"Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser". Dieser Spruch von Sokrates ziert das Marterl am "Dreieck", einem Platz für Generationen in Sollenberg. Beides steht für die Dorferneuerung als Dankbarkeit und Erinnerung an das Arbeiten, und beides war die Idee von Günther Eichler, der Koordinator, Mittelsmann und Beauftragter der Stadt für diese Dorferneuerung war. Er war aber auch für die Flurneuordnungen in Weißenohe und Dorfhaus als ökologischer Beauftragter zuständig.

Eine Aufgabe, die nicht einfach sei, denn jede Seite - die Baufirmen, die Dorfbewohner und das Amt - hat Wünsche und Ansprüche, die Eichler zu aller Zufriedenheit vermittelte. Aber auch den Baufirmen hat Günther Eichler mit Unterstützung seines Sohnes Frank auf die Finger geschaut und die Abrechnungen geprüft. "Günther Eichler war prädestiniert für diese Aufgaben", betonte Lothar Winkler, der Leiter des Amts für ländliche Entwicklung im historischen Rathaus in Gräfenberg.

Herausragendes Engagement

Dort überreichte der Behördenleiter Günther Eichler die bayerische Staatsmedaille für sein herausragendes Engagement bei beiden Verfahren. Zur coronabedingt familiär gehaltenen Feierstunde waren auch Winklers Stellvertreter Wolfgang Kießling, Michael Ullwer, der Betreuer der Dorferneuerung vom Amt für ländliche Entwicklung, stellvertretende Landrätin Rosi Kraus (CSU) und Gräfenbergs Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW). Mit Eichlers Naturverbundenheit begründete Winkler, warum kein besserer als Eichler für dieses Ehrenamt hätte gefunden werden können, und hob auch Eichlers Engagement für den LBV hervor. Hier besonders Eichlers Schleiereulenprojekt und das für den Milan. Vor allem aber betonte Winkler den Zeitaufwand, den Günther Eichler in diese Projekte gesteckt hat. Immerhin waren das mehr als 800 Stunden. "Durch Ihre unermüdliche Einsatzbereitschaft haben Sie Ihren Ortsteil Solleberg für heutige, aber vor allem auch für künftige Generationen maßgeblich mit Ihrer Handschrift geprägt und das sowohl in der Vorbereitungs- als auch in der Durchführungsphase", dankte Gräfenbergs Bürgermeister Ralf Kunzmann.

Auch der Geehrte selbst ergriff das Wort. Neben seinem Dank für diese Auszeichnung, riet er allen Bürgern zur Dorferneuerung. "Davon kann eine Kommune nur profitieren", sagt Eichler. Anders sei das bei den Flurneuordnungen. Geschaffene Biotopflächen seien Ausgleichsflächen, weil anderswo die Natur zerstört wurde. Günther Eichler zeigte auch Fotos von Stellen, die er nun kritisieren musste. Oder besser den Umgang damit. "Die Kommunen sind für die Pflege der Biotopflächen verantwortlich, doch das geschieht in den wenigsten Fällen", kritisierte Eichler. Immerhin bekommen die Kommunen Geld für die Pflege dieser Flächen.

Reger Erfahrungsaustausch

"Diese Biotoppflege wird stiefmütterlich behandelt", bedauerte Eichler. Als Beispiel nannte er einen Platz, an dem junge Bäumchen gepflanzt wurden, doch um diese herum wurden Baumstämme so abgelagert, dass die Rinde der jungen Bäume beschädigt wurde. Ob diese noch wachsen? "Bei der Flurneuordnung ist der Verlierer immer die Natur", so Eichler, und so gab es nach der Überreichung der Staatsmedaille einen regen Erfahrungsaustausch.