haben wir noch niemanden, der diese Erfahrung machen möchte. Wer Interesse hat, hier aus dem Oberen Rodachtal, also hauptsächlich Wallenfels und Steinwiesen und mindestens 16 Jahre alt ist, der kann sich in der Stadtverwaltung oder beim Förderkreis Bingham-Wallenfels melden", bot Jens Korn an.