von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Gremsdorf — Ist Angeln eine Männerdomäne? Beim Schnupperfischen, das seit über 20 Jahren zum gemeindlichen Ferienprogramm gehört, wirkt das jedenfalls so. Erst gegen Ende greift auch eines der Mädchen, die zehnjährige Franziska, zu und wirft eine Angel aus.
"Wir sind nur drei aktive Anglerinnen", sagt auch Claudia Wurm, die zudem die Schriftführerin des Vereins ist. "Wahrscheinlich haben durchschnittliche Frauen nur einen Bezug zum Fischgericht", meint sie. Bei ihr sei das anders. Sie stammt aus einer Teichwirtsfamilie und ist mit Fischen aufgewachsen.
Zwischendurch haben sie auch Berufskollegen mit skeptischer Miene gefragt: "Was, du angelst auch?" Wurm lässt ihr Hobby auch im Urlaub nicht. Sie war schon in Irland und an der Müritz; heuer geht es an den Gardasee. "Es ist auch interessant, andere Gewässer kennenzulernen", sagt sie.
Und manchmal ist es auch amüsant, fährt sie fort. Mit den Jungfischern war sie einmal am Igelsee. Dort stand ein Angler in einem Boot und holte alle paar Sekunden einen Fisch heraus. Dann plötzlich nicht mehr.


"Hat Dein Taucher Mittagspause"

Einer der Angelkinder rief dann frech hinüber: "Hat dein Taucher gerade Mittagspause?" Er soll nicht begeistert geguckt haben, war er doch ein Testangler eines bekannten Zubehörher stellers. "Angeln ist der kleine Urlaub zwischendurch", lenkt Vorsitzender Edmund Scheidel das Gespräch wieder auf einheimische Gefilde. Ans Wasser gehen und abschalten, das wollen die Fischer. "Manche tun nicht einmal die Angel rein."
Peter Lorz ist da auch vorsichtig. Vor einiger Zeit saß er am Fluss und hatte die Angel ausgeworfen. Eine gute Gelegenheit, über einen Text nachzudenken, dachte er sich. Das Schreiben ging ihm flott von der Hand, an die Angel dachte er gar nicht mehr. Bis es einen Ruck gab und beinahe sein Manuskript ins Wasser gefallen wäre. Ein Karpfen hatte angebissen.
Manchmal ging es schon wie verhext zu, weiß auch Scheidel. Er war am Zusammenpacken und wollte die Schnur einziehen. Ging nicht, ein Fisch hatte angebissen, der zog und zog.


Von wegen 20 Kilo

"Der muss 20 Kilo haben", dachte sich Scheidel und zog weiter. Kommt jetzt ein Stück Anglerlatein? Nein, die Sache war ganz anders. Der Haken hatte sich beim schnellen Herausholen am Bauch eines Karpfens verhakt. Scheidel holte ihn raus, befreite ihn und ließ ihn in die Aisch zurückgleiten. "Angeldoch is jeden Dooch, aber Fangdooch net", beendet er seine Geschichte mit einer Gremsdorfer Anglerweisheit.