Berthold Köhler Eigentlich sind sie sich in der Landkreispolitik ja einig: Die Corona-Krise wird auch den Vereinen im Coburger Land erhebliche Probleme bereiten. Da braucht es Ideen und Strategien, wie die fast ausschließlich ehrenamtlich betriebenen Strukturen erhalten werden können. Stellt sich nur die Frage: wie? Da ist man sich dann auf kommunalpolitischer Ebene dann schon nicht mehr so einig.

Los ging die Diskussion bereits bei der konstituierenden Sitzung des Kreistag Anfang Mai. Frank Rebhans (SPD) Vorstoß, aus dem Ein-Mann-Posten des Sportbeauftragten wieder einen Sportbeirat zu machen, wurde dort wohlwollend entgegengenommen. Eine Entscheidung fiel nicht, man müsse über die Fraktionen hinweg noch einmal über Zuschnitt und Personal eines solchen Beirates reden, hieß es damals. Als sich jüngst der Kreis- und Strategieausschuss traf, wurden allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Fraktionen deutlich.

CSU/Landvolk wollten gleich zum großen Wurf ausholen. Die Einführung eines Vereinsbeirates samt einem Budget von 100 000 Euro stand im Antrag, den Rainer Mattern und Kollegen eine gute Woche vor der Ausschusssitzung einreichten. Da ging der Ärger schon los. Markus Mönch (ULB): "Diese Vorgehensweise ist nicht in Ordnung." Es sei das klare Signal gewesen, nach der Kreistagssitzung "zusammen eine Lösung zu finden, die wir vorlegen können". Dass jetzt CSU/Landvolk mit einem kurzfristigen Alleingang und einer sechsstelligen Ausgabe ohne jeden Deckungsvorschlag daherkomme, war für den Weidhäuser Bürgermeister der Sache nicht dienlich. Und sowieso: Vereinsförderung, meinte Mönch, die sei seit jeher Sache der Gemeinden. Da habe man Erfahrung und die nötigen Kontakte, da bringe ein recht pauschal angesetzter Fördertopf mit Landkreismitteln wenig.

Escher wurde es schwindelig

Nicht viel anders sah dies Frank Rebhan (SPD), dem es "zu viele unterschiedliche Aspekte" waren, die in einem Vereinsbeirat zur Sprache kommen würden. Das würde die Situation verwässern. Mit den aufgerufenen 100 000 Euro zeigte sich zudem Dagmar Escher (Bündnis 90/Die Grünen) nicht glücklich, seien diese doch eine klare freiwillige Leistung, die sich der Landkreis in Corona-Zeiten knapper Kassen, wohl sicher nicht leisten könne. "Da bewegen wir uns in finanziellen Bereichen, in denen es mir schwindelig wird", sprach sich Escher gegen ein Pauschal-Budget aus.

Aber auch in der SPD hatte man sich Gedanken gemacht. Alexandra Kemnitzers Liste, wie und wo sich ein Sportbeirat engagieren könne, war ganz schön lang. Sogar die Organisation eigener Sportveranstaltungen und die Verbesserung des Breitensportangebotes waren Teil der Aufzählung. Das wiederum verwunderte nun Rainer Mattern sichtlich: "Ich denke, die Organisation von Veranstaltungen ist jetzt nicht der vorrangige Bereich, um den wir uns kümmern müssen." Es gehe um die gesamte Vereinswelt im Coburger Land. Die stehe "mit dem Rücken zur Wand, was ihre Existenz angeht", betonte der Vorsitzende der CSU/Landvolk-Fraktion.

Deshalb müsse man "breiter hinschauen", ergänzte Landvolk-Sprecherin Christine Heider und forderte, sich im künftigen Gremium nicht nur mit den Sportvereinen zu befassen. Es müsse allen Vereinen geholfen werden. Als Rainer Marr (CSU/Landvolk) dann nochmals draufpackte und der SPD sowie Markus Mönch den Eindruck nachsagte, sie würden ehrenamtliches Engagement anderer Bereiche durch einen Sportbeirat "diskriminieren", wurde die Stimmung im Ausschuss dann richtig frostig - und der Antrag für einen Vereinsbeirat fiel mit acht zu vier Stimmen durch.

Mit Politikern und Funktionären

Also wird es nun bald einen Sportbeirat geben. Denn der Verwaltungsvorschlag zur Gründung eines solchen Gremiums wurde ohne Gegenstimme gutgeheißen. Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk), der sich in der zuvor recht hitzigen Diskussion zurückgehalten hatte, formulierte dazu noch einen Ergänzungsvorschlag: Neben den laut Beschluss fünf Mitgliedern des Kreistages (eines aus jeder Fraktion) möge der Beirat doch auch noch gleich den Bayerischen Landessportverband und den Sportschützenbund mit Vertretern ins Gremium holen. Dies sei einerseits sinnvoll, andererseits habe sich - was Straubel sichtlich missfiel - der eine oder andere Kreisrat offensichtlich eh schon ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt und Gespräche mit den Spitzenfunktionären über einen Sportbeirat geführt.

Dessen Aufgabe ist laut Beschluss immerhin schon klar abgegrenzt: "Der Sportbeirat soll ein Bindeglied zwischen aktiven Sportvereinen und Verbänden im Landkreis und Kreispolitik darstellen und die Belange des Vereinssports stärken."