Die öffentliche Auslegung der Planfeststellungsunterlagen für den Bahnausbau zwischen Altendorf und Strullendorf ist am Mittwoch zu Ende gegangen. Nun läuft für die Betroffenen die nächste Frist: Bis Montag, 6. November, 24 Uhr, können schriftliche Einwendungen bei der Regierung von Oberfranken in Bayreuth gemacht werden. Solche Einwendungen können auch über die Rathäuser der betroffenen Gemeinden - im Wesentlichen sind das Altendorf, Buttenheim, Hirschaid und Strullendorf - an die Regierungsbehörde weitergeleitet werden.
In den Rathäusern sind die Unterlagen, rund zehn prall gefüllte Aktenordner - nun zwar nicht mehr einsehbar, jedoch besteht weiterhin die Möglichkeit, diese auf den Internetseiten der Regierung (www.regierung-oberfranken.de) aufzurufen und auch herunterzuladen. Dort sind die Unterlagen allerdings recht gut versteckt. Unter dem Menüpunkt "Straßen und Verkehr" muss man auf den Unterpunkt "Verkehr" klicken. Auf dieser Seite findet sich dann in der Auswahl ein Link unter dem unscheinbaren Begriff "Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG)", wo sich dann unter der Rubrik "Aktuelle Verfahren" unter anderem die "Ausbaustrecke Nürnberg - Ebensfeld; Planfeststellung Abschnitt 21 Altendorf - Hirschaid - Strullendorf" auftaucht.


Verfahren seit 1996

Einfacher führt die verkürzte Internetadresse "www.reg-ofr.de/abspfa-21" zu der entsprechenden Seite. Und von dort ist es dann nur noch ein Schritt zu den Dokumenten. Hinter dem Link "1. Planänderungsverfahren (2017)" sind die aktuellen Dokumente und die des Planfeststellungsverfahrens aus dem Jahr 1996 zusammengefasst. Alle Planunterlagen sind auf rund 200 PDF-Dokumente verteilt. Teils handelt es sich um Übersichtskarten, auf denen nur bei starker Vergrößerung Details zu erkennen sind, zum Teil sind es mehrere hundert Seiten starke Berichte und Zusammenfassungen.
Wer schließlich die nötigen Informationen gefunden hat und mit der Planung der Bahn nicht einverstanden ist, muss als nächstes seine Einwände und Widersprüche formulieren. Dazu geben auch die Gemeindeverwaltungen Hinweise und Tipps. Sie verweisen zudem auf den "Einspruchshelfer", den der Verein "Das bessere Bahnkonzept" auf der Internetseite www.bahn-einwand.de bereitstellt.


Persönliche Betroffenheit

Die Gemeinde Strullendorf weist darauf hin, dass mit diesem Einspruchshelfer generierte Einwandschreiben unbedingt "inhaltlich überprüft und somit auf die persönlichen Betroffenheiten angepasst werden" sollten. Strullendorf bietet zudem vor Ende der Einspruchsfrist zwei Veranstaltungen an, die weitere Informationen zum Bahnausbau geben sollen. Zum einen befasst sich am kommenden Donnerstag um 18.30 Uhr eine Sondersitzung des Gemeinderats erneut mit dem Thema, zum anderen findet am Mittwoch, 25. Oktober, in der Schulaula eine weitere Bürgerversammlung statt.
Entscheidend für Einsprüche ist nicht in erster Linie der Wohnort, sondern vor allem die persönliche Betroffenheit. Wer direkt an der Bahn oder einer der künftigen Baustraßen wohnt, bei dem ist die Betroffenheit ersichtlich. Dabei kann es etwa um Lärmimmissionen, Gebäudeschäden durch Erschütterungen oder drohenden Wertverlust gehen. Auf der Einspruchshelferseite findet sich auch ein ganz anderes Beispiel, für Auswirkungen, die einen Einspruch rechtfertigen können: "Stellen Sie sich nur mal vor, Sie wollen zu Besuch kommen und stehen am Bahnsteig ohne Aufzug und Rampe - und das mit Rollstuhl, Rollator, schwerem Gepäck oder sind einfach nur schwach auf den Beinen", heißt es dort. Das könnte aktuell für jeden gelten, der nach Strullendorf reisen will. Denn dort ist aus Sicht der Gemeinde die Barrierefreiheit am westlichen Zugang zum Nahverkehrsbahnsteig noch nicht geklärt.
Entsprechende Einwände könnten also noch dazu führen, dass sie bereits im Planfeststellungsbeschluss berücksichtigt werden. Denn immerhin wurde im ICE-Ausbauabschnitt Hallstadt-Zapfendorf sogar erreicht, dass der Einbau von Fahrstühlen noch nachträglich aufgenommen wurde. Diese gingen in Zapfendorf, Ebing und Breitengüßbach allerdings erst ein dreiviertel Jahr, nachdem der Bahnverkehr wieder rollte, in Betrieb.
Wie lange sich das Planfeststellungsverfahren im südlichen Landkreis noch hinziehen wird, lässt sich kaum sagen. Im Norden endete die Einspruchsfrist am 30. Oktober 2013. Im Juni 2014 gab es dann einen sogenannten Erörterungstermin. Es dauerte dann noch mehr als ein Jahr, bis das Eisenbahnbundesamt den Planfeststellungsbeschluss traf. Bei einem ähnlichen Zeitablauf bekäme die Bahn erst im Herbst 2019 Baurecht von Altendorf bis Strullendorf. Gebaut würde dann wohl ab 2020 fünf Jahre lang.