Die Altstadtfreunde mit ihrer Vorsitzenden Christa Minier sind alarmiert, seit bekannt wurde, dass der vierspurige Ausbau der B4 im Bereich Weichengereuth erneut diskutiert und als Thema noch einmal auf die Tagesordnung im Stadtrat gesetzt werden soll. Noch im Mai 2020 war dort die Entscheidung gegen den Ausbau gefallen.

"Dass dieser Beschluss nun vielleicht zurückgenommen wird, ist für uns völlig unverständlich", betont Christa Minier. Auslöser für die nun wieder aufgenommene Diskussion war der Wunsch der Firma Brose nach einer Verbreiterung der B4 auf vier Spuren in diesem Bereich zur Anbindung eines geplanten Logistikzentrums. Darüber hinaus wurden die Investitionen für den "Masterplan Brose 2030" davon abhängig gemacht, dass die Stadt mit dem Straßenbau die Voraussetzung dafür erfüllt.

Denkmalschutz contra Ausbau

Auch wenn diese Forderung inzwischen relativiert wurde, bleibt die Vorsitzende misstrauisch und warnt vor den Folgen dieses Verkehrsprojekts "aus Zeiten der autogerechten Stadt". Sie sorgt sich unter anderem um das Gebäude mit der Hausnummer 11. Die Villa steht unter Denkmalschutz und müsste einem vierspurigen Ausbau des Weichengereuths vermutlich weichen. Christa Minier erinnert daran, dass im Zuge des Baus der B4 bereits 21 Villen abgerissen wurden. Die repräsentativsten waren das "Schlössle" und der "Mohrenkeller".

Soll nun das 1874 im Auftrag von Bernhard Kleemann im Stil der Neurenaissance errichtete Haus folgen? Es befindet sich heute im Besitz der Bundesstraßenverwaltung. Dass sich Hans-Heinrich Eidt, Vorsitzender der Gemeinschaft Stadtbild und ein Verbündeter in Sachen Denkmalschutz, zunächst auch für einen vierspurigen Ausbau des Weichengereuths ausgesprochen hat, kann sie nicht verstehen. Immerhin hatte er 2015 erreicht, dass das dem Verfall preisgegebene Gebäude zumindest gesichert wurde. Dafür waren rund 150 000 Euro angesetzt worden. Zunächst wollte der FDP-Stadtrat den vierspurigen Ausbau sogar in der Februarsitzung des Stadtrats beantragen, zog diesen Antrag aber am Freitagabend wieder zurück, weil, wie er sagt, die Firma Brose den Bau von Parkhaus und Logistikzentrum nicht zwingend von der Verbreiterung der B4 abhängig mache.

Die Villa liegt Eidt indes auch am Herzen. "Möglicherweise könnte sie selbst bei einem vierspurigen Ausbau der Fahrbahn erhalten werden. Dann fielen aber die Vorgärten weg und es müsste eine Stützmauer errichtet werden." Prinzipiell halte er das für möglich und hatte das 2015 schon in die Diskussion gebracht. Auch hält er weiterhin einen nur dreispurigen Ausbau des Weichengereuths für machbar. Dazu müsste es aber eine Änderung im Bundesverkehrswegeplan geben, damit die Fördergelder gesichert werden können.

Logistikzentrum kein Jahrhundertprojekt

Christa Minier hingegen befürchtet, dass jegliche Verbreiterung der Fahrbahn im Weichengereuth nicht nur mehr Verkehr nach sich ziehen wird, sondern auch die Lebensqualität in diesem Bereich beeinträchtigt: "Das einst bevorzugte Wohnviertel würde endgültig zur reinen Verkehrsschneise abgewertet." In diesem Zusammenhang verweist sie auch auf das am Güterbahnhofsgelände geplante "Band für Wissenschaft, Technik und Design" mit dem Globe als Ausweichspielstätte für das Landestheater, die Einbindung des Itzufers als Ort zum Verweilen und Entspannen. "Für mich ist das ein Jahrhundertprojekt und nicht das Logistikzentrum der Firma Brose." Werde das Areal aber von zwei Seiten durch stark befahrene Verkehrsadern eingeschlossen, verlöre es an Qualität. "Das Gelände könnte für die Kreativwirtschaft unattraktiv werden und die hohen Investitionen, an denen sich auch der Freistaat beteiligt, nicht die gewünschte Wirkung entfalten."