Elisabeth Görner

Eine kleine, aber umso interessiertere Gruppe von Spezialisten war im Gewölbekeller der Forchheimer Kaiserpfalz zusammengekommen, um der Präsentation eines neuen Büchleins beizuwohnen, das der Heimatverein Forchheim als Sonderheft seiner heimatkundlichen Schriftenreihe für Stadt und Landkreis Forchheim herausgegeben hat.
Für die heutige Zeit erstaunlich sind sowohl der Haupttitel: "Latinitas Vorchheimensis" wie die Autoren. Die beiden deutschen Untertitel "Latein in Forchheim" und "Schüler entdecken die Spuren des lateinischen in Forchheims Geschichte und Gegenwart" machen dann für jeden klar, dass die "tote Sprache" Latein bis heute (nicht nur) in der fränkischen Kreisstadt eine Rolle spielt und dass auch junge, moderne Menschen des Computer- und WhatsApp-Zeitalters dafür zu begeistern sind.


Besondere Leistung

Letzteres ist - wie auch der Vorsitzende des Heimatvereins, Dieter George, in seiner Begrüßungsansprache betonte - der Verdienst von Studiendirektor Friedbert Stühler (Herder-Gymnasium), der drei Jahre lang zusammen mit seinen Lateinschülern so gute Vorarbeit geleistet hat, dass die "Entdeckungen" der Schüler dann in drei Monaten zu einem kleinen, aber äußerst inhaltsreichen und schon vom Einband her verlockenden Buch gestaltet werden konnten.
Bewundernswert ist vor allem, dass die Schüler auf freiwilliger Basis - noch nicht einmal in
einer Arbeitsgemeinschaft mit Blick auf eine gute Note - ihre Forschungen betrieben haben! Als Friedbert Stühler ihnen von seiner Idee erzählte, war die Resonanz zunächst gar nicht so besonders groß, aber nach der gemeinsamen Besichtigung des Konrad-Denkmals vor der Martinskirche meinte ein Mädchen: "Wir können daraus eine App machen!" und ab da "lief" es. Es wurden Such- und Schreibaufträge ausgegeben. Sie trafen sich im Durchschnitt alle zwei Monate nachmittags und es wurden Wanderungen zu den Stationen gemacht. Die Fotos für das Buch erstellten Julian Lüttich und Stühler selbst. Die anderen am Werk beteiligten Schüler sind: Ann-Kathrin Kühn, Katharina Schmid, Marie Mölkner, Elena Becher, Helena Dippold, Alina Nagengast, Samuel Holzmann, Dominic Kloos, Johannes Weidt und Jonathan Weidt.
Viele von ihnen waren anwesend; sie erhielten nicht nur jeweils ein Exemplar von "Latinitas Vorchheimensis", sondern auch Eintrittskarten für das Königsbad als Anerkennungspreis vom Heimatverein. Den übrigen - zum Beispiel denen, die inzwischen das Abitur gemacht haben und zur Zeit sogar im Ausland weilen - lässt man die "Belohnungen" noch zukommen.


Sponsoren für das Buch

Natürlich werden für so ein Unterfangen Sponsoren gebraucht; hauptsächlich sind dies der Freundeskreis des Herder-Gymnasiums und der Rotary Club Forchheim, für den der ehemalige Präsident Rudolf Schifferer erschienen war. Auch die Sparkasse Forchheim hat finanziell geholfen. Von der lateinischen Inschrift im Sockel des modernen Denkmals vor dem Hauptgebäude der Sparkasse in der Klosterstraße und der im Altartisch der Kirche Verklärung Christi zurück über die Widmungsworte im oberen Teil des Nürnberger Tores aus dem Ende des 17. Jahrhunderts bis zu den noch älteren lateinischen Inschriften, die sich in der Kaiserpfalz finden, wird neben noch vielen anderen Beispielen alles übersichtlich dargeboten, selbstverständlich übersetzt und vor allem auch für jeden Laien sehr gut erläutert.
Entscheidend beigetragen zum angenehmen Betrachten und Lesen des Buches hat der Künstler und Designer Axel Duckstein aus Bamberg, der schon früher für den Heimatverein Forchheim tätig war; den Druck hat die Buchdruckerei F.A. Streit übernommen.
Möge "Latinitas Vorchheimensis" viele Liebhaber finden, die damit Forchheim und seine Geschichte noch einmal mit einer speziellen, sehr interessanten "Brille" sehen können!