Der starke Anstieg der Rauschgiftdelikte gibt Anlass zur Sorge. Dabei wird auch eine deutliche Zunahme des Drogenkonsums bei Heranwachsenden sichtbar. Die Anzahl der Delikte der 14- bis 17-Jährigen hat sich innerhalb von zehn Jahren in Unterfranken mehr als verdreifacht. Diesen ansteigenden Trend stellt auch die Jugendgerichtshilfe des Kreisjugendamtes Haßberge für den Landkreis fest. Der Jugendhilfeausschuss des Kreistages wurde deswegen über "Flashback" informiert, eine Drogenpräventionsmaßnahme, die nun an den Mittelschulen Zeil, Haßfurt und Ebern stattfinden soll.

Alarmierende Zahlen

Kreisjugendpflegerin Theresa Fleischmann führte vor den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses, der in Haßfurt im Landratsamt tagte, aus, warum dieses Projekt so wichtig ist. Die Gesamtzahl der tatverdächtigen Drogensünder habe im Zeitraum von 2013 bis 2018 um 44 Prozent zugenommen, während die Anzahl der minderjährigen und heranwachsenden Tatverdächtigen im gleichen Zeitraum um 51,8 Prozent gestiegen sei.

Noch eklatant höher sei der Mehrjahresvergleich der Verstöße mit dem Tatort Schule. Im Zeitraum zwischen 2011 und 2018 nahm die Zahl der Straftaten nach den Angaben der Kreisjugendpflegerin um 77,5 Prozent zu, am Tatort Schule gar um 174,7 Prozent. Mit einer Steigerung von 20,3 Prozent habe der Zuwachs allein im Jahr 2018 einen bis dahin unerreichten Höchststand erzielt.

Die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz seien um 110 Fälle von 551 (2017) auf 651 Fälle (2018) gestiegen. Aufgeschlüsselt nach Rauschgiftarten liege Cannabis mit 557 Fällen ganz vorne, gefolgt von Amphetaminen und LSD.

Gründe für das Präventionsprojekt, so Fleischmann, seien neben diesen steigenden Fallzahlen auch die Legalisierungsdiskussion und die Ergebnisse neuester Forschungen zur Gehirnentwicklung von Jugendlichen. Aufgrund der Legalisierungsdebatte hätten die Jugendlichen teilweise den Eindruck, dass der Konsum von Cannabis für sie harmlos sei. Cannabis sei aber keine harmlose Droge, sondern habe viele Risikofaktoren. Denk- und Erinnerungsvermögen werden beeinflusst und bei längerer Einnahme sogar ganze Funktionsabläufe im Gehirn, erfuhren die Ausschussmitglieder.

Die Zielgruppe

Das Drogenpräventionsprojekt "Flashback" sei vom Polizeipräsidium Unterfranken an Schulen initiiert und inzwischen von verschiedenen Landkreisen eingesetzt worden. "Auch der Landkreis Haßberge hat großes Interesse. Zielgruppe sind die 13- bis 16-Jährigen der siebten bis neunten Klassen. Das Projekt kann an einem Schulvormittag an vier Stationen verwirklicht werden", sagte die Rednerin

Wie Theresa Fleischmann ausführte, war das Projekt schon im Frühjahr 2020 geplant. Die Durchführung fiel aber der Corona-Pandemie zum Opfer. Unter Einhaltung der entsprechenden Hygienebestimmungen ist die Umsetzung in den kommenden Monaten voraussichtlich wieder möglich.

So sieht das Konzept aus: In der Station eins klärt die Polizei auf. In der zweiten Station geht es um die Phasen der Suchtentwicklung (Jugendsuchtberatungsstelle der Caritas). Die dritte Station umfasst das Konsummuster (Theresa Fleischmann vom erzieherischen Kinder- und Jugendschutz im Jugendamt). Und die vierte Station sind die psychosozialen Risiko- und Schutzfaktoren (Jugendsozialarbeit an Schulen des Roten Kreuzes).

Das Projekt findet zunächst an den drei Mittelschulen in Zeil, Haßfurt und Ebern statt. Danach wird ausgelotet, wie es weitergehen soll.

Das Drogenproblem

Die Kreisrätin Monika Schraut (ÖDP) wies darauf hin, dass sie im Gefängnis als Seelsorgerin tätig sei. "Das größte Problem sind dabei Drogen, Drogen, Drogen. Dass Drogen in sind, wissen wir schon immer, aber haben nicht die Anker."

Schulamtsdirektorin Claudia Schmidt wies darauf hin, dass Cannabis heute etwas anderes sei als vor 30 Jahren. Die Droge habe inzwischen die zehnfache Wirkung, sagte die Schulrätin.