Klimaschutz ist dem Coburger Stadtrat wichtig. Das betonten alle Redner in der Sitzung am Donnerstag, als es um das Elektromobilitätskonzept ging. Aber mehr als ein Kenntnisnahmebeschluss war nicht drin. Die weiteren Beschlusspunkte, nämlich, dass man das, was in dem Konzept steht, auch umsetzt, wenn es finanziell möglich ist, kamen nicht mehr zur Abstimmung. Und schon zuvor war bekannt gegeben worden, dass der einzig konkrete Beschlussteil, nämlich, dass jedes neue städtische Auto ein Elektroauto sein muss, gar nicht behandelt wird.

Die Diskussion begann mit dem Vorschlag der SPD-Fraktion, den Punkt abzusetzen und das Elektromobilitätskonzept im Bau- und Umweltsenat vorzuberaten. Der wurde mit 18 zu 16 Stimmen abgelehnt. Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) hatte geltend gemacht, dass der Kreistag das Konzept bereits abgesegnet habe und die darin genannten Projekte parallel umgesetzt werden müssten. Oder auch nicht, denn woran die Stadt sich vielleicht hätte beteiligen sollen, blieb unklar.

Das Elektromobilitätskonzept war vom Landkreis im Januar 2017 in Auftrag gegeben worden. Es hatte sich aber schnell gezeigt, dass die Stadt in die Untersuchungen einbezogen werden sollte. Deshalb wurde der Bau- und Umweltsenat im September 2018 über das Arbeitsprogramm informiert. Am Ende standen 283 Seiten Konzeptpapier, und zwei davon listen 23 Projekte auf, die nun umgesetzt werden sollen. Zwei dieser Projektvorschläge genießen "höchste Priorität": Die Einrichtung einer Beratungsstelle zum Thema Elektromobilität und die Erstellung eines "Mobilitätsleitbilds". Ob die Stadt sich an der Beratungsstelle Elektromobilität hätte beteiligen müssen, wurde gar nicht hinterfragt. Es wurde grundsätzlich diskutiert und unzureichende Information im Vorfeld bemängelt. "Ich weiß gar nicht, wofür ich mein Händchen hebe", kritisierte Bettina Lesch-Lasaridis (SPD). Birgit Weber wusste nicht mehr zu sagen als: "Wir beschließen nur, dass wir das Konzept jetzt haben und uns daran entlang hangeln."

Der Kenntnisnahme-Beschluss am Ende sollte das Signal geben, dass man das Thema immerhin wahrgenommen habe. So hofft es zumindest Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), der den entsprechenden Vorschlag machte. Der Kritik von Klaus Klumpers (ÖDP), "Kenntnisnahme ist mir zu lapidar", erwiderte der OB: "Ich sehe hier die Mehrheitsverhältnisse." Die lauteten: 29:5 für Kenntnisnahme.