Eigentlich steht Nürnberg im Mittelpunkt. Angesichts der Tatsache, dass der Kartograf Erhard Etzlaub dort lebte (und wohl auch seine Auftraggeber hatte), ist das nicht weiter verwunderlich. Aber entscheidend ist aus Coburger Sicht, dass auch die Vestestadt einigermaßen prominent auf dieser Karte verzeichnet ist. Denn Coburg (oder "Koburg", wie auf der Karte zu lesen ist) lag an der Handelsstraße zwischen Nürnberg und Erfurt, die in Richtung Norden weiterführte bis nach Dänemark.
1501, als die Karte gedruckt wurde, markierte die Pflege Coburg den südlichsten Zipfel von Kursachsen und damit die Grenze zu den Territorien der Fürstbischöfe von Bamberg und Würzburg. Coburg war Schnittstelle und wichtiger Handelsplatz. Der sächsische Kurfürst Friedrich III. der Weise hielt sich wiederholt in Coburg auf und ließ die Räume der Veste nach einem Brand glanzvoll erneuern.
Die Gästezimmer dienten 1530 Martin Luther als Unterkunft, der in Coburg den Verlauf des Augsburger Reichstages verfolgte. Im Gebiet des sächsischen Kurfürsten (zu diesem Zeitpunkt dann schon Johann der Beständige, Bruder von Friedrich dem Weisen) war der Reformator sicher. Die Stadt Nürnberg hatte das Risiko nicht eingehen wollen, den unter Reichsacht stehenden Luther zu beherbergen.
Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha griff das Jahrhunderte später wieder auf: "Meine Familie war es, die den Reformator beschützt hat und der Reformation zum Durchbruch verholfen hat." Alberts Vater, Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, hatte damit begonnen, die Veste zur Luther-Gedenkstätte auszubauen.
Die Etzlaub-Karte ist laut Katalog der Landesausstellung die erste Straßen- und Reisekarte in deutscher Sprache. Gedruckt wurde der Holzschnitt in Nürnberg von Georg Glockendon. Nur noch zwei Exemplare davon sind nachweislich erhalten. Für die Landesausstellung konnte das in der Stadt Löbau (Sachsen) aufbewahrte Exemplar ausgeliehen werden. Das andere noch erhaltene Exemplar befindet sich in den USA. Wie damals üblich, ist Süden oben auf der Karte - unten, im Norden, ist die Ostsee zu erkennen. Die schwarz-weiß gedruckte Karte wurde nachträglich koloriert, dabei wurden Meere und Berge farblich hervorgehoben. 820 Orte sind auf dieser Karte mit ihren deutschen Namen verzeichnet. Am linken Rand der Karte sind Breitengrade von 58 bis 40 Grad und rechts die mathematischen Klimate, Tageslängen und Klimazonen vermerkt. Die Entfernung zwischen den einzelnen Punkten der Landstraßen entspricht einer deutschen Landmeile, also etwa 7,4 Kilometern. sb