von unserer Mitarbeiterin Johanna Eckert

Ebern — Damals, vor 2000 Jahren, wurde das Jesuskind still und leise in einem Stall in Bethlehem geboren. In Windeln gewickelt und ganz ärmlich lag es im Stroh. Heute, im Jahr 2014, haben Kinder der Chorklassen 5c und 6c der Realschule Ebern dieses wunderbare Ereignis zwar im Verborgenen, aber überhaupt nicht sang- und klanglos auf die Bühne gebracht.

Im kleinen Kreis

Es ist der Platzmangel im Schulgebäude, der Musiklehrer Bernd Schmidt und die Schulleitung dazu zwang, die Weihnachtsgeschichte im kleinen Kreis aufzuführen und auf ein großes, öffentliches Konzert zu verzichten. "In diesem Jahr konnten wir nur die Eltern der Kinder der Chorklassen einladen", sagte Bernd Schmidt. Und so wie damals vor 2000 Jahren verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer und die Eltern kamen in Scharen angeströmt.

An Darstellung feilen

Die Chorklassenarbeit ist mittlerweile zu einem Aushängeschild der Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule in Ebern geworden. Erst vor wenigen Wochen wurde die Arbeit im Kultusministerium anerkennend ausgezeichnet. Zwischendrin mussten sie Weihnachtslieder pauken und an ihren Fähigkeiten eines Musicaldarstellers feilen. Denn Bernd Schmidt und Tanja Lorenz legten ihren Kindern kein traditionelles Krippenspiel vor, sondern ein Musical zur Weihnachtsgeschichte namens "Am Himmel geht ein Fenster auf".
"Dafür mussten wir uns die Aufführungsrechte von Uli Führe, der das Musical geschrieben hat, erwerben", erklärte Schulleiter Hartmut Weis den Gästen, "deshalb müssen Sie für diese Aufführung auch einen kleinen Eintritt zahlen".
Aber diese paar Euro hat niemand bereut, denn die Schülerinnen und Schüler der Chorklasse boten eine Weihnachtsgeschichte, die im Herzen ankam. Der alte Erzählkern vom Weihnachtswunder blieb unberührt; die Handlungen orientierten sich jedoch an Anachronismen, dem direkten Bezug zur heimatlichen Umgebung und komödien haften Zwischenstücken, die das ernste Spiel um Josef und Maria unterbrachen.
Der kleine König Herodes, auch kurz "Rodi" genannt, trat erhaben mit seiner Sekretärin auf, die seine Anrufe auf dem Handy entgegennahm, während er sich darüber lustig machte, dass in Bethlehem, "in diesem Kuhfladen", ein neuer König geboren wäre. Die Heiligen Drei Könige ließen Gold, Weihrauch und Myrrhe zuhause und zeigten sich auf der Bühne als Direktoren der Orient-Bank, mit Akten-Koffer und Laptop. Die Geburt von Jesus haben sie auf letzterem ganz genau berechnet.

Hochschwanger viel laufen

Und Maria war stinksauer auf den Kaiser, der ihr den Befehl gab, viele Kilometer zu laufen: "Der ist ja schließlich nicht hochschwanger."
Neben der Chorklassen 5c und 6c wirkten auch das Orchester und die ganze Schulfamilie an dieser Weihnachtsgeschichte mit. Denn die perfekte Inszenierung des Musicals erforderte einige Unterrichtsstunden und brachte Unruhe ins Schulhaus. Hartmut Weis dankte auch den Eltern der Kinder für das große Engagement. Mit dem spontanen Applaus zeigten sie Selbstverständlichkeit für ihren Einsatz.