Die hier gezeigte Rüstung steht mit am Anfang der Landesausstellung. Sie symbolisiert den Ritterstand - und weist zugleich darauf hin, dass die Ritter sich auf dem absteigenden Ast befanden. In den Beschreibungen der Welt war zwar noch von Adel, Klerus und Bauernstand die Rede, aber die Realität war längst eine andere. Reiche Stadtbürger konnten in Sachen Prunk und Luxus vielen Adeligen den Rang ablaufen; ohne das Geld, das er sich bei den Fuggern und italienischen Geldhäusern lieh, wäre Maximilian wohl nie Kaiser geworden.
So schildern die Ausstellungsmacher vom Haus der Bayerischen Geschichte die Verhältnisse zu Beginn des 16. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der Ideen eines Mönches von der Freiheit des Christenmenschen und sein Wettern gegen den Ablasshandel einen großen Umbruch in Deutschland auslösen sollten.
Die Rüstung, das Rennzeug Herzogs Johann des Beständigen, gehört gewissermaßen auf die Veste: Schließlich war Johann der Beständige der Landesherr; er war derjenige, der - zusammen mit seinem Bruder Friedrich dem Weisen - Martin Luther Schutz gewährte. Gleichzeitig pflegten die beiden Brüder das höfische Rittertum. Die Veste Coburg wurde noch einmal zum Glänzen gebracht. Als Luther 1530 während des Augsburger Reichstages hier Quartier nahm, fand er recht komfortable Gästezimmer vor. Deren Lage direkt gegenüber der großen Hofstube zeigte, welchen Rang der gastgebende Fürst seinem Besucher einräumte.
Die Ritter veranstalteten auch noch Turniere, die nach festen Regeln abliefen. Für den Zweikampf mit scharfen Lanzen, das Rennen, entwickelte sich im Lauf des Spätmittelalters eine Spezialausrüstung, das Rennzeug. Das in Coburg ausgestellte Rennzeug wurde vermutlich für ein Turnier in 1498 Innsbruck angefertigt, das Kaiser Maximilian zu Ehren Johann des Beständigen veranstaltete. Das Rennzeug dürfte seinerzeit in Innsbruck zurückgeblieben sein und gelangte so nach Wien. Heute gehört es zum Bestand der Rüst- und Waffenkammer des Kunsthistorischen Museums Wien.
Für einen Ritter sei ein solches Rennzeug "wie ein Ferrari" gewesen, sagt der Chefkurator der Landesausstellung, Peter Wolf vom Haus der Bayerischen Geschichte. Vor allem seien solche Rüstungen teuer gewesen - um eine zu erwerben, brauchten die Ritter sozusagen Sponsoren. Ob Johann der Beständige für diese Rüstung einen Financier hatte, geht aus dem Katalog zur Landesaustellung nicht hervor.


Turnierer oder Söldner

Die Rüstung aus blankem Eisen und Leder wirkt sehr schlicht, verglichen mit den kunstvoll verzierten, die in der Großen Hofstube zu sehen sind. Das Rennzeug ist auf die Erfordernisse des Rennens ausgelegt, einer speziellen Turnierform. Die Rüstung verfügt über einen hutartigen Helm, steifen Bart, Brust und Rücken sowie Schößen zum Schutz der Oberschenkel. Arm- und Beinzeuge wurden jedoch weggelassen. Die Arme wurden links durch einen großen fixierten Schild, die Renntartsche, rechts durch eine halbkreisförmige Stahlscheibe auf der Lanze, die Brechscheibe, gedeckt. Beinzeuge waren nicht notwendig, da dem Turnierer von dieser Seite keine Verletzungsgefahr drohte. Auf Brust und Rücken waren der Rüst- und der Rasthaken für die Lanze montiert.
Manche Ritter wollten sich mit dem Turnier nicht zufriedengeben. Sie fanden ein anderes Auskommen als Söldner: Götz von Berlichingen zum Beispiel kämpfte 1504 von Herzog Albrecht IV. von Bayern-München im Landshuter Erbfolgekrieg und verpflichtete sich 1525 für einen Monat als Hauptmann der aufständischen Bauern des Odenwalds. Ein Portrait Götz von Berlichingens und seine berühmte "Eiserne Hand" sind ebenfalls in der Landesausstellung zu sehen. sb