Ort: die Sitzgruppe auf der Michelsreuther Höhe an der Grenze der Gemeinden Trebgast und Himmelkron, die die Gartenbauvereine der beiden Kommunen dort 2010 aufgestellt haben.

Handlung: Übungsstunde eines Musikers.

Zeitpunkt: bei schönem Wetter jede Woche vier- bis fünfmal außer montags.

Beteiligte: Wolfgang Baron und sein Dudelsack.

Regelmäßige Zeugen: ein Ehepaar beim Abendspaziergang und eine Joggerin.

Vor zwei Jahren hat er sich diesen Platz ausgesucht. "Hier kann ich üben, auch wenn mal ein falscher Ton dabei ist. Hier störe ich niemanden." Wenn die Sonne hinter dem Wehlitzer Berg untergeht, hat er das Gefühl, in Schottland zu sein. "Schauen Sie doch mal in die Gegend. Ich fühl' mich hier einfach wohl. Das ist für mich Freiheit." Eine Dreiviertelstunde übt er meistens. "Wenn man mal eine Woche aussetzt, merkt man das schon", erklärt er.

Rudolf Dippold wohnt etwa 300 Meter entfernt in Michelsreuth: "Wenn die Windrichtung stimmt, denke ich, der steht bei uns im Garten." Diesmal steht Rudolf direkt mit dabei. Und nach und nach gesellen sich auch die Pferde auf der angrenzenden Ranch dazu, die er in seiner Pferdepension beherbergt.

Zur Vorgeschichte: Der in Brühl am Rhein geborene Wolfgang Baron wurde 1992 in Himmelkron sesshaft. Seit sieben Jahren spielt er das bei uns nicht so geläufige Instrument.

"Eigentlich wollte ich das schon mit 35 Jahren machen", sagt der 68-Jährige. "Aber es hat sich vorher irgendwie einfach nicht ergeben. Durch Zufall trat in einer Berufsschule in Nürnberg, in der ich als Außendienstmitarbeiter der Berufsgenossenschaft ein Referat hielt, die ,Glen Regnitz Pipe Band' aus Forchheim auf. Da fragte ich einfach, ob ich mitspielen darf."

"Die Lunge muss funktionieren"

Er durfte und hat das Instrument von Grund auf erlernt. Aber ganz so einfach war es doch nicht. "Wer eine Sackpfeife spielen will, muss Kraft und genügend Luft haben, die Lunge muss funktionieren", weiß er heute.

Nach einer dreijährigen Ausbildungszeit sagte sein Major zu ihm: "Du kannst dableiben." Jeden Montag fährt er nach Forchheim zum offiziellen Übungsabend der "Glen Regnitz Pipe Band". Die etwa 16 aktiven Piper und acht Trommler spielen bei Firmenfeiern und Hochzeiten sowie in der Adventszeit in Nürnberg, Erlangen Regensburg und natürlich zu Hause in Oberfranken. "Bei den Auftritten wird immer ohne Noten gespielt", betont er. Und dann hat er auch immer seinen Dienstanzug an, den Kilt.

Der Spaß ist ihm anzusehen

"Habt ihr eure Ohrenstöpsel dabei", fragt er launisch, als heute etwas mehr Zuhörer als sonst anwesend sind. Dann stimmt er die Pipe und übt ein neues Stück ein - nach Noten. Und alle sehen ihm an, dass es ihm Spaß macht, sein Instrument zu beherrschen.

Und hinter dem Wehlitzer Berg zaubert die Sonne den passenden Rahmen dazu (siehe Bild auf Seite 2). hd