Der Protest gegen das Ausmaß der geplanten Bebauung am Metzdorfer Hang formiert sich. Moritz Dippel und Markus Taschner hatten am Donnerstagabend zu einer Infoveranstaltung auf das Sportgelände des VfB Kulmbach eingeladen - und nahezu 100 Anwohner aus Ziegelhütten und Metzdorf kamen. Zu den Zuhörern gehörten auch Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) und mehrere Stadträte von SPD, WGK und Grünen.

Der Sprecher der Bürgerinitiative, Moritz Dippel, brachte den Grund der Zusammenkunft sehr schnell auf den Punkt: "Wir wollen gemeinsam eine Lösung für das geplante Neubaugebiet am Metzdorfer Hang erarbeiten und dabei auch die bereits bekannten Probleme und unsere Forderungen herausstellen, die sich an die Problemstellungen anknüpfen."

Die Art und Weise stört

Sehr frühzeitig wurden nach den Worten von Moritz Dippel die Bedenken der Anlieger an die Vertreter der Stadt herangetragen: "Wir sind mit dieser Planung nicht einverstanden, aber nicht, weil wir ein Baugebiet verhindern möchten, darum geht es uns ausdrücklich nicht, sondern uns geht es um die Art und Weise der Bebauung." Dippel zeigte anschließend die Problemstellungen auf, die den Anwohnern wichtig sind.

1. Sicherheit für Fußgänger

"Der Stadtteil rund um den Metzdorfer Hang ist besonders schutzbedürftig, hier hat eine ganze Reihe sozialer Einrichtungen ihren Sitz", sagte Dippel. Er verwies hier auf den Kindergarten der Friedenskirche, die Grundschule Ziegelhütten, die Hans-Edelmann-Mittelschule, den Schülertreff "Altes Forsthaus", die Friedenskirche selbst, das "Brückenwerk" und das Sportgelände des VfB Kulmbach. "Aufgrund dieser Einrichtungen sind in diesem Bereich vermehrt Fußgänger in allen Altersgruppen unterwegs, der Verkehr staut sich insbesondere zu Stoßzeiten jetzt schon massiv." Allein für das aktuelle Verkehrsaufkommen seien keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, dem vorliegenden Bebauungsplan seien ebenfalls keine zu entnehmen.

2. Verkehrsführung

Die Bürgerinitiative macht sich dafür stark, für die umliegenden Straßen ein entsprechendes Verkehrskonzept zu entwickeln, das Gehsteige, Zebrastreifen, Fußwege und gegebenenfalls auch Lichtzeichenanlagen, eine geänderte Verkehrsführung, verkehrsberuhigte Bereiche mit Spielstraßen oder auch Fahrbahnschwellen beinhaltet. Moritz Dippel: "Wir fordern zudem ein Verkehrsgutachten, das berücksichtigt, dass der Schulweg für viele Grundschulkinder tatsächlich entlang der angrenzenden Straßen und auch des Kirchenwegs verläuft." Die Kosten sollten durch die Investoren getragen werden. Durch die geplante Bebauung werde sich zudem die Zahl der Schulkinder weiter erhöhen.

3. Parken

Ein Problem sah der Sprecher der Bürgerinitiative auch in den nicht vorhandenen Parkplätzen, denn bereits jetzt würden Besucher und Anwohner ihre Autos auf den Straßen abstellen, da keine Parkplätze vorhanden seien. Laut Moritz Dippel haben die verantwortlichen Planer und Investoren betont, sich an der Bayerischen Stellplatzverordnung zu orientieren. Anhand dieser Aussage sei davon auszugehen, dass für die Mehrfamilienhäuser im oberen Bereich bei 65 Wohneinheiten lediglich 97 Stellplätze einschließlich der Besucherparkplätze vorgesehen sind. Dazu Moritz Dippel: "Wir fordern, dass für das Gebiet mindestens zwei Parkplätze pro Wohneinheit sowie weitere Parkplätze für die Allgemeinheit eingeplant werden, damit sich die Verkehrssituation nicht noch weiter verschärft."

4. Zufahrten

Die Straße Am Metzdorfer Hang soll als dritte Erschließungsstraße in die Planung einbezogen werden.

5. Bauweise

Moritz Dippel sprach noch die Intensität der Bebauung und die eigentliche Bauweise an. Auch dazu haben die Anlieger eine klare Vorstellung: "Wir fordern, dass die Gesamtzahl der Wohneinheiten wesentlich reduziert wird. Eine Bebauung mit insgesamt 20 Wohneinheiten wäre angemessen."

6. Abwasserentsorgung

Auch die Bodenversiegelung und die Abwasserbeseitigung beschäftig die Bürger. Bereits jetzt gebe es bei einem normalen Starkregenereignis Problem im Abwassersystem von Ziegelhütten. "Die Kanalkapazitäten der Stadt Kulmbach müssen dem Wohnraumzuwachs entsprechend angepasst werden, so dass sich die Situation für die Anwohner nicht verschlechtert", verdeutlichte Dippel.

Vor allem dürften den angrenzenden Anliegern durch bauliche Maßnahmen im Untergrund keine Kosten entstehen. Moritz Dippold abschließend: "Wir fordern von unserer Stadtverwaltung ein stadtplanerisches Konzept, bei dem die Reaktivierung und Verdichtung der bereits bebauten Gebiete Vorrang hat vor der Versiegelung biotopähnlicher Flächen wie zum Beispiel am Metzdorfer Hang."

OB Ingo Lehmann freute sich, dass die Bürger die Initiative für diese Veranstaltung zu einem umstrittenen Wohnbauprojekt ergriffen hätten. "Wir haben erst einen Auslegungsbeschluss im Stadtrat gefasst. Danach besteht die Möglichkeit, vom 24. Juli bis zum 6. September all die Forderungen an uns heranzutragen. Das ist vom Gesetz her der formal richtige und korrekte Weg."

Die Einwendungen würden vom Stadtrat gewürdigt, so der Bürgermeister. Fakt sei aber auch, dass für dieses Gebiet ein Bebauungsplan existiert. Das sei der Haken an der Sache, der Investor habe ein Baurecht - "die Frage ist nur: wie?"

Nach einem Gespräch mit dem Architekt Tino Heß konnte Lehmann noch mitteilen, dass sowohl eine dritte Ausfahrt als auch ein Gehweg im Wohngebiet geplant sind.

Im Anschluss nutzten mehrere Bürger die Möglichkeit, die Ausführungen Dippels mit eigenen Aussagen zu untermauern.