Viereinhalb Jahre muss ein 38-jähriger Mann aus dem Iran hinter Gitter. Er hatte nach Überzeugung der Jugendschutzkammer am Landgericht Bamberg die fünfjährige Tochter seiner Lebensgefährtin sexuell missbraucht. Der Vorfall hatte sich an einem Nachmittag im Oktober irgendwo im Landkreis Bamberg abgespielt. Dabei hatte sich der Mann zuvor mehr als zwei Jahre lang im Haushalt und bei der Betreuung der drei Kinder unentbehrlich gemacht.

"Ich habe sie gef ... Ich bin ein schlechter Mensch. Ich hasse mich". Die Stimme des Angeklagten kommt nicht von der Anklagebank. Dort schweigt er und lässt die Vorwürfe bis zuletzt bestreiten. Sie tönt aus einem Lautsprecher. Die Kriminalpolizei Schweinfurt hatte das Smartphone des Iraners abgehört. Kurz nach dem Vorfall in der gemeinsamen Wohnung war das. Da hatte die Mutter des Opfers ihn schon hinausgeworfen. Nun überführen diese Worte den leugnenden Iraner.

Als der Angeklagte in seinem Schlusswort einmal mehr seine Unschuld beteuert und die Vorwürfe "eine Lügengeschichte" und sich selbst "einen guten Papa" nennt, reicht es der Mutter des Mädchens: "Du willst nie für etwas geradestehen. Ich muss raus hier. Ich kotze gleich". Sie hatte den Geflüchteten aufgenommen, ihn unterstützt, wo es ging, und sogar seine gerichtlich verhängten Geldstrafen bezahlt.

"Jeder hat das Recht, verteidigt zu werden." Alexander Wessel ist um dieses Mandat nicht zu beneiden. Der Rechtsanwalt aus Haßfurt versucht mit allen Mitteln, den Angeklagten vor dem Gefängnis zu bewahren. Zuallererst bezweifelt er die Aussage des Kindes. Denn diese ist der einzige Beweis, der dem Angeklagten wirklich gefährlich werden könnte. Die Fachärzte der Frauenklinik und die Rechtsmediziner der Universität Erlangen haben nämlich weder Schmerzen noch Verletzungen im Intimbereich und schon gar keine Spermaspuren an dem Mädchen feststellen können. Das Mädchen hatte nach der Tat nämlich das Badezimmer aufgesucht. Zudem hatte die Mutter noch vor Entdeckung der Tat die Kleidung gewaschen.

Die Erzählung des Mädchens, so erklärt es Gabriele Drexler-Meyer, beruhe auf eigenem Erleben und sei nicht der Fantasie entsprungen. Das zeigten zahlreiche Details, die sich ein Kind in ihrem Alter nicht ausdenken könne. "Sie ist glaubhaft". Die Psychologin aus Nürnberg verneint in ihrem Gutachten mehrere von Rechtsanwalt Wessel ins Spiel gebrachte Möglichkeiten. Dass die Mutter dem Kind den sexuellen Missbrauch eingeredet habe, oder dass das Kind zufällig gesehene Pornos auf die eigene Wirklichkeit übertragen habe.

Psychische Folgen

Wie Staatsanwalt Patrick Keller geht auch Nebenklage-Vertreter Michael Lange davon aus, dass es sogar zu einem schweren sexuellen Missbrauch mit Eindringen in den Körper gekommen ist. "So etwas ist nicht hinnehmbar. Dafür muss er geradestehen".

Der Rechtsanwalt aus Bamberg, der die Interessen des Mädchens wahrnimmt, fordert knapp fünfeinhalb Jahre Haft. Auch wegen der langfristigen psychischen Folgen, die sich bereits jetzt im Alltag zeigten.

Dabei hatten die beiden psychiatrischen Sachverständigen Dr. Christoph Mattern aus Bayreuth und Jürgen Melzer aus Kutzenberg neben der eindeutigen Präferenz für erwachsene Frauen auch eine nicht ganz so starke pädophile Neigung feststellen können. Dass er Mädchen zwischen drei und 14 Jahren sexuell attraktiv findet, hatte der Angeklagte bei der Untersuchung sogar ganz offen zugegeben. "Die Tat passt zu seiner Persönlichkeit", so das Gericht. Hinzu kam eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, die ihn als empathielosen Soziopathen auftreten ließ. Er sei jemand, der die Schuld immer bei anderen suche, sich in sein Gegenüber nicht hineinfühlen könne, nur die eigenen Bedürfnisse im Auge habe. Dazu manipuliere er seine Mitmenschen, lüge und betrüge. So hatte er eine reichlich naive Frau aus dem Nachbarort dazu gebracht, ihm bei der Flucht nach Frankreich zu helfen, wofür diese wegen Strafvereitelung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

"Wir glauben dem Mädchen", so der Vorsitzende Richter Markus Reznik. Der Angeklagte habe schamlos das Vertrauen seiner Lebensgefährtin und deren Tochter missbraucht. Das Eindringen könne allerdings nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Der abgelehnte Asylbewerber dürfte nun direkt aus der Strafhaft in sein Heimatland abgeschoben werden. Das hatte er mit mehreren Identitäten und fehlenden Papieren seit über zwei Jahren hinauszögern können.