Rose Meerwein klebt einen schwarz-rot-goldenen Streifen in Deutschlandfarben auf ihre Collage. Jetzt ist ihr Lieblingswerk fertig. Deutlich zu erkennen: Kanzlerin Angela Merkel. "Deutschland ist ein Einhorn, Merkel die Einhornstreichlerin. Aber sie lebt nur in ihrer eigenen Welt, sieht nicht, dass hinter ihrem Rücken die Welt in Flammen steht", erklärt die Künstlerin.
Auch mit 85 Jahren ist Rose Meerwein kein bisschen brav. Politische Collagen sind ihr Thema. Aus Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitten kreiert sie ihre Werke: frech, pointiert, immer mit einem Augenzwinkern. "Ich hätte mich ja gefreut, wenn die SPD gewonnen hätte. Aber jetzt bin ich froh, dass wir eine funktionierende Opposition haben. Denn die ist in einer Demokratie wichtig", sagt Meerwein.


In Kulmbach gelernt

Die 85-Jährige lebt seit 1961 in Berlin. Doch sie kennt Kulmbach bestens. "Ich habe ja früher bei der Ireks Industriekauffrau gelernt. In London habe ich meinen späteren Mann kennengelernt, mit ihm bin ich dann nach Berlin. In einer Zeit, als alle aus Berlin raus sind", sagt Meerwein. Sie ist eine der schillerndsten Künstlerinnen, die derzeit in der Großen Hofstube der Plassenburg die Ausstellung des Bundes Fränkischer Künstler vorbereitet. Diese hat das Motto "Hora fugit, carpe diem" - zu deutsch: "Die Zeit eilt, nutze den Tag".


"Stimmung einfach großartig"

"Zu unserem Symposium sind in diesem Jahr 15 Künstler gekommen", freut sich die Ehrenpräsidentin des Bundes Fränkischer Künstler, Angelika Kandler Seegy. "Die Stimmung hier auf der Plassenburg ist einfach großartig. Man fühlt sich wie auf einen anderen Planeten. Wenn man hier oben Kunst schafft, muss man die Alltagssorgen nicht beachten", sagt Kandler Seegy und spricht damit all den anderen Künstlern aus der Seele.
Karin Dietel (55) aus Gefrees möchte bei der Ausstellung verschiedene Techniken präsentieren: Abstraktes, Gegenständliches und Bilder im Stil der chinesischen Malerei.


Wie ein Borkenkäfer

Eine ganz eigene Technik bringt Luitgard Wießner (63) nach Kulmbach: Die Nürnbergerin verwendet für ihre Werke Steinmehl und Marmormehl, Pigmente und Tusche. Sie entwickelt einzigartige Mehrschicht-Strukturbilder, die teilweise ein bisschen an Borkenkäfer-Strukturen erinnern. "Jeder ist vielschichtig, man erkennt nicht immer auf den ersten Blick, was hinter den Menschen steckt", erklärt Wießner ihre Werke.
Erst seit fünf Jahren ist sie hauptberuflich freie Künstlerin. Sie hat sich an der Akademie in Bad Reichenhall und in Augsburg weitergebildet. Eine echte Geschichte steckt auch hinter den Werken von Anneliese Raab. "Ich hatte Depressionen. Der Arzt hat gesagt, ich solle Unkraut jäten oder mich zu einem Kunstkurs als Therapie anmelden. Ich habe den Kunstkurs genommen", erzählt Anneliese Raab von sich und lacht. Sie hatte zunächst begonnen, anthroposophisch zu malen, hat sich an der Kunstakademie in Trier und an der Faber Castell Akademie in Stein weitergebildet.
Depressionen sind für sie kein Thema mehr. "Mein Thema ist Recycling-Kunst. Ich stelle Collagen aus alten Plakaten her, verwende auch andere Materialien", betont Raab. Auf der Plassenburg hat sie ausrangierte Kassenrollen in Kunstobjekte umfunktioniert. Sie hat Kassenstreifen mit Katzen bemalt.


Frauen in der Überzahl

Beim Symposium sind die Frauen auch in diesem Jahr wieder in der Überzahl. Doch mit Klaus Klein und Hans-Dieter Jandt sind zumindest zwei männliche Künstler auf der Burg. Jandt kommt übrigens aus Eckental. "Es ist wunderbar, wenn man sich zehn Tage nur der Malerei widmen kann. Hier auf der Plassenburg bleibt fast jede Störung durch die Außenwelt außen vor. Man kann sich austauschen, Tipps holen und inspirieren lassen", schwärmt Jandt.