von unserem Mitarbeiter Elisabeth Görner

Forchheim — "Von der Burg zur Festung - Wie modern war Forchheim?", so lautete das Thema des ersten Herbstvortrags der Altstadtfreunde in der Forchheimer Kaiserpfalz. Genau diese ist seit dem späten 14. Jahrhundert die (Stadt-)Burg der Bamberger Fürstbischöfe gewesen.
Sie war Ausgangspunkt für die gesamte Festung Forchheim, die wiederum bis fast zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch ihre Bedeutung hatte. Daniel Burger, der als Kunsthistoriker im Staatsarchiv in Nürnberg arbeitet und auch den Kurzführer "Burg und Festung Forchheim" verfasst hat, vermittelte den Zuhörern im Kellergewölbe der Pfalz detailliertes Wissen und verschaffte durch zahlreiche Illustrationen und Vergleiche mit andern Festungen die Möglichkeit, sich die Entwicklung der Verteidigungstechniken, die dafür nötige Militärarchitektur und die Situation der kämpfenden Menschen gut vorzustellen.

Türme und Bastionen erhalten

Gerade die in Forchheim noch erhaltenen Reste der Stadtmauer, die kleinen Türme und Bastionen, besonders aber auch die Festungen in Kronach, Kulmbach und Lichtenau lassen heute vielleicht eher romatische Gefühle aufkommen, aber, so Burger: "Festungskriege waren blutig; sie waren brutal."
Man musste auch erst auf die Idee kommen, die gedeckten Wege auf den Festungsmauern durch so genannte Traversen zu unterbrechen, damit nicht schon durch eine einzige Kanonenkugel des Feindes ein immenser Schaden angerichtet werden konnte und sehr viele Menschen verletzt oder getötet wurden. Dazu Burger: "Ich benutze diesen Vergleich, weil es um Menschen ging, nur ungern: Aber es lief sonst ohne Traversen nach Marke Kegelbahn."
Weil die früheren Rundausbauten und Türme zwar schon Kugeln relativ gut abprallen bzw. abrutschen ließen, aber das Problem der toten Winkel - gleichermaßen auf den Feind wie auf die eigenen Leute bezogen - mit sich brachten, erdachten die Italiener Anfang des 16. Jahrhunderts die Bastionen mit eckigen, spitzwinklig zulaufenden Mauervorsprüngen.
Der Zweite Markgrafenkrieg (1552 - 1555) war Auslöser für einen wahren Festungsboom in Franken. Auch Forchheim wurde damals von Albrecht II Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach belagert und man beschloss, die ganze Stadt zu befestigen und damit viele Menschen zu schützen.
Die Festung war sehr teuer, aber - trotz der noch "altitalienischen" Bauart mit kleinen Bastionen - zunächst durchaus modern. Auch die Mauerstruktur war noch traditionell, wie man bis heute sieht, durch sogenannte Buckelquader gestaltet.
Forchheim wurde und blieb der sicherste Ort des Fürstbistums Bamberg, weshalb dort auch bischöfliche Archive und der Domschatz von Zeit zu Zeit untergebracht wurden. Da eine Festung immer ein Staatsbau und immer auch Repräsentation war, sind deshalb Reliefs von (Staats-)Wappen bzw. von den Fürstbischöfen an Mauerteilen oder Toren zu sehen, in Forchheim z.B. an der Saltor-Bastion (Fürstbischof Veit II von Würtzburg, 1578) und an der Valentin-Bastion zur Erinnerung an den Fürstbischof dieses Namens von 1657.
In mehreren Modernisierungsschüben, vor allem nach dem 30-jährigen Krieg, versuchten die Forchheimer, die Festung auf den jeweils neuesten Stand zu bringen, zum Beispiel durch sogenannte Ravelins - von der Festungsmauer isolierte, quasi schwebende, vorgelagerte Außenwerke bzw. Bastionen, um den Abstand von der Festung zum Feind zu vergrößern. Der große Umbruch ereignete sich, als Franken - also auch Forchheim - 1806 zu Bayern kam.

"Nutzlose Immobilie"

Durch die Erfahrungen in den Napoleonischen Kriegen mit viel größeren Heeren und weiter reichenden, gefährlicheren (Artillerie-)Waffen, fragte man sich, ob die Festung Forchheim noch sinnvoll sei. Es gab zwar die Überlegung und sogar einen Plan, die Festungsfront noch einmal zu modernisieren, auch wegen des Kanals. Aber man stufte die Anlage dann doch als für Staat und Stadt nutzlose Immobile ein - besonders wegen der Lage zwischen Hügeln und Bergen und aus Sicht der Militärs auch zu klein.
1838 wurde sie aufgelassen, und ab 1870 dann schon teilweise geschleift und die Steine auch als Baumaterial verkauft. Die Stadt erkannte aber noch rechtzeitig, dass die Festung ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte ist und hat die bekannten Reste erhalten. Forchheim gehört als sehr frühe Siedlung, gerade mit seinen noch erkennbaren Verteidigungsanlagen, zu den vielschichtigsten Städten in Franken.