Christine Fischer Die meisten Menschen verbinden Friedhöfe mit Abschiednehmen, Erinnerung und Stille. Dabei sind sie aber auch und gerade ein Ort voller Leben, ein wahres Paradies für Pflanzen und Tiere. Denn Friedhöfe erfüllen häufig diese für Flora und Fauna bedeutsamen Faktoren: Sie sind strukturreich mit Bäumen, Hecken und Wiesen; normalerweise wird dort nicht gespritzt und gedüngt; und sie bestehen über einen langen Zeitraum hinweg.

Der evangelische Verein "Schöpfung bewahren konkret" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Biodiversität auf Friedhöfen zu fördern, und dafür 2017 das Projekt "Oasen für Pflanzen und Tiere" ins Leben gerufen. Die Biologin Barbara Füchtbauer berät Kirchengemeinden, wie sie auf ihrem Gottesacker Lebensraum schaffen können für Pflanzen, Insekten, Vögel und Kleinsäuger, welche Maßnahmen zugunsten der Artenvielfalt ergriffen werden können.

Auch in der Region Kulmbach hatten zahlreiche evangelische Kirchengemeinden Interesse an dem Projekt angemeldet. Aufgrund der Interessenten-Vielzahl und der Corona-Pandemie mit den damit verbundenden Einschränkungen wären die zahlreichen Termine, Begehungen und Einzelberatungen nicht möglich gewesen. So wurde die Idee geboren, einen Lehrfriedhof zu gestalten, der anderen Gemeinden als Vorbild für das "Oasen"-Projekt dienen kann.

Die Wahl für den ersten bayernweiten Lehrfriedhof dieser Art fiel auf Rugendorf. Dort boten sich ideale Voraussetzungen, so Barbara Füchtbauer, weil alle für die Artenvielfalt wichtigen Schwerpunkte schon vorhanden waren: alte Bäume, Wiesen und Hecken. Der Umweltbeauftragte im Kirchenkreis Bayreuth, Pfarrer i.R. Albrecht Bischoff, ergänzt: "Der Friedhof in Rugendorf ist klein und überschaubar, die Informationen können auf kompaktem Raum vermittelt werden. Außerdem gibt es hier sehr engagierte Leute, die Pfarrerin und der Kirchenvorstand stehen voll hinter dem Projekt."

Unterstützung vom Landkreis

Auf zehn wetterfesten Tafeln, die die Rugendorfer Werbefirma Klara angefertigt und auf den ganzen Friedhof verteilt aufgestellt hat, erfahren die Besucher, mit welchen oft ganz einfachen und kostengünstigen Maßnahmen ein Friedhof zu einem besonders wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere werden kann. Bezahlt hat die Tafeln der Landkreis Kulmbach, der das Projekt über sein Klimaschutzmanagement unterstützt.

Patin des Lehrfriedhofs ist übrigens Regionalbischöfin Dorothea Greiner, die dieses besondere Umweltprojekt am Freitag höchstpersönlich eingeweiht hat (siehe auch Bericht unten).

Und so kann jeder Friedhof (oder Garten) zu einem Paradies für Pflanzen und Tiere werden: 1. Flächen mit Wildwuchs und Wiese statt Rasen: Auf aufgelassenen Gräbern oder nicht genutzten Bereichen darf sich Wildwuchs bilden, denn dieser ist für Insekten besonders wertvoll. Solche sogenannten Ruderalflächen sind Lebensgrundlage für Bienen, Schmetterlinge, Heuschrecken und Käfer. Wiesen sind artenreich und einem häufig gemähten Rasen vorzuziehen. Empfehlung: Maximal ein- bis zweimal im Jahr mähen und nicht vor Juli. Wildwuchs-Flächen über den Winter stehen lassen.

2. Alte Bäume: Bäume sind kostbar für die Artenvielfalt, vor allem wenn sie alt und einheimisch sind. Sie bieten Brutplatz, Unterschlupf und Nahrung für Vögel, Kleinsäuger, Fledermäuse und Insekten. Empfehlung: Alten Baumbestand erhalten; nur schonende Pflegeschnitte; bei Neupflanzungen einheimische Gehölze bevorzugen. 3. Gießbecken: Brunnen, vorzugsweise aus griffigen Mauer- oder Sandsteinen, sind wertvolle Tränken für Vögel und Insekten. Empfehlung: Damit sie nicht zur Falle werden sollte eine Ausstiegshilfe (Holzbrett) angebracht werden. 4. Wege im Friedhof: Geringe Wegbreiten und durchlässige Beläge sind Möglichkeiten, sparsam mit Grund und Boden umzugehen. Empfehlung: Schotterrasen, breitfugiges Pflaster oder Rasenwege anlegen; für den Winterdienst nicht mit Salz sondern Sand oder Split streuen. 5. Hecken: Alte und dichte Hecken aus einheimischen Gehölzen sind besonders wertvoll für Tiere. Vögel, Igel, Mäuse, Amphibien, Käfer, Spinnen und viele andere Tiere nutzen den Schutz der Hecken. Empfehlung: Hecken viel Platz geben und alt werden lassen; leichter Rückschnitt nur von Oktober bis März. 6. Alte Mauern: Alte, unverputzte Mauern mit Fugen sind als Lebensräume essenziell für etliche Pflanzen und Tiere, die dort eine Nische finden. Empfehlung: Fugen nicht verschließen, Mauern nicht putzen, kahle Mauern begrünen. 7. Gebäude: Gebäude sind Ersatzbiotope für Felslandschaften sofern sie Öffnungen, Simse, Nischen und Spalten besitzen. Hier nisten zahlreiche Vögel wie Hausrotschwanz, Mauersegler und Turmfalken. Empfehlung: Keine Baumaßnahme während der Brutzeit; bei Sanierungen nach Möglichkeit einige Fugen im Gemäuer und im Dach offen lassen.