Marion Krüger-Hundrup

Das unsoziale Verhalten vieler Zeitgenossen bringt die alleinerziehende Mutter von fünf Kindern in Not: Die Hamsterkäufe von niedrigpreisigen Lebensmitteln wie Nudeln, Reis oder Mehl fegen die Supermarktregale leer und hinterlassen nur die hochpreisigen Waren. Diese kann sich die Frau nicht leisten, ihre finanzielle Lage wird immer prekärer. Sie sucht die "Allgemeine Soziale Beratung" der Caritas auf. Und innerhalb weniger Stunden bekommt sie Hilfe: dank der "Familienstiftung Kinderreich" von Erzbischof Ludwig Schick, die schnell und unbürokratisch dort einspringt, wo es keine staatliche Unterstützung gibt.

"Damit hat die Stiftung ein Alleinstellungsmerkmal", sagte der Erzbischof selbst, als er am Dienstag im kleinsten Kreis die diesjährige Adventsaktion seiner Initiative abschloss. Und zwar mit einer symbolischen Scheckübergabe an Vertreterinnen der Caritas im Erzbistum Bamberg: 27 500 Euro schüttet die Familienstiftung im Jahr 2020 aus. Darüber hinaus ist sich Schick sicher, dass dieser Betrag dank weiterer Spenden bis Ende des Jahres noch aufgestockt werden kann.

Existenzielle Nöte

"Corona verstärkt die Krise in kinderreichen Familien, Corona wirkt wie ein Brennglas auf Probleme, die schon vorher da waren", fasste Verena Zepter (Caritasverband für die Stadt Erlangen und den Landkreis Erlangen-Höchstadt/Aisch) ihre Erfahrungen aus der Sozialberatung zusammen. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, langsame Bürokratie der Job-Center würden Familien in "existentielle Nöte" bringen. Dazu kämen die psychischen Belastungen durch die Lockdowns, die große Familien in den zumeist kleinen Wohnungen gefährden: "Explosionen von Gefühlen führen zur Zunahme von häuslicher Gewalt", ergänzte Erzbischof Schick.

"Einkommensschwache Familien merken vom staatlichen Schutzschirm nichts!", beklagte Barbara Borschert, Abteilungsleiterin Kinder-, Jugend- und Familienhilfe im Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e. V. Es werde vor allem deutlich, dass "die Teilhabe an Bildung nicht für alle Kinder gegeben ist". Denn die Digitalisierung, die für das Homeschooling notwendig sei, "bringe vom regulären Weg ab", so Borschert: "Den Familien fehlen Laptops!" und obendrein "ein ruhiger Platz in der Wohnung, um Hausaufgaben zu erledigen".

Von Notebook bis Matratze

Im Rechenschaftsbericht der "Familienstiftung Kinderreich" ist aufgelistet, welche Hilfe Betroffenen zugute kommt: Mal sind es Notebooks und Schreibtische samt Stühle, mal Winterbekleidung und Schuhe für vier kleine Kinder, mal Fahrräder zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, weil die neue Wohnung entfernt von Einkaufsmöglichkeiten und Schule liegt. Matratzen und Wäschetrockner, Kühlschränke und Stockbetten stehen als Hilfsmaßnahmen auf der Liste. Aber auch die Übernahme von Mittagsbetreuung inklusive Mittagessen, Zuschüsse zu Mietrückständen oder zu pädagogisch begleiteten Ferienaufenthalten für Kinder aus sozial benachteiligten Familien.

"Not setzt Kreativität frei", würdigte Ursula Kundmüller (Stellvertretende Caritasdirektorin für die Erzdiözese Bamberg) die Selbsthilfekräfte kinderreicher Familien. "Improvisationstalent" nannte Wolfgang Eichler, Ehe- und Familienreferent des Erzbistums, diese Kräfte. Bei ihm laufen die Fäden der "Familienstiftung Kinderreich" zusammen - in enger Abstimmung mit Erzbischof Schick. "Ich schaue mir alle Anträge an", erklärte er bestimmt und bezeichnete seine Stiftung als "Lobby-Stiftung, die Freuden und Nöte von kinderreichen Familien in die Gesellschaft bringen soll". Zudem wolle die Stiftung "Wertschätzung ausdrücken, denn kinderreiche Familien sind wertvoll und wichtig für uns alle". Es dürfe nicht sein, dass "Kinderreichtum arm macht", so Schick.