Zu zwei Jahren Freiheitsentzug ist ein 38-Jähriger aus Kronach wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung verurteilt worden. Für das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Melanie Krapf war erwiesen, dass der Angeklagte einem Coburger in dessen Wohnung Fußtritte und mehrere Faustschläge zufügte. Außerdem soll der Kronacher weite Teile der Wohnung verwüstet haben.
Der Vorfall ereignete sich Anfang dieses Jahres, als der Angeklagte gerade Sozialstunden bei den Coburger Diensten ableistete; dort ist auch das Coburger Opfer angestellt. Eines Tages erschien der Coburger mit einem blauen Auge auf der Arbeit, auf Anraten eines Vorgesetzten wurde der Vorfall gemeldet. Im Zuge der Ermittlungen gab der Angeklagte auch an, das Opfer nicht zu kennen. Diesen Umstand betrachtet ein Verantwortlicher der Coburger Dienste, gestern als Zeuge geladen, als unmöglich: "Man begegnet sich zwangsläufig auf dem relativ kleinen Betriebsgelände."
Der Angeklagte selbst jobbte in den vergangenen Jahren als Discjockey in Diskotheken - wenn er nicht gerade hinter Gittern saß. Denn insgesamt zwölf Einträge standen bereits vor seiner Verurteilung gestern im Strafregister. Die Gründe waren verschieden: Diebstahl, Raub, Beleidigung. Seine letzte Strafe, eigentlich auf Bewährung ausgesetzt, verbrachte er auf eigenen Wunsch hin lieber im Gefängnis.


"Diesmal war ich es nicht!"

Diesen Entschluss fasste er nach eigener Aussage nach reiflicher Überlegung, um nicht weitere Straftaten zu begehen. Den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung und Sachbeschädigung in der Coburger Wohnung bestritt er allerdings bis zum Schluss: "Ich war bei allen meinen Straftaten geständig, aber diesmal war ich es nicht!"
Für die Staatsanwaltschaft war die Sachlage aber eindeutig: Der Angeklagte verschaffte sich unberechtigten Zugang zur Wohnung und streckte das Opfer nach einem kurzen Streitgespräch mit Fußtritten und Faustschlägen nieder. Hauptgrund für diese Annahme war die Aussage des Opfers, welche sehr glaubwürdig sei. Denn sie enthalte detailreiche Beschreibungen und sei logisch und stringent vorgetragen worden. Auch auf Nachfragen des Gerichts und der Verteidigung habe er sachlich und ohne viel Bedenkzeit antworten können. Außerdem habe das Opfer keine gemeinsame Vorgeschichte mit dem Täter und habe folglich auch keine Ambitionen, den Angeklagten zu belasten. Entlasten hingegen wollte eine junge Zeugin den Kronacher. Ihr wurde seitens der Staatsanwaltschaft und auch später vom Schöffengericht die Glaubwürdigkeit abgesprochen - gegen sie wird mittlerweile in einem anderen Fall wegen vorsätzlicher Falschaussage ermittelt. Zugunsten des Angeklagten spricht laut Staatsanwaltschaft nur, dass das Opfer trotz der von einem Mediziner festgestellten Wucht der Schläge und Tritte keine Folgeschäden davongetragen habe. Insgesamt forderte die Staatsanwaltschaft für den 38-Jährigen einen Freiheitsentzug von zwei Jahren und sechs Monaten.
Die Verteidigung wies darauf hin, dass es keinerlei Hinweise gebe, dass der Kronacher am Tatort gewesen wäre. Sie hielt es für wahrscheinlicher, dass das Opfer von einem Dritten zugerichtet wurde. Das Schöffengericht entschied dennoch, den Angeklagten zu verurteilen. Man berief sich auf die Glaubwürdigkeit des Opfers und die erdrückende Indizienlast. Eine Verurteilung auf Bewährung kam nach Richterin Krapf nicht infrage: "Bei zwölf teils schwerwiegenden Einträgen ins Strafregister fiel uns die Entscheidung gegen eine Bewährung leicht."